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Attentat: Experten warnen vor Totschweigen

pixelio.de (Kunstzirkus) © pixelio.de (Kunstzirkus)

Medien sollten nicht aufhören, über das Attentat in Norwegen zu berichten, sondern lieber Islam und Islamfeindlichkeit neu diskutieren. Das betont der Medienpsychologe Peter Vitouch vom Institut für Publizistik der Universität Wien. "Die deutschsprachigen Länder reagierten auf die Bluttat reflexartig mit einer Sicherheitsdebatte. Wie man in Norwegen sieht, besteht jedoch die Chance, den Prozess in Richtung offene Gesellschaft nun weiter zu verfolgen", so der Experte.

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Abseits von Tabus

Günstig wäre dies, da die bisherige Diskussion zu Integration vielerorts festgefahren scheint. "Lange Zeit gab es bloß feste Positionierungen mit moralischen Appellen auf der einen Seite, dass eine Multi-Kulti-Gesellschaft eben zu funktionieren hat, um negative Folgen zu verhindern. Von der anderen Seite wurden die auftretenden Probleme der Zuwanderung und Integration hingegen benutzt, um rechtspopulistische Ängste zu schüren. Beide Standpunkte sind jedoch miteinander unvereinbar", betont Vitouch.

Gewaltverbrechen von Soziopathen wie nun in Norwegen könne man nie ganz verhindern, so Vitouch, und es gäbe auch keine Zauberstab-Lösung des Integrationsproblems. "Wir brauchen eine kontinuierliche, intellektuell-humanistische Diskussion. Es gibt Schwierigkeiten und Probleme der Akzeptanz, die man ansprechen muss. Beide Seiten müssen ihre Rechten und Pflichten kennen, Tabus und unter den Teppich kehren hilft hingegen nichts." Die Integrationspolitik sei am Zug, Rahmenbedingungen für einen derartigen Dialog zu erstellen.

Geiselhaft der Medien

Eindeutig fehl am Platz ist für Vitouch hingegen, der Person des Attentäters noch mehr Medieninteresse zu geben. "Die Medien sind in Geiselhaft, da sie aufgrund des enormen Interesses nicht schweigen können. Das Anliegen des Mörders, sein Gedankengut durch die Gewalttat populär zu machen, geht damit nur in Erfüllung. Davor sollte man sich aber hüten." Ähnliche Forderungen stellten gestern Psychologen.

Eindeutig geisteskrank

Ohnehin wäre es fatal, aus den Gedanken des Täters politische Botschaften zu lesen, betont auch Alfred Pritz, Direktor der Sigmund-Freud-Universität. Der Wiener Psychiater unterstützt die Meinung des Anwalts des Täters, dieser sei geisteskrank. "Die Freude beim Töten, die völlige Entmenschlichung sowie die Unfähigkeit zu Mitgefühl zeigen das eindeutig. Die wirre Welt, in der sich der Täter wähnte, gab es nur in seinem Kopf, und auch sein Handeln folgte keiner Logik." Die offene Diskussion sei bereits im Gange und sollte nicht von einem Massenmörder inspiriert werden, so Pritz. 

Autor: pressetext.de, Johannes Pernsteiner (Stand: 26.07.2011)

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