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Tabakpflanze produziert Diabetes-Heilmittel

Die Tabakpflanze eignet sich bestens zur Erzeugung von Arzneistoffen für Autoimmun- und Entzündungskrankheiten wie Diabetes-1. Das ist ein Ergebnis des EU-Projekts Pharma-Planta, das Heilproteine in Pflanzen in therapeutisch relevanten Mengen produziert und klinisch testet. Die Forscher entwickelten transgene Tabakpflanzen, die den Wirkstoff Interleukin-10 produzieren. Dabei handelt es sich um ein wirkungsvolles Protein aus der Gruppe der Zytokine, das überschießende Entzündungsreaktionen verhindert. Tests an kranken Mäusen werden zeigen, ob die regelmäßige Einnahme geringer Dosen dieser Tabakblätter in Verbindung mit einem auto-Antigen heilende Wirkung für Diabetes Mellitus besitzen, berichtet das Fachjournal BMC Biotechnology.

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"Tabak hat den Vorteil, dass es am Feld angebaut werden kann und bereits sehr gut erforschte transgene Eigenschaften besitzt", erklärt Johannes Stadlmann von der Wiener Universität für Bodenkultur. In den Genstrang der Pflanze wurden Erbinformationen von zwei Versionen des Interleukins-10 eingeschleust, die von einem Virus und von einer Maus stammen. Die Tabakpflanze verarbeitete beide Formen des Proteins und produzierte es in den Blättern. Stadlmann war für die Analyse zuständig, ob die im Blatt erhaltenen Eiweißstoffe in Struktur und Eigenschaften den Erwartungen entsprechen. "Das hat sich auch weitgehend bestätigt", so der Wiener Biochemiker.

Die Methode der Heilmittelproduktion in transgenen Pflanzen ist schon länger bekannt, doch stellte die geringe Konzentration, in der die Stoffe bisher in den Blättern ausgeprägt wurden, eine Hürde dar. "Bei bisherigen Versuchen hätte man als Patient stets eine unzumutbare Menge von Blättern konsumieren müssen, damit genügend Wirkstoff eingenommen wird", so Stadlmann. Bei den jetzigen Versuchen mit Tabak hatten die Forscher mehr Erfolg, denn die Pflanze produzierte den Wirkstoff in ihren Blättern in einer bisher unerreichten Dosis, die für ihren Einsatz keine weiteren Gewinnungs- und Reinigungsprozesse erfordern würde. "Die erzeugten Proteine machen bis zu einem Prozent der Blattsubstanz aus, womit bereits eine für die Medizin relevante Menge erreicht ist", berichtet Studienleiter Mario Pezzotti von der Universität.

Bevor das Mittel therapeutisch eingesetzt wird, muss allerdings auch das Problem der Verabreichung gelöst werden. "Mäuse können mit Tabakblättern gefüttert werden, doch für Menschen ist der regelmäßige Verzehr kaum möglich. Der Tabak ist schließlich keine Futterpflanze", so Stadlmann. Die inhalierte Form durch Tabakrauch komme nicht in Frage, da die Hitze die gezüchteten Eiweiße vernichtet, viel eher sei die Produktion des Heilstoffes in anderen transgenen Pflanzen wie etwa in Kartoffeln denkbar. Sein italienischer Kollege Pezzotti lehnt ab: "Die Einnahme der Heilsubstanzen in Früchten oder Blättern wäre möglich und kostengünstig. Jedoch stellt sich die Ärzteschaft gegen diese Form der Selbstimpfung, da die eingenommene Dosis kaum kontrollierbar ist." Es müssten daher Methoden gesucht werden, um den in den Blättern gewachsenen Impfstoff abzusondern und ihn zu Medikamenten zu verarbeiten, so der italienische Forscher.

Autor: Johannes Pernsteiner; pressetext.at; Stand: 20.03.2009

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