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Kann Melatonin bei einem Jetlag helfen

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Der Urlaub beginnt für viele Deutsche mit einer Reise. In einigen Fällen führt diese Urlauber in eine andere Zeitzone. Speziell die transatlantischen Reisen besitzen einen anstrengenden Nebeneffekt, den Jetlag. Konzentrationsschwäche, Lust- und Energielosigkeit und Müdigkeit sind die unangenehmen Folgen, der durch einen gestörten Schlafrhythmus entsteht. Das Medikament Melatonin kann bei einem Jetlag helfen, den gestörten Schlafrhythmus wieder in geordnete Bahnen zu lenken, so zumindest die Theorie. Doch was sagt die Praxis?

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Reisen durch verschiedene Zeitzonen

Peking, Singapur, New York, Sydney, Las Vegas oder Tokio – was haben all diese Reiseziele neben ihrer offensichtlichen Anziehungskraft für Touristen gemeinsam? Sie befinden sich für den deutschen Urlauber alle in einer anderen Zeitzone. Die Zeitverschiebung betrifft zudem nicht nur ein bis zwei Stunden, sondern bis zu einem halben Tag. Diese Fernreisen belasten den Körper massiv.

Der gestörte Schlafrhythmus beziehungsweise der Circadiane Biorhythmus haben starke Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Menschen. Die innere Uhr ist aus dem Gleichgewicht gebracht worden und benötigt häufig, besonders wenn die Reise in den Osten geht, mehrere Tage, um sich wieder einzupendeln.

Die körperlichen Folgen können den Start in den Urlaub oder die Rückkehr ins Berufsleben stark beeinträchtigen. So leidet der Körper bei einem Jetlag meistens unter den folgenden Symptomen:

• Müdigkeit

• Lustlosigkeit

• Energielosigkeit

• Konzentrationsschwäche

• Schlechter Laune

Der Pharmaindustrie ist es jedoch gelungen, mit dem Schlafhormon Melatonin Reisenden eine wirksame Hilfe zur Seite zu stellen, um die Nebeneffekte des Jetlags zu minimieren. Das gelingt durch eine schnelle Anpassung des Körpers an den neuen Schlafrhythmus mithilfe der Arznei Melatonin und verbessert die Schlafqualität und Schlafdauer. Zumindest besagen das die Aussagen der Hersteller. Doch was genau ist dran an den Versprechungen des Wundermittels?

Was ist Melatonin und wie hilft es bei einem Jetlag?

Melatonin ist ein Botenstoff und Antioxidans. Ein Antioxidans ist ein Enzym, welches den Körper vor reaktiven Sauerstoffspezies und damit vor oxidativem Stress schützen soll. Der Körper reguliert seinen Schlaf-Wach-Rhythmus durch die Zirbeldrüse. Diese schüttet, wenn es dunkel wird, körpereigenes Melatonin aus, wodurch wiederum die Müdigkeit einsetzt.

Während der Nacht steigt der Melatonin-Spiegel im Blut bis zum Höhepunkt, meistens zwischen zwei und drei Uhr nachts, immer weiter an. Danach flacht der Melatonin-Spiegel langsam ab. Zusätzlich wird die Produktion im Körper durch die Aufnahme von Morgenhelligkeit gehemmt. So reguliert der Körper eigenständig den 24 Stunden andauernden Circadianen Rhythmus.

Reist man in eine andere Zeitzone, wird der Tag beziehungsweise die Nacht um mehrere Stunden verlängert oder verkürzt. Die Folge davon ist ein gestörter Circadianer Rhythmus, der wiederum die benannten Symptome wie beispielsweise Tagesmüdigkeit hervorruft. Dieses Phänomen wird als Jetlag bezeichnet.

Die Verwendung des Medikaments Melatonin, also die Einnahme von zusätzlichen „Müdigkeits-Enzymen“, bekämpft den Jetlag laut der Pharmaindustrie effektiv. Auch Schlafstörungen, die nicht durch einen Jetlag verursacht sind, sollen mit Melatonin erfolgreich behandelt werden können. 19 Placebo-kontrollierte klinische Studien mit rund 1.700 Teilnehmern weisen zunächst einmal nach, dass Patienten mit Schlafstörungen, die mit einer Tagesdosis beziehungsweise Nachtdosis von 2-5 mg Melatonin behandelt wurden:

• Eine verkürzte Zeit zum Einschlafen benötigten

• Eine verlängerte Schlafdauer besaßen

• Eine signifikante Steigerung der Schlafqualität erzielen konnten

• Ihre Tiefschlafphasen und die REM-Phasen (Traumphasen) trotz Medikamenteneinnahme erreichen konnten

Durch die Einnahme von nur 0,5 mg Melatonin konnte der geregelte Circadiane Rhythmus bei Erwachsenen nach einem Jetlag deutlich schneller wiederhergestellt werden. Um das Medikament Melatonin gab es speziell in den USA in den 90er Jahren geradezu einen Hype. Das lag vor allen Dingen an den Ergebnissen erster Studien an Menschen zu den zusätzlichen Nebeneffekten von Melatonin.

Melatonin – ein Alleskönner

Einige Tierversuche sowie erste Ergebnisse von Studien an Menschen verstärkten den Verdacht, dass Melatonin nicht nur Schlafstörungen bekämpft beziehungsweise die Wirkung bei einem Jetlag reguliert. Es soll ebenso einen positiven Nebeneffekt auf die folgenden Bereiche haben:

Antioxidant

Zellschädigende Stoffwechselschädlinge, sogenannte freie Radikale, werden vom Melatonin abgefangen und zerstört. Da Melatonin fett- als auch wasserlöslich ist, bietet es einen effektiven Gesamtschutz vor freien Radikalen. Zusätzlich wird die körpereigene Produktion von entgiftenden Enzymen angeregt.

Krebs

Zwei Meta-Analysen von über 10 randomisierten klinischen Studien zeigten, dass bei einem an Krebs erkrankten Patienten durch das zusätzliche Verabreichen von Melatonin die Remissionsrate sowie die Überlebensrate signifikant steigen. Auch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie gingen in ihrer Intensität zurück. Allerdings muss mit diesen Ergebnissen sehr vorsichtig umgegangen werden, da andere klinische Studien diesen Ergebnissen widersprachen. Die Forschung wird in diesem Bereich noch viele weitere Untersuchungen benötigen.

Alterungsprozess

Melatonin hat bei verschiedenen Tierversuchen angedeutet, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Dies liegt hauptsächlich in der Regulierung des Immunsystem begründet. Auch hier muss jedoch die Vorsicht walten, da bisher jegliche Studien mit Menschen fehlen.

Ängste und Depressionen

Trotz einiger Stimmen über die positive Wirkung von Melatonin bei Ängsten und Depressionen ist die tatsächliche Wirkung minimal. Angstzustände, beispielsweise vor einer Operation, können aber mit Melatonin beruhigt werden, da es wie eine leichte Sedierung wirkt.

Immunsystem

Effektivere Impfungen sowie eine verstärkte antibakterielle Wirkung scheinen durch die Verabreichung von Melatonin möglich. Doch auch in diesem Bereich berufen sich diese Aussagen lediglich auf Tierversuche. Humane Studien fehlen.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist in Deutschland weit verbreitet. Umso stärker ruhen die Hoffnungen auf Melatonin als Heilmittel. Denn die ersten Ergebnisse bei den Testpersonen waren mehr als vielversprechend. Die Schmerzempfindungen im Bereich des Bauches gingen deutlich zurück. Ebenso stieg die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend an. In diesem Bereich könnte das Medikament Melatonin künftig eine große Rolle spielen.

Tinnitus

Das Piepen und Pfeifen im Ohr ist eine Volkskrankheit. Durch den steigenden Alltagslärm werden in Zukunft noch mehr Menschen unter einem Tinnitus leiden. Melatonin kann zwar die Geräusche an sich nicht vermeiden, es hilft allerdings beim Einschlafen und erhöht die Schlafqualität. Die Patienten werden dadurch auf der psychischen Eben gestärkt. Eine therapierende Wirkung besitzt Melatonin aber nicht.

Melatonin ist ein vielversprechendes Medikament für verschiedene Krankheitsbilder. Allerdings fehlen in den meisten Fällen ausreichende Studien am Menschen, um abschließend ein Urteil über die Wirksamkeit von Melatonin fällen zu können.

Autor: Wissen Gesundheit - Redaktion

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