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"Designer-Molekül" bekämpft Hautkrebs von zwei Seiten

Einem Forscherteam der Universität Bonn ist es gelungen mit Hilfe eines Designer-Moleküls eine neue Methode gegen den bösartigen schwarzen Hautkrebs zu entwickeln. Das Besondere am Molekül ist seine doppelte Wirkweise. Der Wirkstoff ähnelt nämlich einerseits Bestandteilen von Viren und alarmiert so das Immunsystem. Die körpereigene Abwehr wird dabei auch gegen Krebszellen scharf gemacht. Gleichzeitig schaltet das neuartige Molekül in den entarteten Zellen ein bestimmtes Gen aus und treibt sie dadurch in den Selbstmord. Bei krebskranken Mäusen konnten die Wissenschaftler so bereits erfolgreich Metastasen in der Lunge bekämpfen, berichten sie im Wissenschaftsmagazin Nature.
"Das Besondere an dem Molekül ist sein doppeltes Wirkprinzip, das von zwei unterschiedlichen Seiten aus arbeitet", meint Studienleiter Thomas Tüting, Leiter des Labors für Experimentelle Dermatologie am Universitätsklinikum in Bonn. "Wir haben für unsere Studie auf einen nahen Verwandten des Erbgutmoleküls DNA, die so genannte RNA, zurückgegriffen." Erst seit einigen Jahren sei bekannt, dass man kleine RNA-Moleküle gewissermaßen als Schalter nutzen könne, um gezielt bestimmte Gene auszuknipsen. "Dieser Effekt, die so genannte RNA-Interferenz, brachte zwei US-Forschern 2006 den Nobelpreis. Wir haben diese Methode genutzt, um die Tumorzellen in den Selbstmord zu treiben." Ein solches Selbstmord-Programm habe jede einzelne Körperzelle. "In Tumoren ist aber ein Gen aktiv, das dieses Selbstmord-Programm unterdrückt. Dieses Gen haben wir gezielt mittels RNA-Interferenz ausgeschaltet", so der Wissenschaftler.

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Gleichzeitig rückten die Forscher dem Krebs aber auch noch auf eine weitere Art zu Leibe: "Wir haben unsere RNA gewissermaßen 'verkleidet', daher hat das Immunsystem sie für das Erbgut eines Virus gehalten", erklärt Gunther Hartmann, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Pharmakologie. Viele Viren nutzen RNA als Informationsspeicher. Wenn der Körper also RNA-Fragmente entdeckt, die er für Viren-Erbgut hält, bläst er zur Attacke. Durch diesen Trick wurde die Körperabwehr also angeregt, viel aggressiver gegen die Tumorzellen vorzugehen als normalerweise. Das Forscherteam hat den RNA-Wirkstoff so modifiziert, dass er das Immunsystem in Alarmzustand versetzen konnte.

"Der Charme unserer Methode besteht darin, dass wir mit einem einzigen Designer-Molekül den Krebs von zwei grundlegend unterschiedlichen Seiten in die Zange nehmen", sagt Hartmann. Dadurch werde dem Tumor Ausweichmöglichkeiten genommen, die eine erfolgreiche Therapie sonst so schwierig machen. Die ersten Ergebnisse im Mausversuch waren sehr erfolgreich: Bei Tieren, die bereits Lungenmetastasen hatten, verkleinerten sich nach der Behandlung die Tochtergeschwülste oder sie verschwanden sogar ganz.

"Bis es jedoch zu einer Anwendung am Menschen kommt, wird es noch länger dauern", meint Tüting. "Was in der Maus klappt, muss sich nicht unbedingt auch im Menschen bewähren." Der Ansatz sei allerdings vielversprechend, zumal sich der Wirkstoff vermutlich leicht an andere Krebsarten anpassen lasse, so der Forscher abschließend.

Autor: Wolfgang Weitlaner; pressetext.at; Stand: 03.11.2008

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