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Tipp des Tages

Neurodermitis

Wer wünscht sich nicht eine makellose, reine und glatte Haut, gehört sie doch zu den Schönheitsidealen schlechthin. Aber wehe, wenn da irgendwelche Hautveränderungen auftreten, das wird schnell als Entstellung wahrgenommen.

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Zu diesen Hautveränderungen gehört die so genannte Neurodermitis. Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „Neuron“ = Nerv und „Dermatitis“ = Hautentzündung.

Patienten mit Neurodermitis durchleben im Alltag die Hölle: Die Haut ist extrem trocken, gerötet, entzündet sich und beginnt beständig und unerträglich zu jucken. Die Betroffenen kratzen sich blutig im vergeblichen Versuch, den Juckreiz zu stillen.

Wir Ärzte stehen dem Hautnotstand immer noch recht hilflos gegenüber. Leider steigt die Zahl der Dermatitispatienten sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter beständig an.

Anzeichen der Neurodermitis
Eine Neurodermitis liegt eindeutig vor, wenn wenigstens drei der folgenden Gegebenheiten zutreffen:
  • Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma in der Familie
  • Starker Juckreiz
  • Krankheitsverlauf länger als 6 Monate
  • Typische Hautveränderungen an Ellenbogen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht.
Das Krankheitsbild der Neurodermitis ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und auch vom Alter des Betroffenen abhängig. Im Säuglings- und Kindesalter zeigt sie sich vor allem an den Wangen als eine kleinschuppige Rötung, die zu einem nässenden Ekzem werden kann, der so genannte Wangenschorf. Die nässenden Ekzemherde trocknen mit gelblich-bräunlichen Krusten ab. Die Krankheit kann bei Säuglingen aber auch die Streckseiten der Arme und Beine und den Rumpf betreffen.

Im Kindesalter, etwa ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr, treten die Hautveränderungen meist als trockene, schuppende und juckende Herde in den Ellenbeugen und Kniekehlen sowie am Nacken und an den Handgelenken auf. Im Erwachsenenalter kommt es zu wechselnden Ekzemen am Hals und an den Streckseiten der Arme und Beine.

Trigger-Faktoren
Wir kennen heute auch Faktoren (Trigger-Faktoren), die die Krankheit verschlimmern können. Dazu gehören: Psychische Faktoren (z.B. Stress, Überlastung, Angst), Infektionen (vor allem mit den so genannten Herpesviren und Staphylokokken), ungewohnte klimatische Bedingungen (Wärmestau, hohe Luftfeuchtigkeit), Nahrungsmittel, Reizstoffe, wie Seifen und Haushaltsreinigungsmittel, Tierhaare, Wolle, Hausstaubmilben und Pollen.

Der schon beschriebene Juckreiz ist ein Alarmsignal der Haut auf eine geänderte, äußere oder innere Situation. Normalerweise ist er sinnvoll, da er vor Fremdkörpern auf der Haut, etwa Insekten, warnt. Die Juckreizempfindung wird durch verschiedene mechanische, physikalische und chemische Einflüsse verursacht. Auch psychische Faktoren spielen eine Rolle. Viele Neurodermitiker kennen die Situation, dass die Haut alleine deshalb juckt, weil über Juckreiz gesprochen wird.

Der Juckreiz als unangenehme Empfindung von unterschiedlicher Stärke kann in Juckreizkrisen ausarten. Medizinisch gesehen handelt es sich beim Juckreiz um einen Reflex: Ein Reiz in oder auf der Haut löst Kratzen aus (Kratzreflex). Man kann versuchen, diesen Reflex bewusst zu kontrollieren, etwa durch starke Konzentration oder Ablenkung.

Nach dem Kratzen ist die Haut gereizt. Da bei der Neurodermitis eine Entzündung der Haut über die Erregung von Nervenendigungen erneuten Juckreiz auslösen kann, kommt es leicht zu einem Teufelskreis aus Kratzen, erneutem Juckreiz, noch stärkerem Kratzen usw.

Therapie Neurodermitis
Heilen lässt sich die Neurodermitis bis heute nicht, man kann die Symptome der Krankheit aber deutlich lindern. Einige wenige Patienten behalten die Neurodermitis bis ins hohe Erwachsenenalter. Bei anderen, bei denen sich die Hauterkrankung inzwischen zurückgebildet haben kann, ist die Entwicklung von Heuschnupfen und / oder allergischem Bronchialasthma möglich.

Die Behandlung beruht auf mehreren Säulen. Dazu gehören die regelmäßige Hautpflege, die Ermittlung der einen Schub auslösenden Stoffe und dann natürlich das Meiden derselben, die so genannten Antihistaminika und der Einsatz entzündungshemmender Medikamente in Salben – Cremeform – und zum Schlucken. Cortisonpräparate gelten nach wie vor als Mittel der Wahl.

Bei schweren Formen einer länger bestehenden Neurodermitis hat sich der Wirkstoff Ciclosporin bewährt, wobei unter „schwer erkrankt“ Patienten gelten mit großflächigem Befall, hoher Rezidivneigung (es treten immer wieder Schübe auf) und bzw. oder einem ungenügendem Ansprechen auf eine Behandlung mit Cremes oder Salben.

Ist die Lebensqualität des betroffenen Patienten stark eingeschränkt, sollte auch an die Behandlung mit Ciclosporin gedacht werden. Entsprechende Patienten sprechen schon nach ca. zwei Wochen auf die Behandlung an, in dem sich die Hautveränderungen zurückbilden und der Juckreiz abgeschwächt wird oder verschwindet. Der Vorteil des Ciclosporins ist der direkte Eingriff in die Entstehung der Neurodermitis. Hieran sind zahlreiche Faktoren unseres Immunsystems beteiligt. Eine zentrale Rolle spielt hier die Aktivierung von so genannten T-Helfer-Zellen. An diesem Prozess setzt die immunsuppressive (das Immunsystem unterdrückende) Therapie an.

Eine ganz andere Behandlung der Neurodermitis habe ich in der Praxis letztendlich mit Hilfe einer Patientin erfahren. Sie war in Urlaub am Bodensee und wurde wegen einer akuten Verschlechterung ihrer Neurodermitis von einer Heilpraktikerin mit dem so genannten Elektrolyseverfahren behandelt. Zurück aus dem Urlaub habe ich sie kaum wieder erkannt, so gut war die Neurodermitis abgeheilt, und wurde natürlich neugierig.

Durch den Elektrolysevorgang findet eine Entsäuerung und Entgiftung statt. Die Anwendung hat sich insbesondere in Form eines Fußbades bewährt, da die Schweißdrüsen der Füße eine überdurchschnittlich starke Ausleitung ermöglichen. So werden die Füße auch als „Hilfsnieren“ des Körpers bezeichnet, so dass eine Ausleitung an diesem Ende des Körpers möglich ist.

Mittlerweile behandele ich selbst zahlreiche Krankheitsbilder mit der Elektrolyse und bin immer wieder aufs Neue überrascht über die Erfolge. Zukünftig wird die Elektrolyse noch durch ein Magnetfeld ergänzt. Dadurch werden dann noch besser Ablagerung im Gewebe gelöst und abtransportiert.

Positives Denken bringt Linderung
Damit ist ein Behandlungsansatz gemeint, der auch als „paradoxe Intention“ bezeichnet wird. Dabei wird mit Hilfe humorvoller Vorsatzbildung und „geistiger Mobilmachung“ der Erwartungsangst vor dem gefürchteten Symptom entgegengewirkt.

Mit der paradoxen Intention wird die Überbeobachtung des Symptoms mit Humor gebremst, dadurch distanziert sich der Patient von seiner Erkrankung. So wird z.B. Neurodermitispatienten klar gemacht, stets die Haut aufmerksam zu beobachten, da man von ihr vieles „ablesen“ kann und deshalb auch mit ihr reden kann.

Der Patient erlebt die Haut als „Schaufenster der Seele“, als eine Art Radarschirm und er sollte sich die Frage stellen „was erzählt mir die Haut?“. Auf diese Fragen müssen natürlich Antworten gefunden werden.

Im Idealfall lernen Betroffene humorvoll über die Launen ihrer Haut zu berichten und sie begegnen ihnen mit zunehmendem Gleichmut. Durch entsprechende Übungen merken die Patienten, dass die Neurodermitis sehr wohl in ihre Grenzen verwiesen werden kann. Kindern kann man z.B. etwas erzählen von Juckgespenstern, die sie quälen.

Den Juckgespenstern begegnet man in der paradoxen Intention jetzt nicht etwa mit Kratzen, was die Juckgespenster erst richtig aufregt und sie sich austoben wollen, sondern man muss ihnen sanft kommen, z.B. zart streicheln mit der Fingerkuppe oder man begegnet ihnen mal ganz anders, in dem man sie z.B. wüst beschimpft, da sie nichts anderes verdient haben und mit Kratzen würde ihr freches Verhalten ja fast schon belohnt.

Adressen:
Buchtipp:
Neurodermitis bei Kindern
Auslöser erkennen und wirksam meiden
Mechthild Hellermann
TRIAS Verlag
ISBN: 3-8304-3148-1
Preis: € 12,95

Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e.V.
Oberstrasse 171
56154 Boppard
Tel.: 0 67 42/87 13 0
Fax: 0 67 42/27 95
www.neurodermitis.net
info@neurodermitis.net

Deutscher Neurodermitis Bund e.V.
Spaldingstraße 210
20097 Hamburg
Telefon: 040 / 23 07 44
Fax: 040 / 23 10 08
email: info@dnb-ev.de
Website: http://www.dnb-ev.de

Juckreizambulanz der Universität Münster
PD Dr. Sonja Ständer
Juckreizsprechstunde der Hautklinik
Universitätsklinikum Münster
E-Mail: derma@uni-muenster.de
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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