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Unsicherheit lähmt alte Menschen

Alte Menschen, die ihre Umgebung als gefährlich empfinden, sind weniger mobil und leiden häufiger an körperlichen Gebrechen. Das berichten Mediziner der Harvard Medical School im British Medical Journal. Sie befragten 2.000 Pensionisten über ihr Sicherheitsgefühl und verglichen die Ergebnisse mit ihrem Gesundheitszustand sowie mit der Kriminalitätsrate ihrer jeweiligen Wohngegend. Sichtbar wurde dabei die Bedeutung der sicheren Umgebung für die Gesundheit im Alter. "Die Vorstellung, in Unsicherheit zu leben, geht vom Denken auf den Körper über und schränkt die Mobilität massiv ein. Wir haben es hier mit psychosozialen oder auch psychologischen Prozessen zu tun", so das Resümee der Studienleiterin Cheryl R. Clark.

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Wie gefährlich Pensionisten ihre Wohngegend einschätzten, stimmte in den meisten Fällen mit der Kriminalitätsrate ihres Viertels auch tatsächlich überein. Darüber hinaus wurde sichtbar, dass die Vorstellung der Menschen, in einem gefährlichen Stadtviertel zu wohnen, mit der Entwicklung von Gebrechen und Behinderungen zusammenhängt. Unsicher fühlen sich vor allem alte Menschen, die niedrige Pensionen beziehen. Es ist für sie wahrscheinlicher, in unsicheren Gegenden zu wohnen. Außerdem, vermuten die Forscher, siedeln sich in Gegenden, die an hoher Kriminalität leiden oder als gefährlich gelten, seltener die Betriebe an, die alte Menschen mit notwendigen Waren und Dienstleistungen versorgen. "Alle Maßnahmen, die das Sicherheitsgefühl alter Menschen verbessern, können Schritte zur Verringerung der Risiken sein, das eingeschränkte Mobilität für sie bringt", so Clark.

"Aufgrund ihrer Lebenserfahrung sind sich ältere Menschen klarer über Risiken. Das macht sie vorsichtiger und hindert sie oft daran, außer Haus zu gehen. Körperliche Gebrechen mindern zusätzlich die Beweglichkeit", erklärt Josef Hilbert, Leiter des Forschungsschwerpunktes Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität am Institut Arbeit und Technik (IAT). Erst unlängst hat das IAT im Ruhrgebiet unter anderem erhoben, dass sich viele Pensionisten unsicher fühlen. "Selbst Gegenden, die Kriminalisten als sicher ansehen, werden von älteren Menschen oft als unsicher empfunden", so Hilbert. Doch die Angst vor Kriminalität sei nur eine Facette dieses Unsicherheitsgefühls, auch Zugangsbarrieren für Menschen mit Gebrechen oder Behinderungen spielen eine wichtige Rolle.

Um das Zuhausebleiben aus Angst zu überwinden, nutzen Pensionisten die Gesellschaft anderer. "Viele gehen lieber in Begleitung aus dem Haus, etwa mit Verwandten, die zu Besuch kommen, oder in der Gruppe mit anderen Pensionisten", so Hilbert. Schutz vor Einbrechern wie bruchsichere und abschließbare Fenster fördern das subjektive Gefühl der Sicherheit zu Hause, für Erledigungen außer Haus sei in bestimmten Zonen wie etwa in Einkaufsstraßen die sichtbare Präsenz von Sicherheitskräften eine Hilfe. "Daneben muss auch der öffentliche Verkehr seniorengerechter werden, da dies nicht zuletzt für mehr Sicherheitsempfinden sorgt", betont der Gelsenkirchner Altersforscher. Die mangelnde Versorgung durch Geschäfte in unmittelbarer Nähe sei in deutschen Stadtzentren meist nicht gegeben. "Gerade im Ruhrgebiet gibt es eine ausgeprägte Budenkultur von großen Kiosken, den Nachfolgern der früheren Tante-Emma-Läden. Die meisten sind auch für ältere Menschen in höchstens 15 Gehminuten erreichbar." 

Autor: Johannes Pernsteiner; pressetext.de; Stand: 05.06.2009

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