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Kleinspitäler mit Vollangebot gefährlich und teuer

photocase.com © photocase.com

Die Kürzung medizinischer Leistung ist der falsche Weg, um auf die angespannten Gesundheitsbudgets zu reagieren. Vielmehr muss die Spitalsstruktur tiefgreifend verändert werden. Das betont Günther Leiner, Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG) am gestrigen Mittwochabend anlässlich der Vorstellung des Kongressprogramms, das in diesem Jahr unter dem Motto "Krise als Chance - Gesundheit in Zeiten der Sparpolitik" steht. "Es gibt zu viele Spitäler, zu viele Spitalsbetten, zu viele Spitalsaufnahmen und eine zu kleinteilige Spitalsstruktur", so der Gesundheitsexperte.

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Steigende Ausgaben

"Die Gesundheitsausgaben steigen in den EU-Ländern schneller als das Volksvermögen - in den nächsten 20 Jahren um rund ein Viertel. Ein Hauptgrund ist die Alterung der Bevölkerung", berichtet Dirk Fassbender, stellvertretender Leiter der Vertretung der EU-Kommission in Österreich. Es sei somit wichtig, den Sektor nachhaltiger, effizienter und innovativer zu gestalten, was die EU in der Initiative "Europa 2020" anstrebt. Ein zentrales Ziel dabei ist die Verlängerung der gesunden Lebensjahre.

Chance sinnvollen Sparens ungenutzt

Leiner ortet angesichts der Wirtschaftskrise eine paradoxe Situation: "Man schreckt nicht vor massiven Leistungskürzungen zurück und enthält Patienten nötige Behandlungen vor. Gleichzeitig nutzt man aber viel Spar- und Effizienzpotenzial nicht, das zudem Versorgungsqualität bessern würde." Besonders teuer sind die vielen kleinen Krankenhäuser, die ohne Spezialisierung das gesamte Leistungsspektrum anbieten. "Viele Bürgermeister wollen nicht auf das eigene Kleinspital verzichten, um wieder gewählt zu werden", erklärt der EHFG-Präsident gegenüber pressetext.

Diese Taktik ist gefährlich für Patienten: US-Forscher zeigten etwa, dass bei Aorta-, Bypass- oder Magenband-Operationen mehr Komplikationen auftreten, wenn das Spital den Eingriff selten durchführt. Krankenhäuser mit unter sechs Herztransplantationen pro Jahr haben bei diesem Eingriff eine um zwei Drittel höhere Sterblichkeit als bei einer Fallzahl von über 15. Kleine Spitäler sind bei Herzinfarkt, Herzschwäche und Lungenentzündung riskanter, ebenso Intensivbetten mit geringer Patientenzahl pro Jahr. "Wie überall gilt: Was man selten tut, macht man weniger gut, da die spezialisierte Erfahrung fehlt", betont Leiner.

Spezialisierung statt Vollangebot

Deutschland und Österreich sind mit 8,2 bzw. 7,7 Krankenhausbetten pro 100.000 Einwohnern Rekordhalter in Europa. Reformvorreiter Schweden kommt im Vergleich mit 2,8, Norwegen mit 3,3 und Holland mit 4,7 Betten aus. "Die Versorgung ist in diesen Staaten nicht schlechter, vielmehr sind etwa Hollands Spitäler Vorbilder bei vielen Qualitätsindikatoren", so Leiner. Nicht Spitalsschließungen, sondern Spezialisierung und Arbeitsteilung seien heute nötig. Vom Vollangebot in jedem kleinen Haus müsse man sich hingegen endlich verabschieden.

Autor: pressetext.de; Johannes Pernsteiner (Stand: 05.07.2012)

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