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Training gegen Nervenschmerz

Die Verletzung ist meist nur leicht, aber die Folgen sind gefürchtet.

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Bei manchen Patienten entwickelt sich nach einem Stoß oder Knochenbruch ein so genannter Morbus Sudeck – auch als chronisches regionales Schmerzsyndrom bezeichnet.
Dies zeichnet sich durch große Schmerzen, motorische Störungen, Schwellungen, Haut- und Knochenveränderungen im betroffenen Körperglied aus. Im Endstadium kann es dort zu einem kompletten Funktionsverlust kommen.

Der Hamburger Chirurg Paul Sudeck beschrieb um 1900 die Krankheit als eine „entgleiste Heilentzündung“.

Eine Ursache ist nicht erkennbar. In vielen Fällen geht eine längere Ruhigstellung der Erkrankung voraus. Es wird vermutet, dass die Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem gestört ist. Dies könnte zu zu einer überschießenden Reaktion des Nervus Sympathikus führen.

Die Therapie umfasste bislang im Wesentlichen Krankengymnastik, physikalische Anwendungen, Schmerztherapie und Sympathikusblockade.

Hier haben Mediziner der BG-Kliniken Bergmannsheil (Klinikum der Ruhr-Universität Bochum) etwas Neues entwickelt, und zwar eine Verhaltenstherapie entwickelt, mit der die Patienten das Fühlen schrittweise neu lernen können. Mittels bildgebender Methoden konnten die Forscher nachweisen, dass diese Therapie das Gehirn wieder umprogrammiert.

Über ihre Ergebnisse berichtet die renommierte US-Fachzeitschrift „Annals of Neurology“ in ihrer aktuellen Ausgabe.

Fehlprogrammierung im Gehirn
Der Morbus Sudeck bzw. das chronische regionale Schmerzsyndrom stellt die Schmerztherapeuten weltweit seit Jahrzehnten vor ein fast unlösbares Problem. Neben quälenden, oft kaum zu beeinflussenden chronischen Schmerzen leiden Patienten am betroffenen Körperglied häufig unter einer extremen Berührungsempfindlichkeit, Gefühlsstörungen, Schwäche und einer gestörten Feinmotorik.

Die Folge ist eine bleibende Behinderung. Dies ist besonders schlimm, da auch viele junge Patienten und sogar Kinder betroffen sind.

„Eine Ursache der Erkrankung scheint u. a. eine ‚Fehlprogrammierung’ des Gehirns zu sein“, erläutert Prof. Christoph Maier vom RUB-Schmerzzentrum in den BG-Kliniken Bergmannsheil: „Das zentrale Nervensystem konzentriert sich auf die Wahrnehmung des Schmerzes und verlernt dafür andere Fähigkeiten, die für die Gefühlswahrnehmung und die Beweglichkeit der betroffenen Extremität wichtig sind.“ Es entwickelt sich ein Schmerzgedächtnis.

Fühlen lernen mit sanfter Therapie
Bei der in der Schmerzklinik der BG-Kliniken Bergmannsheil entwickelten sanften Therapie setzen die Mediziner darauf, diesen Lernprozess wieder umzukehren.

So wird eine betroffene Hand etwa zu Beginn der Behandlung immer wieder leicht mit Watte berührt oder in eine Schüssel mit Linsen, Reis oder Zucker gelegt, um sie schrittweise wieder an ein normales Empfindungsvermögen zu gewöhnen.

Später müssen die Patienten lernen, Gegenstände durch Betasten zu erkennen. Am Anfang sind es grobe Gegenstände, später sind sie immer feiner.

Nach sechsmonatigem Training stellten die Ärzte bei gleicher oder verminderter Schmerzmedikamenten eine drastisch verringerte durchschnittliche Schmerzstärke fest.

Weiterentwickeln und verfeinern
Für die Zukunft erhoffen sich die Bochumer Forscher durch eine breitere Anwendung, aber auch eine Weiterentwicklung und Verfeinerung dieser sanften Behandlungsmethode große therapeutische Fortschritte in der Behandlung des CRPS, aber auch anderer chronischer Schmerzerkrankungen die mit der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses einhergehen, wie Schmerzen nach Nervenverletzungen, oder bei der Polyneuropathie von Diabetikern.

Die Studie wurde im Rahmen des Forschungsnetzwerkes „Neuropathischer Schmerz“ vom BMBF gefördert.

Autorinnen: Beatrice Wagner, Meike Drießen
Quelle: Pleger, B., Tegenthoff, M., Ragert, P., Förster, A.F., Dinse, H.R., Schwenkreis, P., Nicolas, V., Maier, C.: Sensorimotor retuning in complex regional pain syndrome parallels pain reduction. Ann Neurol 57 (2005) 425-429.
Stand: 16.3.2005
Autor: Beatrice Wagner, Meike Drießen; Stand: 16.03.2005

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