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Tipp des Tages

COPD - Wenn Atmen immer schwerer fällt

Wenn ich zu einem Patienten sage „Sie haben eine COPD!“, dann schauen mich meistens fragende Augen an „was um Himmelswillen ist denn das Herr Doktor?“. Die Abkürzung COPD kommt aus dem Englischen und bedeutet „Chronic Obstruktive Pulmonary Disease“.

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Es ist ein Sammelbegriff für die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem. Obstruktiv bedeutet Einengung der Atemwege und beim Lungenemphysem sind die kleinsten Bronchien und die Lungenbläschen dauerhaft erweitert, überbläht, und immer mehr Lungenstruktur wird zerstört.

Anzeichen COPD
Die typischen Krankheitszeichen der COPD sind Husten, meistens mit Auswurf, besonders am Morgen, dann Atemnot, die insbesondere unter Belastung auftritt und typische Geräusche beim Ausatmen, wie z. B. Giemen, Pfeifen und Brummen. Oft berichten betroffene Patienten auch über ein Engegefühl in der Brust.

Feststellen kann ich die Krankheit durch eine Befragung des Patienten, durch ein Abhören der Lunge und eine so genannte Lungenfunktionsprüfung. Wird die Frage „Rauchen Sie?“ mit ja beantwortet, so ist die Diagnose COPD schon recht wahrscheinlich, ist doch das inhalative Rauchen mit Abstand die Hauptursache der COPD.

In Frage kommen auch die Inhalation von Schadstoffen am Arbeitsplatz, Luftverschmutzung und genetisch bedingte Faktoren. Auch wenn nicht jeder Raucher zwangsläufig an COPD erkrankt, so sind doch 9 von 10 Betroffenen Raucher bzw. Exraucher.

Verlauf einer COPD
Die COPD entwickelt sich schleichend und zunächst unbemerkt, erste Beschwerden werden lange verharmlost. Sie entsteht dadurch, dass giftige Schadstoffe, wie Zigarettenrauch, über mehrere Jahre eingeatmet werden, das führt zu einer Schädigung der Lunge.

Durch die ständige Schadstoffbelastung ist die Lunge nicht mehr in der Lage, sich selbst zu reinigen. In der Folge kommt es zu einer abnormen Entzündung, die nicht nur zu einer Verkrampfung der Atemwege und zu einer Schwellung der Schleimhaut führen, sondern auch einen Umbau der Lungenstruktur zur Folge haben. Abnorm wird diese Entzündung genannt, weil sie nicht wie bei Asthma durch inhalatives Cortison gut bekämpft werden kann.

Der Umbauprozess betrifft hauptsächlich die Bronchien: Die Bronchuswand in den kleinen Atemwegen wird zerstört und somit instabil. Das hat zur Folge, dass bei der Ausatmung die instabilen Bronchien zusammenfallen und so die Ausatmung zusätzlich behindert wird. Später verändert sich zusätzlich die Struktur der Lungenbläschen. Aus den kleinen Bläschen werden größere Blasen, sprich aus dem feinporigen Schwamm des Lungengewebes wird eine grobblasige Struktur, Lungenemphysem genannt.

Die Verengungen der Bronchien und der Umbau der Lungenbläschen führen dazu, dass der Körper nicht mehr genug Sauerstoff erhält. Im Laufe der Erkrankung entsteht zunächst Atemnot bei Belastung, später kann diese quälende Atemnot auch schon bei kleinsten körperlichen Anstrengungen auftreten.

Erschwerend kommt dann bei längerem Fortbestehen der Erkrankung noch hinzu, dass sich nicht nur die kleinen Atemwege und die Lungenbläschen verändern, sondern auch die Blutgefäße in der Lunge. Hier steigt der Gefäßwiderstand an, so dass das Herz gegen einen erhöhten Druck arbeiten muss. Daraus kann sich eine Schwäche des Herzens entwickeln, genannt Cor pulmonale. Ein Zeichen dieser Herzschwäche können geschwollene Beine (Ödeme) sein.

Therapie
Bei der Behandlung der COPD steht an erster Stelle die Nikotinentwöhnung. Bei einer chronischen Bronchitis ohne Verengung (Obstruktion) der Atemwege reicht diese Maßnahme schon aus. Die COPD wird mit 3 Wirkstoffgruppen behandelt:
  1. Atemwegserweiternde Medikamente:
    Anticholinergika, Betamimetika, Theophyllin
  2. Antientzündlicher Wirkstoff:
    Kortison zum Inhalieren und als Tablette
  3. Schleimlösende Medikamente:
    N-Acetylcystein, Ambroxol
Bei den Betamimetika unterscheidet man kurzwirksame zur Behandlung der akuten Atemnot und langwirksame zur Dauertherapie. Der Wirkstoff wird heute in der Regel inhaliert als Spray oder Pulverinhalator. Die Anticholinergika wirken atemwegserweiternd, lösen die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur, vermindern zusätzlich die Schleimbildung und tragen auch zur Besserung der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit bei. Auch bei den inhalativen Anticholinergika gibt es kurzwirksame zur 3 bis 4mal täglichen Inhalation und ein langwirksames Medikament zur einmal täglichen Inhalation.

Das Theophyllin gehört auch zu den atemwegserweiternden Medikamenten, es erweitert die Bronchien allerdings schwächer als Anticholinergika oder Betamimetika. Kortison wird bei der COPD genauso wie bei Asthma in der Regel als Spray oder Pulver eingeatmet. Die wichtigste Wirkung des Kortisons ist, dass es entzündungshemmend und schleimhautabschwellend wirkt. In der Langzeitbehandlung der COPD wirkt das Kortison allerdings nur bei 10 bis 20 Prozent der Patienten.

Viele COPD-Patienten haben Probleme mit dem Abhusten des zähflüssigen Auswurfes. Hier können in Einzelfällen Wirkstoffe, die den zähen Schleim verflüssigen (Acetylcystein) oder die die Sekretproduktion fördern (Ambroxol) eingesetzt werden. Auch physikalische Maßnahmen, wie die Vibrationsmassage, werden eingesetzt, um das Abhusten zu erleichtern. Auch ist es sinnvoll, in einer Atemtherapiegruppe bestimmte Hustentechniken zu erlernen. Darüber sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

Die Medikamente gegen die COPD werden in der Regel inhaliert. Das hat im Vergleich zur Einnahme von Tabletten Vorteile, weil der Wirkstoff direkt an den Wirkort, nämlich in die Bronchien gelangt, eine kleinere Dosis an Wirkstoff ausreicht und dadurch die Nebenwirkungen geringer sind. Wichtig dabei ist aber, die korrekte Inhalationstechnik zu erlernen. Hierüber sollten Sie auch mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen. Sie sollten ihn auch fragen, wo es in Ihrer Region eine geeignete Patientenschulung für die COPD gibt.

Bewegung tut gut
Zahlreiche Patienten mit COPD leiden bei körperlicher Belastung unter Atemnot. Sie neigen deshalb dazu, körperliche Anstrengungen zu meiden. Körperliche Inaktivität führt aber zu einer Verschlechterung der Kondition von Herz und Kreislauf, der gesamten Muskulatur, dazu gehören auch die Atemmuskeln, zur Begünstigung von Osteoporose und Arthrose. Auch die Koordination, also die Fähigkeit sich überhaupt sicher zu bewegen, verschlechtert sich, der betroffene Mensch bewegt sich noch weniger.

Diese verhängnisvolle Spirale endet in einer erheblichen körperlichen Schwächung mit negativen Auswirkungen auf Lebensqualität und allgemeine Anfälligkeit gegenüber Krankheiten des Betroffenen. Gezieltes körperliches Training kann diesen Teufelskreis durchbrechen, die Leistungsfähigkeit und die Atmung verbessern.

Betroffene schließen sich am besten einer ambulanten Lungensportgruppe an. Hier wird unter Anleitung eines speziell fortgebildeten Übungsleiters und unter Betreuung eines Arztes ein individuelles Trainingsprogramm durchgeführt. Die Trainingseffekte sind aber nur dauerhaft aufrechtzuerhalten, wenn die Bewegungstherapie zu Hause durch Heimtraining (Treppensteigen, Gehtraining) oder zusätzlich durch die mindestens einmal tägliche Teilnahme in einer ambulanten Sportgruppe fortgesetzt wird.

Adressen
www.lungenemphysem-copd.de
Internetseite, einschließlich Mailingliste, für Patienten, die an COPD leiden bzw. deren Angehörige. Die Webseite bietet Informationen zur Erkrankung, gibt Tipps und bietet die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.

www.copd-aktuell.de/public/service/zeitschriften
Hier gibt es einige Patientenbroschüren zum runterladen.

www.atemwegsliga.de
Die Deutsche Atemwegsliga wendet sich an interessierte Patienten, sowie  an alle Ärzte, die Patienten mit Atemwegserkrankungen versorgen. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Die Empfehlungen werden von Expertengruppen erarbeitet.

www.patientenliga-atemweg.de
Sie sind nicht allein: Erfahrungen mit COPD haben viele Patienten und ihre Familienangehörigen gemacht. Wenn Sie Informationen zur Selbsthilfe und den Austausch mit anderen Betroffenen suchen, können Sie sich an diese Patientenorganisation wenden. Dazu finden Sie Adressen und weiterführende Hilfe.

www.aufatmen-in-deutschland.de
Ein Wegweiser für Patientinnen und Patienten mit Lunge- und Atemwegserkrankungen

Broschüren:
COPD: "Chronisch obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem" – besser mit der Krankheit leben.
Sowie: „Patienten-Wörterbuch Lunge“.

Kann beides erlangt werden bei:
Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.,
Berliner Straße 84, 55276 Dienheim.

Bitte in Briefmarken dazulegen:
Broschüre: 2,20 EUR, Wörterbuch: 4 EUR.

Jan Baltsch:
100 Fragen zum Thema COPD – Chronische Bronchitis und Lungenemphysem.
Ein Ratgeber für Patienten und Angehörige (Broschiert).
Verlag: Dustri (August 2004).
ISBN: 3871853461.
EUR: 10,-- Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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