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Lärm macht herzkrank

Eine chronische Lärmbelastung erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, so eine Publikation in der gestern erschienenen Ausgabe der führenden europäischen Kardiologie-Zeitschrift European Heart Journal.
Und das ist keine eingebildete Krankheit. Denn das Herzinfarktrisiko scheint mehr mit der tatsächlichen Lautstärke in der Freizeit oder am Arbeitsplatz verbunden zu sein als mit der subjektiven Belästigung, die der einzelne durch Lärm verspürt. Dies sagte Professor Dr. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité in Berlin, der die Studie leitete.

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Die Forscher führten zwischen 1998 und 2001 eine große Querschnittsstudie in Berlin durch, in die über 4.000 Patienten aus 32 Berliner Krankenhäusern eingeschlossen wurden, ca. 2.000 mit akutem Herzinfarkt und 2.000 Kontrollpatienten aus Unfall- und Allgemeinchirurgischen Abteilungen. Dreiviertel der Studienpatienten waren Männer mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren, ein Viertel Frauen im Alter von 58.

Die NaRoMI (Noise and Risk of Myocardial Infarction)-Studie wurde entwickelt, um den Zusammenhang von chronischer Lärmbelastung und Herzinfarktrisiko bei Frauen und Männern zu untersuchen und die Risiken aufgrund von subjektiver Lärmbelästigung und objektiver Lärmbelastung in Umwelt oder am Arbeitsplatz zu beziffern. Das Forscherteam verwendete Patienteninterviews und unabhängige Lärmmessungen in der Umwelt und am Arbeitsplatz für ihre Analysen. Die Ergebnisse sind auf alle Frauen und Männer unter 70 Jahren in Städten, die einen akuten Herzinfarkt erleiden, übertragbar.

Allgemeiner Umweltlärm, wie z. B. durch Verkehr, erhöhte bei Männern das Herzinfarktrisiko um 50 Prozent bei Frauen mehr als 3fach. Lärm am Arbeitsplatz hingegen erhöhte das Herzinfarktrisiko bei Männern um 30 Prozent, bei Frauen gar nicht. Subjektive Lärmbelästigung durch die Umwelt hatte keinen Einfluss bei Männern, erhöhte bei Frauen jedoch das Risiko grenzwertig. Subjektive Lärmbelästigung am Arbeitsplatz erhöhte das Risiko bei Männern um 30 Prozent, bei Frauen gar nicht. Diese Unterschiede, so Willich, könnten dadurch erklärbar sein, dass Frauen mehr Zeit zu Hause verbringen und Lärm am Arbeitsplatz weit weniger ausgesetzt sind. Die Studie liefert erstmals Ergebnisse zum Risiko für Frauen, die bislang in Studien dieser Art nicht eingeschlossen wurden. Gut möglich ist jedoch auch, dass Frauen und Männer jeweils typisch reagieren.

Die Forscher stellten fest, dass das Risiko nicht mit zunehmendem Lärmpegel ansteigt. „Wir haben es hier offenbar mit einem Schwellenwert zu tun, oberhalb dessen ein konstant erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht, diese Schwelle scheint bei ca. 60 Dezibel zu liegen“, so Willich. 60 Dezibel ist ein typischer Messwert in einem geschäftigen großen Büro.

Aber wieso reagieren wir mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko auf ständigen Lärm? Möglicherweise steigert Lärm den Stress, was wiederum zu Reaktionen wie erhöhtem Adrenalin- und Noradrenalinspiegel führt. Diese Hormone führen zu erhöhtem Blutdruck und erhöhten Blutfettwerten. Diese Mechanismen, so Willich, könnten weiter durch persönliche Verhaltens- oder Erlebensweisen weiter gesteigert werden, wie z. B. durch Rauchen oder Zeitdruck. So gesehen wäre Lärm als gleichwertiger Risikofaktor für Arteriosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen anzusehen.

Die Ergebnisse veranlassen zu der Empfehlung, die Grenze, ab der ein Gehörschutz am Arbeitsplatz Pflicht ist, von derzeit 85 Dezibel – ein Standardwert in Westeuropa – auf 65 bis 75 herabzusetzen. Zumindest sollten Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, die ohnehin ein erhöhtes Infarktrisiko haben, besser geschützt werden, entweder durch präventive Maßnahmen des Arbeitsschutzes oder, indem sie grundsätzlich von starker Lärmbelastung ferngehalten werden. Autor: Charité, Beatrice Wagner; Stand: 25.11.2005

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