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Märchenkönig Ludwig – neue Erkenntnisse aus der Psychiatrie

Keine Schizophrenie, aber Persönlichkeitsstörung und frontotemporale Atrophie

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Ludwig II. von Bayern (1845 bis 1886), der Märchenkönig, ist weltweit unvergessen durch seine wunderschönen in Auftrag gegebenen Bauten wie etwa Schloss Neuschwanstein. Aber gerade dieser Bauwahn während seiner Regentschaft, sein zunehmend bizarres Verhalten, seine Rückzug aus der Öffentlichkeit ließen schon zu Lebzeiten auf eine irgendwie geartete Nervenerkrankung schließen. Schließlich erklärte ihn ein psychiatrisches Gutachten – ohne vorangegangene persönliche Untersuchung – für geisteskrank und regierungsunfähig. Doch ist das Gutachten eine Intrige oder seriöse Wissenschaft? War Ludwig visionär oder geisteskrank? Gute 120 Jahre nach seinem Tod reißen die medizinischen Spekulationen zu seinem Geistesstand – und schließlich auch zu seinem Tod im Starnberger See – nicht ab.

Jetzt hatte sich ein erneut ein Psychiater der Persönlichkeit Ludwigs II. angenommen, nämlich Prof. Dr. Hans Förstl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.
Er hatte mit Historikern das Geheime (könglich-bayerischen) Hausarchiv durchsehen und analysieren dürfen, – und kam zu erstaunlichen Schlüssen.

Als schizophren lässt sich König Ludwig danach beim besten Willen nicht bezeichnen. Aber: „Die dort erwähnten Symptome entsprechen jedoch den aktuellen Merkmalen einer schizotypen Störung“, so Förstl. Ludwig II. litt nicht also nicht an einer Geisteskrankheit (die mit einem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten verbunden wäre), sondern an einer Persönlichkeitsstörung.

Kurz zum Unterschied: Die Schizophrenie wird heutzutage als chronische Erkrankung der Neuronen im Gehirn beschrieben, bei denen eine Störung der Botenstoffe vorliegt. Die schizotype Persönlichkeitsstörung ist hingegen ein durchgängiges Muster erworbener sozialer und zwischenmenschlicher Defizite: Unbehagen in großer Gesellschaft, Mangel an Beziehungsfähigkeit, kognitive oder Wahrnehmungs-Störungen und ein exzentrisches Verhalten sind solche Merkmale.

Nach den Forschungskriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10-R) dienen neun Merkmale zur Diagnose einer schizotypen Störung. Vier dieser Merkmale über zwei Jahre hinweg, sind aber ausreichend für die Diagnose der schizotypen Persönlichkeitsstörung. Ludwig aber hatte mindestens sechs von neun Merkmalen erfüllt, fanden Förstl und sein Team heraus.

Beispielsweise lautet ein Merkmals der ICD-10-R: „unangepasster und eingeengter Affekt, sodass die Betroffenen kalt und unnahbar erscheinen“. Im geheimen Archiv gibt es mehrere Dokumente, die Ludwig II. wie folgt beschreiben: „ Nach aussen distanziert und abweisend, weil menschenscheu und ängstlich, inwendig reizbar und aggressiv“. Weiterhin steht im ICD-10-R: „seltsames, exzentrisches oder eigentümliches Verhalten und Erscheinung“. Und die Worte in den Quellen des geheimen Archivs: „Exzentrische Lebensweise, Neigung zu theatralischen Posen und ungewöhnlichen Ritualen“.

Bei der Durchsicht bereits zugänglicher, aber bisher nicht eingehend gewürdigter Akten fand sich aber im Autopsieprotokoll noch mehr, nämlich eine Schrumpfung des Frontalhirns wie bei einer so genannten frontotemporalen Degeneration (Morbus Pick). Dies deutet nun doch auf eine Hirnkrankheit hin. Im Gegensatz aber zur Alzheimer Demenz schrumpfen hier nicht die hinteren, sondern die vorderen Anteile des Gehirns. „Die Betroffenen zeigen einen Persönlichkeitswandel mit Verlust von Selbstkritik und Einsicht sowie von sozialer Wahrnehmung, geistiger Rigidität und ungebremster Impulsivität, aber auch emotionaler Abstumpfung und Rückzug“, so Förstl. „Diese Hirnkrankheit könnte also zu der starken Persönlichkeitsveränderung in den letzten Monaten beigetragen haben.“

Aber eine Frage wird wohl trotz dieser neuen Erkenntnisse unbeantwortet bleiben: War es Mord, ein Unfall oder Selbstmord – was zum Tod von Ludwig am 13. Juni 1886 im Starnberger See geführt hatte? Autor: Dr. Beatrice Wagner; Quelle: Dtsch Med Wochenschr. 2007; Stand: 01.10.2007

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