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Kinderlähmung: Experten geben keine Entwarnung

pixelio.de / seedo © pixelio.de / seedo

Der Kampf gegen Kinderlähmung ist fast gewonnen. Laut einer Studie der University of Michigan http://umich.edu/ zur Übertragung des Virus wird der Kampf auch noch lange nach dem letzten gemeldeten Krankheitsfall weitergehen. Das Team um Micaela Martinez-Bakker empfiehlt daher neben Impfkampagnen eine sehr genaue Überwachung der Umwelt.

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Impfen hilft, Löcher zu stopfen

Laut den in "PLOS Biology" http://journals.plos.org/plosbiology veröffentlichten Forschungsergebnissen kann sich das Virus sehr lange verbreiten, ohne dass Erkrankungen bekannt werden. "Wir können mithilfe von Transmissionsmodellen zeigen, dass es noch mehr als drei Jahre lang zu einer stillen Übertragung kommen kann, ohne dass ein einziger Krankheitsfall gemeldet wird", so Martinez-Bakker.

An Polio erkranken hauptsächlich Kinder unter fünf Jahren. Eine von 200 Infektionen führt zu irreversiblen Lähmungserscheinungen. 1979 wurde in den USA der letzte natürlich aufgetretene Fall gemeldet. Laut der Weltgesundheitsorganisation erkrankten 2013 weltweit 416 Personen. Die Krankheit tritt aber immer seltener auf. 1988 war Kinderlähmung in 125 Ländern endemisch. Heute ist sie nur noch in Afghanistan, Nigeria und Pakistan verbreitet.

Ein Großteil dieses Rückgangs ist auf den Erfolg von Impfaktionen zurückzuführen. Den Studienautoren nach sind aber entscheidende Bereiche der Krankheitsübertragung noch immer nicht erforscht. Daher analysierten die Forscher Poliofälle in den USA aus der Zeit der Epidemien vor der Einführung der Impfungen. Zu den ausgewerteten Daten gehörten Geburtsstatistiken und die Bevölkerungsdaten aus allen Bundesstaaten. Damit konnte die Ökologie einer Infektion in einer Welt ohne menschliche Eingriffe untersucht werden.

Hohe Geburtenraten problematisch

Die Verbreitung der Kinderlähmung war in den USA 1952 am größten. In diesem Jahr wurden 57.000 Erkrankungen gemeldet. Umfassende Impfungen mit dem neuen Impfstoff fanden erst drei Jahre später statt. Zwischen den 30er- und 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts trat das Virus in den USA deutlich häufiger auf. Die Wissenschaftler gingen daher anfänglich von einer Entwicklung der Krankheit aus.

Diese Hypothese beruhte darauf, dass Verbesserungen in der Hygiene die Übertragung verringerten und die Last der Infektionen auf die dafür anfälligeren Kinder verlagerten. Damit sei, so die Wissenschaftler, auch die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Manifestation angestiegen. Heute gehen die Forscher jedoch davon aus, dass diese Hypothese falsch war.

Stattdessen nehmen die Experten jetzt an, dass der Anstieg der Erkrankungen auf die höheren Geburtenzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen ist. Mehr Kinder hätten auch größere Ausbrüche ermöglicht. Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass neben den 52.000 Erkrankungen im Jahr 1952 mehr als drei Mio. Menschen infiziert worden sind.

Autor: pressetext.com, Michaela Monschein, 22.06.2015

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