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Fukushima: "Verhungern oder verstrahlt werden"

Die Radioaktivität, die infolge des schweren Atomunfalls der japanischen Kernkraftwerke Fukushima Daiichi freikam, hat mittlerweile auch die Nahrungskette erreicht. In den Augen der Weltgesundheits-Organisation WHO ist die Lebensmittelsicherheit in Japan bereits ein "ernstes Problem". Welche Folgen aus heutiger Sicht zu erwarten sind, erklärt Werner Kirchinger, Nuklearmediziner am Institut für Strahlenschutz des Helmholz Zentrums München, im pressetext-Interview.

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Maßnahmen wie bei Tschernobyl nötig

Die Lage in den havarierten Reaktoren ist auch zehn Tage nach dem Erdbeben noch nicht im Griff. Der externe Stromanschluss zum Betrieb der Kühlpumpen wurde zwar hergestellt, doch Reaktor 3 raucht weiterhin, zudem gibt es laufend Nachbeben mittlerer Stärke. "Selbst falls im besten anzunehmenden Fall die weitere Freisetzung radioaktiver Strahlung verhindert wird, sind langfristig drastische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung nötig", erklärt Kirchinger.

"Ähnlich wie bei Tschernobyl muss eine Schutzhülle über den Unglücksmeilern errichtet werden. Selbst im besten Fall muss zudem die 20-Kilometer-Zone unbewohnte Sperrzone bleiben, da die Dosisbelastung über lange Zeit zu hoch ist." Schon heute sind die früheren Bewohner dieser Zone evakuiert. Wie viele Menschen sich allerdings noch in der erweiterten 30-Kilometer-Zone aufhalten, kann man derzeit kaum abschätzen. Die durch den Tsunami zerstörte Infrastruktur erschwere hier jede Aussage.

Das kleinere Übel

Laut Informationen der IAEA überlegt Japan, den Verkauf von Nahrung nahe der Unglücksreaktoren zu verbieten. Bestimmte Lebensmittel nehmen Radioaktivität besonders stark auf, erklärt Kirchinger. "Betroffen sind vor allem Blattspinat und Zwiebel, jedoch auch bei Kühen der Region ließ sich bereits radioaktives Jod und Cäsium feststellen." Dass die kontaminierte Nahrung weggeworfen wird, sei jedoch unwahrscheinlich. "Angesichts der derzeitigen Knappheit an Nahrungsmittel in Japan heißt die Wahl in manchen Regionen: Verhungern oder verstrahlt werden. Viele werden sich für das kleinere Übel entscheiden."

Radioaktives Jod zerfällt relativ rasch aufgrund der kurzen Halbwertszeit von rund acht Tagen. Nach dem Verzehr kann es sich jedoch in der Schilddrüse ansammeln, wodurch das Risiko für Schilddrüsenkrebs steigt. "Geringen Schutz haben die Japaner immerhin dadurch, dass sie viel Fisch und Algen verzehren, die beide viel Jod enthalten. Ihre Schilddrüse ist somit bereits mit 'gutem' Jod angereichert", schätzt der Nuklearmediziner.

Folgen für Trinkwasser und Meerestiere

Verstrahltes Jod gibt es mittlerweile auch im Leitungswasser des 200 Kilometer südwestlich gelegenen Tokio. "Die Menge der Strahlung entscheidet darüber, ob ein Gesundheitsrisiko daraus entsteht. Falls die derzeitigen Daten stimmen, beträgt die Belastung allerdings erst ein Zehntel des Grenzwertes. In diesem Fall wäre das Wasser also weiterhin trinkbar."

Auch das Meer vor dem Reaktor - der pazifische Ozean - hat seinen Teil von der Strahlung abbekommen. Obwohl das Wasser hier rasch eine Verdünnung bewirken werde, könnten auch hier Meeresorganismen betroffen sein. "Möglich ist, dass verstrahltes Plankton von Fischen verzehrt wird und somit in die Nahrungskette gelangt", spekuliert Kirchinger. Ein russisches Forschungsschiff geht dieser Frage derzeit nach, darüber hinaus werden Produkte aus dem Meer Stichproben unterzogen. 

Autor: pressetext.de, Johannes Pernsteiner (Stand: 21.03.2011)

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