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Studien zu Videospielen: Actiongames im Blickpunkt

flickr.com/Luke Hayfield © flickr.com/Luke Hayfield

Forscher weltweit beschäftigen sich immer wieder mit Actionspielen, vor allem mit ihren Auswirkungen auf das menschliche Gehirn. Die landläufigen Ansichten zu diesem Genre gehen weit auseinander: Sie erfordern schnelle Reaktionen, höchste Konzentration und in Mehrspielerpartien auch Teamfähigkeit, argumentieren Fans von Actiongames. Sie sind gewalttätig, erhöhen das Aggressionspotenzial und seien der Grund für nachlassende schulische Leistungen, so ihre Gegner. Wir haben Forschungsergebnisse der letzten Jahre gesammelt, um herauszufinden, was an diesen Vorurteilen tatsächlich dran ist.

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Actionspiele fördern Flexibilität

In einer Untersuchung haben Forscher der Universität Leiden bereits vor Jahren festgestellt, dass rasante Shooter die "kognitive Flexibilität" fördern. Spieler müssen sich bei hohem Spieltempo in rasanter Abfolge von Ereignissen auf immer neue Situationen einstellen und dabei gute Reflexe beweisen: "Videospiele trainieren die natürlichen Reflexe", erklärt Lorenza Colzato, Autorin der Studie, laut eines Artikels der österreichischen Zeitung "Der Standard". Das ist soweit nachvollziehbar. Dass Spiele, in denen Konflikte vorwiegend mit Waffengewalt gelöst werden, sogar besser für das Gehirn sein sollen als eigens fürs "Gehirnjogging" konzipierte Denkspiele, verwundert allerdings schon. Die Studienergebnisse deuten zwar daraufhin, dass Spieler ihre kognitiven Fähigkeiten auch mit Denkspielen fördern, die erworbenen Kompetenzen lassen sich aber schwerer auf das reale Leben übertragen. Actionspiele wirken sich hingegen positiv auf die Fähigkeit zum Multitasking aus. Da es in Actionspielen "drunter und drüber auf dem Bildschirm" geht, so die anschauliche Genrebeschreibung auf browsergames.de, müssen Spieler lernen, in Sekundenschnelle Entscheidungen zu treffen, die über Erfolg und Misserfolg im Game entscheiden. Und diese Fähigkeit zum Beispiel ist auch im Straßenverkehr und im Berufsalltag gefragt.

Jüngere Studien bestätigen Ergebnisse, benennen aber auch negative Folgen

Die Ergebnisse der genannten Untersuchung bestätigt auch eine jüngere Studie der Federation of Associations in Behavioral & Brain Sciences (FABBS): "Es wurde herausgefunden, dass Actionspiele einen positiven Einfluss auf Aufmerksamkeitsfähigkeiten, die Verarbeitungsprozesse im Gehirn und die kognitiven Funktionen [...] haben", zitiert das Fachmagazin Gamestar die Studie. Die Autoren der Studie bestätigen ebenfalls den Unterschied zu Denkspielen, betonen aber, dass sowohl "positive als auch negative Auswirkungen auf soziale Funktionen" beobachtet werden konnten, so die Gamestar. Insbesondere der übermäßige Konsum von Videospielen soll zu Aufmerksamkeitsschwächen führen. Einen Zusammenhang zwischen Actionspielen und einer durch übermäßigen Konsum bedingten geringeren Aufmerksamkeitsspanne konnten die Forscher hingegen nicht feststellen. Der Frage nach den negativen Folgen exzessiven Spielens sind auch Wissenschaftler aus Südkorea nachgegangen: Die Forscher führten bei 106 spielsüchtigen Probanden einen Gehirnscan durch und erkannten dabei eine "ausgeprägte Vernetzung von Gehirn-Subsystemen", wie es in diesem Artikel zu der Studie heißt. Dieser Befund scheint die Ergebnisse vorheriger Untersuchungen zu bestätigen. Denn diese neuronalen Verbindungen können die Reaktionsschnelligkeit und das Konzentrationsvermögen erhöhen – beides ist wichtig, um etwa beim Autofahren oder in Stresssituationen im Alltag den Überblick zu behalten. Doch die Spieler wiesen auch übermäßig viele Verbindungen in anderen Gehirnregionen auf, vor allem zwischen dem präfrontalen Cortex und dem im Gehirn, was wiederum zu leichter Ablenkbarkeit führen kann. Welche Spiele die Probanden spielten, bleibt allerdings offen. Ein Zusammenhang konkret mit Actionspielen ist demnach fraglich.

Keine Langzeitfolgen durch Shooter

Schnellere Reaktionen und eine leichtere Ablenkbarkeit bei exzessivem Spielekonsum sind also durch mehrere wissenschaftliche Studien bestätigt. Offen ist aber noch, ob Shooter und Co. tatsächlich aggressiv machen beziehungsweise abstumpfen– ein Vorurteil, das seit Jahren in den Medien diskutiert wird. Laut dem Wissensmagazin Scinexx ergaben Studien, dass Spieler von Shooter Games in der Tat ein erhöhtes Aggressionspotenzial aufweisen, allerdings nur während des Spielens sowie kurz danach. Der Frage nach langfristigen Folgen hat sich jüngst die Medizinische Hochschule Hannover gewidmet: Ihre Probanden spielten über einen Zeitraum von vier Jahren täglich mindestens zwei Stunden lang Shooter-Spiele wie Counterstrike. Die Forscher verglichen die Spieler währenddessen mit einer nicht spielenden Vergleichsgruppe – und konnten keine Unterschiede hinsichtlich Empathiefähigkeit und Aggressionsniveau feststellen.

Studien arbeiteten nur mit kleinen Probandengruppen

Die Studien zeigen: Actionspiele sind weitaus besser als ihr Ruf. Doch gerade exzessives Spielen kann auch negative Folgen haben, zum Beispiel eine geringere Aufmerksamkeitsspanne. Wie immer macht die Dosis das Gift. Dass Actionspiele mit besonders gewalttätigem Setting hingegen aggressiv machen, konnte eine Langzeitstudie widerlegen. Offen bleibt allerdings, inwieweit sich aus den Studienergebnissen allgemeingültige Aussagen ableiten lassen, denn alle Studien arbeiteten lediglich mit kleinen, nicht repräsentativen Probandengruppen. So werden in Zukunft weitere Studien notwendig sein, um die bisherigen Erkenntnisse zu bestätigen. 

Autor: Wissen Gesundheit

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