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Tipp des Tages

Depressionen - Wenn alles egal wird

Der Himmel ist grau und auf dem Schreibtisch türmt sich seit Tagen die unerledigte Arbeit. Sie fühlen sich müde, energielos und lustlos.

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Mit anderen Worten: Sie sind deprimiert.

Handelt es sich dabei jetzt aber um eine echte Depression oder nur um eine saisonale Verstimmung? Dies ist nicht das Gleiche, hat aber einige Gemeinsamkeiten, wie Sie gleich sehen werden.
Die saisonale Depression tritt in den lichtarmen Jahreszeiten auf. Ohne Licht produziert der Körper weniger stimmungsaufhellende Endorphine, schüttet weniger Serotonine, so genannte Glückshormone, aus. Zugleich wird mehr Melatonin erzeugt, das in der Nacht den Schlaf mitsteuert und deshalb müde macht.

Typische Anzeichen für eine saisonale Depression sind starke Müdigkeit sowie ein Heißhunger auf Süßigkeiten, der oft eine deutliche Gewichtszunahme bewirkt. Am besten hilft Ihnen viel Bewegung im Tageslicht. Eine spezielle Lichttherapie kann sehr hilfreich sein. Auch ist oft eine Therapie mit hochdosiertem Johanniskrautextrakt (verschreibungspflichtig) erfolgreich.

Bei der echten Depression handelt es sich um eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Die Gehirnzellen schicken Serotonin und Noradrenalin als Botenstoffe durch den synaptischen Spalt auf den Weg zur benachbarten Nervenzelle, und fangen sie dummerweise im nächsten Moment selbst wieder ein. So können die Botenstoffe nicht weiterwandern.

Dies wirkt sich auf das Gemüt in Form von Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, Mutlosigkeit, Energielosigkeit und Interessenlosigkeit aus. Im Unterschied zur saisonalen Depression kommen auch noch Appetit- und Schlaflosigkeit hinzu.

Verschiedene Formen der Depression
Man schätzt, dass in einigen Jahren Depressionen häufiger auftreten werden als Herzkreislauferkrankungen. Wenn Faktoren wie großer Kummer, ein Autounfall, ein schockierendes Ereignis, der Verlust eines Menschen oder Arbeitslosigkeit eine Depression verursachen, spricht man von einer reaktiven Depression.

Daneben gibt es noch die Depression von innen heraus, die endogene Depression. Hier ist die Ursache weitgehend unbekannt, man vermutet genetische Faktoren, die vererbt werden.

Drittens spricht man noch von der somatogenen Depression. Somatogen bedeutet körperbezogen. Diese Form kann sich durch eine schwere körperliche Erkrankung wie Rheuma und Krebs bilden. Man begreift mit einem Mal, dass das Leben nie mehr so sein wird wie früher, weil man mit einer körperlichen Einschränkung zu tun hat. Das ist deprimierend.

Nach internationalem Standard werden die Depressionen heutzutage zwar für Ärzte anders eingeteilt, doch ich finde diese Dreiteilung nach wie vor sehr anschaulich. 

Anzeichen der Depression
Nicht immer ist die Depression klar und eindeutig zu erkennen. Denn oft lässt der Körper des Betroffenen psychische Beschwerden wie Lust-, Freud-, Interessenlosigkeit nicht zu. So wird mit körperlichen Beschwerden darauf aufmerksam gemacht, dass im seelischen Bereich etwas im Argen liegt. Früher wurde dafür der Begriff larvierte Depression verwendet, also die Depression hinter der Larve.

Ich nenne das auch oft die „Türklinkendepression“: Ein solcher Patient kommt übertrieben oft wegen einer banalen Erkrankung, z. B. einem verstauchten Fuß zu mir. Irgendwann traut er sich dann im Hinausgehen, mit der Türklinke in der Hand, zu sagen, „Ach übrigens Herr Doktor, was ich schon immer ansprechen wollte, mir geht es nicht so gut ...“.

Therapie
Egal aber aus welchen Gründen eine Depression entstanden ist, sie kann auf jeden Fall mit Antidepressiva, also speziellen Medikamenten gegen die Depression, behandelt werden. Die modernen Medikamente nennt man selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmenhemmer (medizinische Abkürzung, abgeleitet von der englischen Bezeichung: SSNRI). Das heißt, die Nervenzellen werden daran gehindert, die für das Glück und Wohlbefinden wichtigen Botenstoffe selbst wieder einzuverleiben.

Von dieser Art von Medikamenten gibt es mehrere Wirkstoffe. Laut einer Studie, die im Mai auf einem Kongress in Toronto vorgestellt wurde, ist es mit diesen Medikamenten sogar möglich, eine Heilung zu erzielen. Und zwar waren 78 Prozent der Patienten, die ein Jahr lang ein Antidepressivum mit dem Wirkstoff Venlafaxin eingenommen haben, für die nächsten zwei Jahre beschwerdefrei. Dieses kommt in medizinischen Kreisen einer Heilung nahe.

Damit ist dieser Wirkstoff der einzige, der zur „Rückfallvorbeugung“ zugelassen wurde. Sehr wichtig ist aber, dass Sie die Tabletten regelmäßig und zur immer gleichen Uhrzeit einnehmen. Ein Schlendrian gefährdet den Therapieerfolg.

Kurzfristig kommen auch Benzodiazepine und Neuroleptika zum Einsatz. Eine Psychotherapie ist auch wichtig, wirkt aber am Anfang nur unterstützend, d.h. der Arzt gibt den Patienten und auch den Angehörigen einfach nur das Gefühl, dass sie nicht alleine sind. Bei schwer therapierbaren Fällen kommen die sogenannten MAO-Hemmer zum Einsatz. Über viele Jahre bewährt hat sich der Wirkstoff Tranylcypromin. Dieser Wirkstoff ist dazu in der Lage, den enzymatischen Abbau von Serotonin und Noradrenalin zu blockieren. Dadurch steigt wünschenswerterweise die Durchsättigung der beiden Botenstoffe in den Gehirnzellen.

Allerdings wurden MAO-Hemmer wegen der Gefahr, dass sich Bluthochdruckspitzen entwickeln, lange Zeit verbannt. Seit man aber festgestellt hat, dass man mit einer bestimmten Diät diese Nebenwirkung komplett vermeiden kann, werden sie wieder angewendet, vor allem bei Patienten mit einer langandauernden chronischen Depression, oder wenn andere Antidepressiva nicht helfen.

Sehr wichtig ist dabei aber, dass man fermentierte oder haltbar gemachte Lebensmittel wie alter Käse, Rotwein oder Salami vom Speisezettel streicht, ebenso nicht vollkommen frisches Fleisch und Fisch wie abgehangenes Wild, Rollmops oder geräucherter Lachs.

Für schwere, therapieresistente Fälle bleibt die Elektrokrampftherapie, die z. Z. eine Renaissance erfährt. Unter Kurznarkose erhält der Patient einen Stromstoß von 70 bis 130 Volt, der einen Krampfanfall auslöst. Die Behandlung muss innerhalb von drei Wochen neun- bis zwölfmal wiederholt werden.

Sonderfall: Burnout
Burnout-Syndrom ist das Ausgebranntsein. Wenn im Leben eines Menschen etwas anders läuft als erwartet, kann dies zu Überforderung führen. Das ist sowohl im positiven als auch im negativen Sinne gemeint. Dieses Burnout-Syndrom trifft oft z. B. Sportler, die schnell (zu schnell?) berühmt werden und das nicht verkraften.

Aber auch die Kehrseite der Medaille, nämlich Misserfolg, Rückschläge, Arbeitslosigkeit und das Aufgebenmüssen von wichtigen Lebenszielen kann einen Menschen überfordern. Vor allem wenn sich der Betreffende eine längere Zeit sehr für diese Ziele eingesetzt hat. Als Reaktion darauf stellen sich u.a. depressive Anzeichen ein. Hier kennt man die genauen Abläufe im Gehirn noch nicht, es wird aber vermutet, dass sie auf einer ähnlichen Stoffwechselstörung wie die Depression zurückzuführen sind.

Für mich ist daher das Burnout-Syndrom im Grunde das gleiche wie eine Depression, nur dass man hier die Ursache – das ausgepowert sein – genau kennt. Solche Patienten müssen auch professionell behandelt werden. In der Anfangsphase kann noch eine ausgedehnte Erholung, wie etwa eine Kur, helfen. Später bedarf es einer gezielten Psychotherapie, unterstützt von Medikamenten wie hochdosiertes Johanniskraut, oder auch Antidepressiva, wie bei der Depression beschrieben.

Adressen
Buchtipps:
Dr. Günter Gerhardt, Svenja Niescken,
Depressionen: Mehr also nur ein Stimmungstief.
Trias-Verlag, ISBN 3-8304-3109-0, EUR 11,95.

Piet C. Kuiper,
Seelenfinsternis. Die Depression eines Psychiaters.
Fischer-Taschenbuch-Verlag, ISBN: 3-596127645, EUR 8,90.

Internet:
www.depressionen.tv
Wertvolle Informationen und Tipps rund um das Thema Depression.

www.kompetenznetz-depression.de:
Ausführliche und fachlich sehr fundierte Informationen rund um das Thema Depression. Kontaktaufnahme zu anderen Betroffenen und deren Angehörigen ist möglich.

www.wissen-gesundheit.de:
Fragen Sie Dr. Gerhardt persönlich, er antwortet Ihnen.

Depressions-Hotline:
Dienstags und donnerstags zwischen 20.00 und 22.00 Uhr geben Fachärzte Auskunft zum Thema Depressionen.
Tel: 01805 / 707070

Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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