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Tipp des Tages

Grauer und Grüner Star

„Ich habe den Star“, sagen viele Menschen, wenn sie zu mir in die Praxis kommen. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Begriff? Und um welchen Star handelt es sich?
Um den grauen Star (Katarakt), also einer Linsentrübung? Oder um den grünen Star (Glaukom), das ist ein krankhaft erhöhter Augeninnendruck? Oder um beide Formen, wie es bei vielen älteren Menschen der Fall ist? Beide Augenkrankheiten können unbehandelt zur Blindheit führen. Allerdings ist der graue Star die harmlosere Variante.

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Grauer Star – trübe Linse
Jeder zweite der über 65 Jährigen leidet unter dem grauen Star (Katarakt). Dies ist weltweit die häufigste Erblindungsursache. Dabei wird die Augenlinse trüb und undurchsichtig. Dies geschieht so langsam, dass Betroffene es zunächst gar nicht bemerken. Dann aber sehen sie wie durch einen Schleier, der sich mit der Zeit immer mehr verdichtet. Auch das Scharfsehen leidet, weil einfallenden Lichtstrahlen auf der Netzhaut nicht mehr gebündelt auftreffen, sondern zerstreut.

Die Eintrübung ist ein natürlicher Prozess, bei dem sich das ursprünglich glasklare, durchsichtige Linseneiweiß verändert. Dieser Prozess kann sich aus verschiedenen Gründen beschleunigen, so z. B. durch das Sonnenlicht, Röntgenstrahlen, das Arzneimittel Kortison, Augenentzündungen und -infektionen und ein über lange Zeit schlecht eingestellter Diabetes.

Therapie grauer Star
Es gibt nur eine Möglichkeit, den grauen Star zu behandeln, nämlich die Operation. Aber keine Sorge, dies ist mittlerweile ein Routineeingriff, dem sich pro Jahr 600.000 Menschen in Deutschland unterziehen. Dabei wird die getrübte Linse mittels Ultraschall verflüssigt und abgesaugt. Danach kann eine faltbare Kunstlinse aus Acryl (mittlerweile mehr als 75 Prozent aller Linsen) oder Silikon eingesetzt werden.

Es gibt allerdings große Unterschiede. Denn eine moderne sogenannte Multifokallinse ist so geschliffen, dass sie mit ihrer Brechkraft eine Kurz- oder Weitsichtigkeit ausgleichen und dem Patienten ein scharfes Bild in der Nähe und in der Ferne liefern kann. Hier hat sich die Technik in den letzten Jahren sprunghaft weiterentwickelt.

Wie eine aktuelle Studie berichtet, sind nach dem beidseitigem Einsatz von Multifokallinsen (z. B. Restor-Linse mit Blaulichtfilter) 80 Prozent völlig unabhängig von einer Brille.

Grüner Star – verengtes Gesichtsfeld
Beim grünen Star (Glaukom) handelt es sich um eine Gruppe von Augenkrankheiten, bei denen es zuerst zu Gesichtsfeldausfällen kommt und dann – unbehandelt –zu einer Erblindung. Ursache hierfür ist meist ein erhöhter Augeninnendruck, der die Nervenfasern des Sehnervs schädigt.

Diese Krankheit ist sehr tückisch, weil weder der erhöhte Augeninnendruck noch die ersten blinden Stellen bemerkt werden. Erst wenn schon ein Drittel des Sehnervs unwiderruflich zerstört wurde, machen sich die Seheinschränkungen bemerkbar. Vorher versucht der Betroffene unwillkürlich, die blinden Stellen im Gesichtsfeld, die ja zuerst am Rand auftreten, durch Augen- und Kopfbewegungen auszugleichen.

Nur der Augenarzt kann den grünen Star so früh erkennen, sodass man rechtzeitig mit Medikamenten den Verlauf der Krankheit verlangsamen oder stoppen kann.

Warum erhöht sich der Augeninnendruck? Eine zentrale Rolle spielt das Kammerwasser, das sich im Augeninneren befindet. Wie bei  einem See herrscht im gesunden Auge ein Gleichgewicht zwischen Zu- und Abfluss. Der Druck verändert sich normalerweise nicht, Beim Glaukom treten oft Störungen beim Abfluss auf. Dadurch steigt der Augeninnendruck an. Mit der Zeit drückt dies zunehmend auf den Sehnerv. Dies stört dessen Durchblutung. So kommt es zu einer Schädigung des „Sehnervenkopfes“ und im Extremfall zu einer Erblindung.

Ursachen hierfür gibt es viele. Beim „primären Offenwinkelglaukom“ beispielsweise bilden sich knorpelartige Ablagerungen, die den Abfluss vermindern. Bei einem „sekundären Glaukom“ ist der Augeninnendruck die Folge einer anderen Krankheit. So sind z. B. Patienten mit Herzkreislauf-Erkrankungen gefährdet, denn hier kann sich in zentralen Blutgefäßen des Auges ein Verschluss bilden, der ebenfalls zu einem Anstieg des Augeninnendrucks führt. 

Das Tückische: Die Höhe des Drucks, der zu einer Sehnervenschädigung führt, ist jedem Menschen anders. Bei einigen Menschen nimmt der Sehnerv bereits bei geringen Werten Schaden, während andere auch bei relativ hohen Werten ein gesundes Auge besitzen.

Deswegen spielt auch die Untersuchung der Sehnerven durch den Augenarzt eine zentrale Rolle. Sieht er eine Aushöhlung der Sehnerven, liegt der verdacht auf ein Glaukom nahe. Schließlich bringt eine Untersuchung des Gesichtsfelds, die Perimetrie, bereits Ausfälle zutage, von denen der Betroffene noch gar nichts merkt.

Therapie grüner Star
Den meisten Glaukompatienten helfen Augentropfen, sogenannte Antiglaukomatosa, die den Augeninnendruck senken. Hier gibt es verschiedene Arzneistoffe. Die seit langem bewährten Betablocker (eigentlich zur Blutdrucksenkung) verringern die Kammerwasserproduktion.

Hier kann es allerdings bei Menschen mit Herz-, Lungen- und Gefäßerkrankungen zu Nebenwirkungen kommen, wie Kurzatmigkeit oder langsamer Herzschlag. Deshalb kamen in den letzten Jahren eine Reihe an neuartigen Wirkstoffen hinzu. So verbessern beispielsweise die „prostaglandinähnlichen Verbindungen“ den Kammerwasserabfluss. Sie senken den Augeninnendruck wesentlich stärker als andere Präparate, haben aber auch Nachteil, wie Flecken auf der regenbogenhaut oder starker Wimpernwuchs.

Die moderne Therapie sieht so aus, dass ein Blutdrucksenker (Timolol) mit einem Antiglaukom-Wirkstoff (Latanoprost) in einem Präparat kombiniert wird. Dadurch sind die einzelnen Wirkstoffe nicht mehr so hoch dosiert und die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen. Schließlich muss man diese Augentropfen ein Leben lang nehmen.

Erreichen sie nicht ihr Ziel, kommen chirurgische Eingriffe in Frage, die entweder auf die Produktionsstätte der Kammerwassers zielen oder eine Abfluss nach außen schaffen.

Früherkennung
Mit drei Fragen können Sie überprüfen, ob die ersten Anzeichen für einen grauen Star bestehen:
  • Sehen Sie vieles etwas verschwommen und können nicht mehr richtig scharfstellen?
  • Blenden Sie die Scheinwerfer entgegenkommender Autos stärker als früher?
  • Verschwinden die Kontraste, und Sie schauen wie durch ein Milchglas? 
Wenn Sie eine oder mehre Fragen mit ja beantworten, muss das nicht zwangsläufig einen grauen Star bedeuten. Es kann auch andere Gründe haben, wie z. B. Übermüdung oder eine fiebrige Erkältung. Treten sie aber öfter und ohne konkreten Auslöser auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Den grünen Star können Sie nicht selbst feststellen. Aber der Augenarzt kann den Augeninnendruck messen, den Sehnerv untersuchen und das Gesichtsfeld testen. Dies alles zahlt die Kasse allerdings nur dann, wenn Sie schon ein Glaukom haben. Wenn bei  Ihnen Familienmitglieder bereits den gründen Star haben, vor allem die Großeltern, sollten Sie ab 40 regelmäßig die Untersuchung machen lassen und auch selbst zahlen.

Adressen
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (BVA)
Tersteeegenstraße 12, 40474 Düsseldorf
Tel. 02 11/4 30 37 00
Fax. 02 11/4 30 37 20
E-Mail: bva-duesseldorf@t-online.de
Internet: www.Augeninfo.de

Vertritt die niedergelassenen Augenärzte in Deutschland. Im Internet ausführliches Angebot für Patienten, das auch eine Arztsuchfunktion enthält.

Deutsches Grünes Kreuz
Postfach 1207
35002 Marburg

Unter dem Stichwort „Glaukom“ kann ein gegen Einsendung eines mit EUR 1,45 frankierten DIN A5-Rückumschlags eine Broschüre bestellt werden. Informativ auch das Internet: www.dgk.de.

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V.
Geschäftsstelle München
c/o Augenklinik der Universität
Mathilden Str. 8
D-80336 München
Ansprechpartner: Birgit Mele
Tel.: 089 5160 3062
Fax.: 089 5160 3034
Mail: geschaeftsstelle@dog.org
Internet: www.dog.org

Hier gibt es eine Liste von Augenkliniken und Augenärzten auch in Ihrer Nähe, sowie Verbände, Selbsthilfegruppen. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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