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Wenn der Bauch mitfühlt

Bewiesen: Bei Reizmagen schlägt die Seele über den Körper Alarm
Der Magen drückt und schmerzt mal wieder. Die Gänge zur Toilette häufen sich. „Reizmagen“ sagt der Arzt dazu. Aber was das genau ist, kann er oft nicht erklären.
Denn bei jedem zweiten Patienten mit Magen- oder Darmbeschwerden ist keine exakte Ursache auszumachen. Also kein Magengeschwür, kein Tumor, keine chronische Darmentzündung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, keine Fischvergiftung, keine Salmonelleninfektion uwm.
Für den Mediziner heißt eine solche Diagnose: Reizmagensyndrom ohne Organbefund.

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Bislang ging man davon aus, dass eine Fehlsteuerung des vegetativen Nervensystems für die Beschwerden mitverantwortlich ist. Aber was das genau ist, darüber war man sich im Unklaren. Da aber die Erfahrung in den Hausarztpraxen gezeigt hat, dass Entspannung oder ruhigere Lebensverhältnisse die Symptome verbessern, lautete die Empfehlung meist, es einmal mit Autogenem Training oder mit einer Psychotherapie zu versuchen. Und dann waren die Patienten aus der Behandlung entlassen.
Zurück blieb das Gefühl, als „eingebildete Kranke“ abgestempelt worden zu sein.
 
Damit aber tut man diesen Patienten Unrecht. Denn ein Reizmagen ist nach neuen Erkenntnissen ein Zusammenwirken von einer veranlagten empfindlichen Reaktion auf Stresshormone und von ungesundem Stress. Dies hat im Jahr 2004 eine Langzeitstudie im Rahmen eines Forschungsprojekts der deutschen Forschungsgesellschaft ergeben. Sie wurde durchgeführt von dem Gastroenterologen Prof. Gerald Holtmann und dem Psychosomatiker Prof. Gereon Heuft.

Die beiden Wissenschaftler wollten untersuchen, ob eine psychische Therapie oder eine körperliche (somatische) Therapie besser ist. Die Ergebnisse zeigten, dass die beste Therapie eines Reizmagens in einer Kombination besteht, also entkrampfende magenberuhigende Medikamente wie zum Beispiel die Kombination Pfefferminz- und Kümmelöl und zusätzlich entspannende Übungen bzw. eine Psychotherapie.
Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, wurden knapp 80 schwerkranke Patienten ausgewählt. Bei ihnen allen bestanden die Symptome seit mindestens zehn Jahren und sie beeinträchtigen die Lebensqualität mindestens so stark wie ein Magentumor.

In dem Zusammenhang wurde übrigens auch geklärt, warum uns vieles so schnell auf den Magen schlägt: Denn der Darm besitzt ein eigenständiges Nervensystem mit 100 Millionen Nervenzellen. Hinzu kommen jede Menge Nervenzellen von Speiseröhre über den Magen bis zum Darm. Sie alle sind von ihrem Aufbau nahezu identisch mit den Nervenzellen im Kopf. Dies bedeutet, dass die Neurotransmitter, die im Kopf ihre Funktion erfüllen, in gleicher Weise im Magen-Darm-Trakt wirken.

Wenn also Stress die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin im Kopf freisetzt, dann wirken diese ebenso im Bauch. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine neue Forschungsrichtung gegründet. Sie heißt Neurogastroenterologie. Zu übersetzen mit: Die Lehre von den Nerven des Magens und Darms. Eingeprägt aber hat sich der Ausdruck: Die Lehre vom Bauchhirn. Die Neurogastroenterologie hat zum Ziel, die Entwicklung und genaue Funktionsweise des Bauchhirns zu enträtseln.

Fazit: Oft können es Patienten schwer akzeptieren, wenn der untersuchende Arzt bei Magen-Darm Beschwerden nach psychischen Ursachen sucht. Mit dem neuen Modell, nach dem die Nerven im „Kopfhirn“ und im „Bauchhirn“ identisch sind und daher auf ähnliche Reize reagieren, wird es Ihnen künftig sicher leichter fallen, neben den magenentspannenden Kapseln auch Entspannungsübungen für die Seele durchzuführen.

Autorin: Beatrice Wagner
Stand: 22.11.2004
Quelle: Holtmann G, Kutscher SU, Haag S, Langkafel M, Heuft G, Neufang-Hueber J, Goebell H, Senf W, Talley NJ: „Clinical presentation and personality factors are predictors of the response to treatment in patients with functional dyspepsia; a randomized, double-blind placebo-controlled crossover study“, Dig Dis Sci. 2004 Apr;49(4):672-9.

Autor: Beatrice Wagner; Stand: 22.11.2004

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