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Kinderchirurgen warnen: Winterzeit ist Verbrennungszeit

photocase.de (knuth) © photocase.de (knuth)

Berlin – „Winterzeit ist Verbrennungszeit“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) auf ihrer Pressekonferenz zum „Tag des brandverletzten Kindes“. Denn Feuerwerkskörper, Kerzenflammen, Kaminfeuer und Heißgetränke kommen vor allem in der kalten Jahreszeit zum Einsatz. „Verbrennungsunfälle sind vermeidbar“, sagt DGKCH-Expertin Professor Dr. med. Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie an der Berliner Charité. Mitunter können nur noch Hauttransplantate das Leben von schwer brandverletzen Kindern retten. Jetzt ist es Schweizer Forschern gelungen, Zellen der Unter- und Oberhaut in einer biologischen Struktur zu züchten und zu transplantieren, die dem Aufbau der Haut sehr nahe kommt. Diese Innovation könnte die Lebensqualität tausender Patienten zukünftig verbessern.

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„Haben sich Kinder erst einmal verbrannt, steht ihnen meist ein langer Leidensweg bevor,“ , sagt Professor Rothe, die sich und ihre Kollegen als Anwalt der Kinder sieht. So vernarbt verbrannte Haut und wächst mit dem Kind nicht mit. Oberhauttransplantate retteten zwar oft das Leben von Schwerverletzten, aber sie machten bislang mehr als 70 Operationen bis ins Erwachsenenalter notwendig. Bei brandverletzten Patienten erzielen Mediziner zurzeit die besten Ergebnisse, wenn gesunde patienteneigene Vollhaut beispielsweise von den Fußsohlen transplantiert wird. Denn diese Vollhaut bildet nur sehr selten überschießende Narben. Leider steht sie aber naturgemäß nur begrenzt und für kleinere Flächen zur Verfügung. Was fehlt, ist ein im Labor gezüchteter Vollhautersatz, der ähnlich gut vertragen wird wie die eigene Vollhaut. Könnten die Experten Haut beliebig nachzüchten, wäre immer ausreichend Haut zur Wunddeckung verfügbar. Bis dahin aber muss Haut in mühevoller Kleinstarbeit in der Petrischale gezüchtet und anschließend verpflanzt werden. „Pro Quadratzentimeter verbrannter Haut brauchen wir dafür etwa einen Tag“, sagt Privatdozent Dr. med. Clemens Schiestl, Leiter des Zentrums für brandverletzte Kinder am Kinderspital Zürich. 

Doch das soll sich bald ändern. Schon seit 20 Jahren suchen Forscher vom Zentrum für brandverletzte Kinder am Kinderspital Zürich nach Wegen, die so genannte „Laborhaut“ zu verbessern. „Der Durchbruch zur wirklichen Weiterentwicklung von Hauttransplantaten aus dem Labor wurde mit der Entwicklung einer Trägersubstanz erzielt. Allein das hat uns fünf Jahre gekostet“, so Schiestl.  Die Matrix ermögliche es nun, Zellen der Unter- und Oberhaut zu züchten und zu transplantieren, so dass sie eine stabile und gut aufgebaute Haut ergeben. 

Zusammen mit Wissenschaftlern aus Berlin und Amsterdam haben die Schweizer Experten nun im kommenden Jahr aufwendige Studien geplant, die von der EU mit sechs Millionen Euro gefördert werden. Privatdozent Dr. med. Clemens Schiestl freut sich: „Schon im kommenden Jahr können wir endlich den wichtigen Schritt heraus aus dem Labor, hin ans Krankenbett vollziehen und bald das Leiden vieler Patienten lindern.“ 2013 wird die neuartige Laborhaut erstmals in Zürich bei verbrannten Kindern aufgelegt. In Tierversuchen habe das bisher sehr gut geklappt. Privatdozent Dr. med. Clemens Schiestl erklärt: „Wir hoffen, dass wir schon bald diese lebensrettende und elastische Haut standardmäßig einsetzen und den Kindern so einen langen Leidensweg ersparen können.“   

Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V. hat den 7. Dezember 2012 zum bundesweiten Tag des brandverletzten Kindes ausgerufen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) nimmt diesen Aktionstag zum Anlass auf unterschätzte und neue Gefahren für Säuglinge und Kinder hinzuweisen.

Autor: Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie; Stand: 06.12.2012

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