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Tipp des Tages

Asthma - Wenn uns plötzlich die Luft wegbleibt

Wenn im Herbst die ersten Nebel aufzogen und es draußen wieder kälter wurde, wusste ich als junger Arzt im Krankenhaus und auch in den ersten Jahren meiner hausärztlichen Tätigkeit in eigener Praxis immer was die Stunde geschlagen hatte, nämlich eine deutliche Zunahme von Asthmaanfällen.

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An diese akuten Ereignisse erinnere ich mich deshalb vor allem so gut, weil Asthmaanfälle sehr häufig in den frühen Morgenstunden auftreten, also so zwischen 3:00 und 06:00 Uhr. Ein häufiges Wecken zu dieser Zeit, daran erinnert man sich. Dank der modernen Asthmamedikamente konnte ich in den letzten Jahren gut durchschlafen, weil Asthmaanfälle zu einer regelrechten Rarität in der Praxis geworden sind.

Was ist Asthma?
Dazu gibt es eine genaue Definition: Asthma ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege mit begleitender Überempfindlichkeit der Bronchien. Diese Entzündung der Bronchialschleimhaut entsteht nicht durch Bakterien oder andere Keime, sondern wird meist durch Allergene (z. B. Pollen) oder Reizstoffe (z. B. Nebel, kalte Luft) ausgelöst.

Die Bronchialschleimhaut reagiert dann wie alle Schleimhäute auf Entzündung mit starker Anschwellung, vermehrter Durchblutung und vermehrter Schleimabsonderung. Aus dem entzündeten Gewebe werden Botenstoffe freigesetzt, die die Muskulatur der Bronchien verkrampfen lassen und die Anfälligkeit der Bronchien weiter steigert. Beim Asthma treten der Bronchialkrampf und die Schleimhautentzündung immer gleichzeitig auf, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

Asthma ist eine chronische Erkrankung und kann zum Glück durch entsprechende Medikamente sehr wirkungsvoll behandelt werden, aber, wichtig zu wissen, nicht geheilt werden. Werden die Medikamente abgesetzt, kehren in der Regel Entzündung und Verkrampfung zurück.

Eine häufige Form des Asthmas ist das allergische Asthma, es wird wie oben schon erwähnt durch Allergene ausgelöst. Zu diesen Allergenen gehören z.B. Blütenstaub, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, bestimmte Nahrungsmittel und Medikamente oder Tierhaarschuppen. Durch Viren und Bakterien kann Asthma ebenfalls verstärkt werden.

Auch chemische und physikalische Reizstoffe, wie industrielle Stäube und Dämpfe, Abgase und Zigarettenrauch, aber auch wie schon erwähnt, Nebel und kalte Luft oder auch zu trockene Luft wirken sich negativ auf das Asthma aus. Aufregung, Ärger, Hektik oder Stress können eine bestehende Atemnot noch verstärken, aber nicht auslösen.

Behandlung
Bei der Behandlung steht natürlich gerade beim allergischen Asthma an erster Stelle das Meiden der Auslöser. So sollten Pollenallergiker wenn möglich Kontakt zu blühenden Grasflächen, Getreidefeldern und Bäumen, wie Birken, weitestgehend vermeiden. Tierhaarallergiker müssen sich, auch wenn es manchmal schwer fällt, von einem Haustier trennen.

Hausstaubmilbenallergiker sollten sich darüber informieren, wie man Orte, an denen sich Hausstaubmilben besonders häufig aufhalten, wie Betten, Teppichböden, oder Gardinen für diese unattraktiv machen kann. Sind Stoffe am Arbeitsplatz, wie Mehlstaub in der Backstube, die Auslöser des Asthmas, muss auch mal an einen Berufs- bzw. Arbeitsplatzwechsel gedacht werden. Allen Asthmatikern sei auch ans Herz gelegt, sich so weit wie möglich vor Infekten zu schützen.

Die Entzündung der Bronchialschleimhaut wird heute mit Cortison zum Inhalieren behandelt. Kurz noch hier ein Satz zu einer allgemeinen Cortisonangst: Wir haben alle eine körpereigene „Cortisonfabrik“ in unserem Körper, das ist die Nebennierenrinde. Dort wird Cortison bzw. Cortisol ständig in geringen Mengen gebildet. Also ist Cortison zunächst einmal ein körpereigenes, natürliches Hormon, ohne das wir nicht leben können.

Bei Asthmatikern muss zur Unterstützung des körpereigenen Cortisols noch zusätzlich Cortison inhaliert werden. Bei dieser Inhalation wird das Cortison aber überwiegend nur in der Lunge verteilt und wirkt dort. Deshalb treten hier kaum Nebenwirkungen auf. Ist ein Asthmatiker kurzatmig oder hat er akute Atemnot, so benötigt er Medikamente, die möglichst schnell die Verkrampfung der Bronchien lösen und so die Atmung wieder erleichtern. Eine Substanzgruppe, die inhalierbaren Betamimetika, tun dies am schnellsten und wirkungsvollsten. Diese Medikamente sollten im Normalfall bei Bedarf, aber nicht häufiger als 3 bis 4-mal pro Tag inhaliert werden.

Klappt es mit dieser Inhalation nicht mehr, so kann auch eine Substanz, das Theophyllin, aufgelöst als Brausetablette, in einem Glas Wasser, bei einem Asthmaanfall getrunken werden.

In die moderne Asthmatherapie haben heute auch langwirkende, inhalative Betamimetika oder Betamimetika als Tabletten mit langer Wirkdauer Einzug gehalten. In neueren Inhalatoren ist zum einen das inhalierbare Cortison enthalten und des Weiteren ein lang wirksames Betamimetikum. Beide Medikamente verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Das Cortison bekämpft die Entzündung, also die Ursache des Asthmas, und das Betamimetikum erweitert langanhaltend die Bronchien und befreit so von Atemnot.

Als begleitende Therapie kann manchmal auch noch ein Schleimlöser notwendig sein. Antibiotika jedoch spielen bei der Behandlung des Asthmas keine Rolle, weil das Asthma keine bakteriell ausgelöste entzündliche Erkrankung ist. Wenn sich natürlich auf das Asthma noch eine bakterielle Infektion „draufsetzt“, müssen Antibiotika gegeben werden.

Peak-Flow-Meter
Kontrollieren kann jeder sein Asthma zu Hause mit einem so genannten Peak-Flow-Meter. Es misst die größte Ausatmungsgeschwindigkeit. Damit kann jeder Patient seinen Krankheitsverlauf kontrollieren und rechtzeitig auf eventuelle Verschlechterungen oder sich ankündigende Atemnotattacken reagieren. Diese Peak-Flow-Meter sind die einfachsten und kostengünstigsten Lungenfunktionsmessgeräte und können kinderleicht von jedem Patienten zu Hause benutzt werden.

Idealerweise wird morgens, mittags und abends gemessen, die Werte werden in ein Tagebuch eingetragen, welches regelmäßig dem behandelnden Arzt gezeigt wird. Anhand dieser Eintragungen kann der Arzt Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf ziehen und mit dem Patienten weitere Maßnahmen besprechen.

 Richtig atmen lernen
Ein unverzichtbarer Teil der Behandlung von Asthma ist auch die Hilfe zur Selbsthilfe mit atemgymnastischen Übungen. Damit wird die notwendige medikamentöse Behandlung wirkungsvoll unterstützt. So wird mit Atemtechniken das Atmen erleichtert.

Zur Atemgymnastik gehören auch die atemerleichternden Körperstellungen. Auch sie sind wirksame Maßnahmen gegen die Atemnot, weil sie die verengten Bronchien erweitern, den erhöhten Atemwegwiderstand senken und damit die erschwerte Atmung erleichtern.

Beispiele dafür sind die Seitenlage im Bett oder auf der Coach und der so genannte Kutschersitz auf der Bettkante oder auf dem Stuhl. Auch die Torwartstellung bringt dem Asthmatiker Erleichterung: Man stützt in leichter Beingrätsche mit angewinkelten Knien die Hände kurz über den Knien auf die Oberschenkel.

Zu den bekanntesten Atemtechniken gehört die dosierte Lippenbremse: Man legt beim Ausatmen die Lippen ohne Druck so aufeinander, dass die Luft nur durch einen schmalen Spalt entweichen kann. Wichtig dabei ist, dass auf keinen Fall gepresst wird. Mit Hilfe dieser dosierten Lippenbremse wird ein Zusammendrücken der Atemwege vermieden, der Atemwiderstand wird vermindert, die Ausatmung erleichtert und die Lungenlüftung verbessert.

Wichtige Adressen
Internet:
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.,
http://www.daab.de

Deutsche Atemwegsliga e.V.,
http://www.atemwegsliga.de/

Bücher:
Antworten auf die 111 häufigsten Fragen zu Allergie & Asthma
Ratgeber, TRIAS Verlag, Euro 12,95
Deutscher Allergie- und Asthmabund (Hrsg.)
ISBN: 3-8304-3126-0

Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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