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Innovativer Therapieansatz gegen Rheuma

Düsseldorf - Ein Düsseldorfer Orthopädenteam hat beim diesjährigen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie eine neue biologische Stoffklasse zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten wie Rheuma vorgestellt. Die so genannten Exosomen, die bei der Steuerung des Immunsystems eine wichtige Rolle spielen, haben in ersten Versuchen bereits deutlich positive Wirkung gezeigt, berichtet Peter Wehling vom Zentrum für molekulare Orthopädie.

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Beim Gelenkrheuma handelt es sich um eine schwere Störung des Immunsystems, da die Immunzellen die eigenen Gelenkzellen angreifen und somit das Gelenk zerstören. Durch Zufall entdeckten die Düsseldorfer Forscher gemeinsam mit Kollegen von der Harvard Universität die Exosomen. Exosomen sind winzig kleine Zellpartikel, die von den weißen Blutkörperchen produziert werden. "Bei einer Gentherapiestudie stellte sich heraus, dass kleine Partikel über das Lymphsystem zwischen den entzündeten Gelenken hin- und herreisten und überraschende Wirkungen zeigten", erklärt Wehling gegenüber pressetext. Wenn sie in ein Gelenk injiziert wurden, ging es dem Gelenk auf der anderen Körperseite ebenfalls besser. Dieses Phänomen passte nicht in das Verständnis über die Entstehung von Rheuma und anderer Immunerkrankungen. "Bei weiteren ausführlichen Forschungen entdeckten wir die Exosomen und konnten eine spezielle Form dieser Nanopartikel aus weißen Blutkörperchen isolieren", so Wehling.

Im Rheuma-Modell bei Mäusen hat sich gezeigt, dass Exosomen hochwirksam sind und sich die Rheumasymptome stark besserten. Bei gesunden Menschen zeigten sich die Sicherheit der Exosomen und ein Absinken eines Entzündungsparameters im Blut, dem so genannten CRP. "Durch Exosomen lernt das Immunsystem wieder, eigene Zellen als eigen und fremde Zellen als fremd zu erkennen", erklärt der Wissenschaftler. An rund 100 Patienten, bei denen die klassischen Basistherapien (Kortison, Methotrexat, Anti-TNF) nicht ausreichten, um einen Stillstand der Entzündung in einzelnen Gelenken zu bewirken, untersuchte der Wissenschaftler die neue Therapie. "In der klinischen Anwendung hat sich die Rheumatherapie mit Exosomen, die aus den Blutzellen des jeweiligen Patienten in einem speziellen Verfahren hergestellt werden, in Einzelfällen als wirksam und sicher erwiesen", so Wehling.

"Große randomisierte klinische Studien müssen aber noch zeigen, ob die lokale Behandlung mit Exosomen langfristig Vorteile gegenüber den herkömmlichen Therapien bietet bzw. diese dauerhaft ergänzt", meint der Wissenschaftler. Forscher wie etwa der Molekulargenetiker Paul Robbins von der University of Pittsburgh arbeiten derzeit mit Wehling an weiteren Untersuchungen. Das klinische Potenzial der Exosomen, die aus Monozyten hergestellt werden, kann nach Meinung der Wissenschaftler jedoch nicht groß genug eingeschätzt werden, weil ein neu entdeckter Mechanismus der Immunitätsregelung genutzt wird. "Daraus ergeben sich möglicherweise auch neue Möglichkeiten bei der Behandlung anderer Autoimmunerkrankungen wie etwa der Schuppenflechte oder der Multiplen Sklerose."

Allein in Deutschland leiden 800.000 Menschen an Gelenkrheuma, der so genannten Rheumatoiden Arthritis. In den meisten Fällen handelt es sich um ein chronisches Leiden, das in Schüben verläuft und oft zur Arbeitsunfähigkeit oder zur Frührente führt. Von der Erkrankung sind auch schon rund 12.000 bis 15.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Die Ursachen der landläufig als "Rheuma" bezeichneten Erkrankung sind noch nicht bekannt. Die klassische Therapie zielt daher lediglich auf die Behandlung der Symptome ab. Dabei werden entzündungshemmende Schmerzmittel und Kortison verabreicht. Autor: Wolfgang Weitlander, Quelle: pressetext.de; Stand: 25.10.2007

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