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Tipp des Tages

Endometriose: Wenn Regelschmerzen unerträglich sind

Es gehört zur Natur der Frau, dass sie alle vier Wochen ihre Periode hat. Üblicherweise läuft das normal ab, mit vielleicht ein bisschen ziehen im Unterleib. Aber damit kann man ganz gut leben. Doch es kommt immer wieder vor, dass mich eine Patientin in der Praxis aufsucht, die besonders schlimm leidet. Noch in den 80er Jahren wurde solchen Frauen unterstellt, dass sie simulierten, bzw. psychische Probleme und Partnerschaftskonflikte hätten. Da Ärzte heute bessere Diagnosemethoden besitzen, haben sie mittlerweile auch eine Ursache dafür gefunden, warum die Regelschmerzen bei manchen Frauen sehr schmerzhaft sind. Oft leiden diese Frauen nämlich unter einer Krankheit namens Endometriose. Der Name bedeutet „Gebärmutter-Schleimhaut-Erkrankung“, eine umgangssprachliche Bezeichnung gibt es dafür nicht.

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Was ist Endometriose?
Es handelt sich dabei um eine chronische, oftmals fortschreitende Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe zumeist im Unterbauchbereich wie Eierstöcke, Eileiter, Blase oder Darm ansiedelt. Dabei kommt es zu evtl. schmerzhaften Vernarbungen. In den meisten Fällen werden die Endometrioseherde von den Hormonen des Monatszyklus beeinflusst, sodass sie wie die normale Gebärmutterschleimhaut zyklisch wachsen und bluten. Dann schmerzt es möglicherweise deshalb, weil das Blut nicht abfließen kann, sondern sich Platz verschaffen muss. Es gibt aber auch hormonunabhängige Formen der Endometriose. Davon sind oft Frauen nach den Wechseljahren oder nach Totaloperationen betroffen.

Endometriose tritt bei etwa jeder zehnten Frau auf. Wegen der starken Schmerzen, manchmal auch beim Geschlechtsverkehr, und wegen der möglicherweise auftretenden Unfruchtbarkeit (siehe Kasten) kann sich die Endometriose negativ auf die Lebensqualität und das Lebensumfeld der Betroffenen – z. B. auf Partnerschaft, Freundeskreis und Arbeitswelt – auswirken.

Ursachen
Nach den Ursachen der Endometriose wird noch geforscht, doch es sind ein paar Möglichkeiten bekannt, wie die Schleimhautzellen aus der Gebärmutter heraus gelangen könnten. Beispielsweise können sie während der Menstruation sozusagen rückwärts über die Eileiter transportiert werden und sich in der Bauchhöhle einnisten. Es könnte auch sein, dass in der Entwicklung des Embryos Gebärmuttermutter-Schleimautzellen z. B. in den Eierstöcken hängen bleiben und dort nach der Pubertät Endometriose-Herde ausbilden. Außerdem können die Schleimhautzellen über den Blut- oder Lymphweg in andere Organe gelangen. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass die Zellen während eines operativen Eingriffs an andere Orte verschleppt werden. Normalerweise sterben Zellen ab, wenn sie sich im eigenen Körper verirrt haben, oder sie werden vom Immunsystem aufgespürt und vernichtet. Aber nicht so bei Endometriose-Patientinnen. Hier finden in den verirrten Zellen raffinierte Vorgänge statt, damit sie sich überhaupt erst im dem Bauchfell oder den Eierstöcken einnisten können. Sie sondern sogar spezielle Proteine aus, die es ihnen erlauben, die körpereigene Immunabwehr zu überlisten. Deswegen geht man davon aus, dass auch eine Störung des Immunsystems bei der Endometriose eine wichtige Rolle spielt.

Diagnose
Man versucht derzeit, einige dieser speziell gebildeten Proteine im Blutserum sicher nachzuweisen. Damit hätte man endlich eine gute Möglichkeit, die Endometriose ohne Operation festzustellen. Bis dahin aber sind die Ärzte darauf angewiesen, die Krankheit durch bildgebende Verfahren zu erkennen. Hilfreich ist das Ultraschall (Transvaginalsonografie), weil Endometriose-Herde ein typisches Aussehen haben. Allerdings sind diese erst ab einer bestimmten Größe im Ultraschall sichtbar, kleinere Herde, die auch schmerzen, bleiben im Ultraschall unsichtbar. Ob tatsächlich eine Endometriose besteht, kann besser durch eine Bauchspiegelung festgestellt werden. Dabei kommt dem Arzt zugute, dass diese Endometriose-Herde während der Menstruation auch bluten. Eine blutende Stelle im Bauchraum ausfindig zu machen ist  leichter, als allgemein nur nach einer Gewebeveränderung zu suchen. Eine solche Bauchspiegelung kann auch mit der Schlüssellochtechnik durchgeführt werden. Auf jeden Fall werden die Endometrioseherde und die befallenen Organe genau betrachtet und Gewebestückchen zur Untersuchung entnommen.

Therapie
Was aber, wenn jetzt die Krankheit zweifelsfrei festgestellt wurde? Manchmal ist es schon im Verlauf einer Bauchspiegelung möglich, einen Teil der Endometriose-Herde zu zerstören oder zu entfernen. Danach wird meist medikamentös behandelt, zur Verfügung stehen drei Substanz-Gruppen:
• Gestagene
• Danazol
• GnRH-Agonisten
Gestagene täuschen eine Schwangerschaft vor. Es findet kein Eisprung mehr statt und die Gebärmutter-Schleimhaut bildet sich zurück. Danazol wirkt auf die Hirnanhangdrüse, die die Eierstöcke für die Hormonproduktion stimuliert. Die Östrogen-Bildung wird vermindert, damit wachsen und bluten die streunenden Gebärmutter-Schleimhautzellen weniger. GnRH steht für Gonadotrophin-Releasing-Hormon (z. B. Decapeptyl). Hiermit wird die Hirnanhangdrüse komplett blockiert und damit der Menstruationszyklus unterbunden. Eine Studie aus dem Jahr 2004 zeigte, dass die GnRH-Agonisten am wirksamsten sind. Sie können als Depot angelegt, täglich gespritzt oder als Nasenspray gegeben werden. Am besten ist es, GnRH-Agonisten mit einer Laserbehandlung zu kombinieren. Dies verhindert am stärksten das Wiederauftreten der Endometriose. Für die Zukunft stehen vielleicht Aromatasehemmer im Vordergrund, um die Hormonempfindlichkeit der Herde gezielt herabzusetzen.

Probleme bei Kinderwunsch?
Viele Frauen entdecken ihre Endometriose erst dann, wenn sie nicht schwanger werden können und sich deshalb vom Arzt untersuchen lassen. Und tatsächlich kann diese Krankheit die Funktionen von Eileiter, Eierstock und Gebärmutter stören. Denn die Endometriose-Herde wachsen richtig in die Stellen hinein, wo sie sich niedergelassen haben. Dies kann eine Vernarbung oder Verwachsung von Eileitern, Gebärmutter oder Eierstöcken zur Folge haben.
Eine kombinierte Behandlung mit Medikamenten und Laser führt zu einer Schwangerschaftsrate von etwas mehr als 50 Prozent. Ob eine Schwangerschaft auftritt, hängt vom Ort und der Größe des Endometriose-Herdes ab. Oft ist nur ein kleiner Herd am Eierstock die Wurzel des Übels. Dieser führt oft zu einer Zyste, die leicht abgetragen werden kann. Herde in der Gebärmutter-Muskulatur aber können das Einnisten des befruchteten Eis stören. Dies ist komplizierter.
Bei Patientinnen mit Kinderwunsch ist die erfolgreichste Therapie eine Behandlung mit GnRH-Agonisten. Allerdings ist hier eine Langzeittherapie nötig, um ein Wiederauftreten so sicher wie möglich zu verhindern.

Wichtige Adressen
Endometriose Vereinigung Deutschland e.V., Bernhard-Göring-Str. 152, 04277 Leipzig, www.endometriose-vereinigung.de. Beratung sowie Kontaktadressen für lokale Selbsthilfegruppen unter Telefon-Nummer 01803 / 983 983 (9ct/min.), MO bis FR von 18.00 bis 20.00 Uhr.

Broschüre: „Ihr Schmerz hat einen Namen: Endometriose“, gibt es ebenfalls von der Endometriose Vereinigung Deutschland e.V., unter Telefon 0341 / 306 5304 ( Kosten: 2.50 EUR in Briefmarken).

Universitäts-Frauenklinik, Endometriose-Sprechstunde, 91054 Erlangen, Universitätsstraße 21-23, Terminvergabe Tel.: 09131 / 85-33425.

Ewald Becherer, Adolf E. Schindler: „Endometriose. Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige“, Verlag Kohlhammer 2002, EUR 15,00.

Martin Sillem: „Endometriose, gutartig aber gemein“, Verlag Trias 2003, EUR 12,95.

Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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