Anzeige:
Anzeige:
Tipp des Tages

Nesselsucht

Fast jeder hat schon einmal aus Versehen in eine Brennnessel gefasst. Das juckt und brennt augenblicklich und es bilden sich Quaddeln. Und damit hätten wir schon einige Anzeichen einer Nesselsucht (der Name kommt von Brennnessel) beieinander, nur mit dem Unterschied: Im Brennsaft einer Brennnessel sind tatsächlich brennende Substanzen enthalten. Bei der Nesselsucht hingegen handelt es sich um eine allergische oder allergieähnliche Reaktion, bei der Histamin und andere Entzündungsbotenstoffe vom eigenen Körper ausgeschüttet werden. Dieser Prozess findet unter der Haut statt. Durch Histamin erweitern sich die kleinen Hautgefäße. Zudem kommt es zum Austritt von Blut oder Lymphflüssigkeit. Dadurch verdickt sich die Stelle, wodurch sich eine Quaddel bildet. Dies erzeugt ein ständiges Spannungsgefühl, außerdem „nässt“ es, weil auch die Haut durchlässig wird. Das Brennen kommt daher, dass dabei die sensiblen Hautnerven gereizt werden. Für das Jucken sind spezielle „Juckzellen“ in der Haut verantwortlich, die ebenfalls gereizt werden. Und dies alles zusammen – das ständige Brennen, Jucken und Spannen – kann einem das Leben ganz schön zur Hölle machen.

Anzeige:
So erkennt der Arzt die Nesselsucht
Die akute Nesselsucht befällt jeden vierten Menschen mindestens einmal im Leben. Unter der chronischen Form leiden in Deutschland etwa 800.000 Menschen. Kommt jemand mit solchen Beschwerden in die Praxis, muss der Arzt Detektiv spielen. So können Blutpräparate und eine Reihe von anderen Medikamenten zu den Hauterscheinungen führen, die dann oft schon nach ein paar Tagen auftreten. Nur bei den ACE-Hemmern, eine Medikamentengruppe um den Blutdruck zu senken, kann die Nesselsucht auch Monate bis Jahre später noch auftreten. Deshalb wird der Arzt einen ACE-Hemmer als erstes absetzen.

Als nächstes wird er einen Entzündungsherd suchen. Dazu nimmt er Ihnen Blut ab und lässt es im Labor nach Entzündungsfaktoren untersuchen. Er lässt auch u.U. Ihre Zähne, Lungen, den Magen-Darm-Trakt sowie den gynäkologische bzw. urologische Bereich. Findet sich kein Entzündungsherd, der das Immunsystem dauerhaft irritiert, überprüft er, ob Sie die Nahrungsmittel vertragen. Auslöser sind zum Beispiel Shrimps, Krebse, Nüsse, Früchte, Eier, außerdem Konservierungsmittel und Farbstoffe. So kann dann plötzlich die Thunfischpizza zur Nesselsucht führen.

Nesselsucht = Histaminunverträglichkeit?
Neuerdings wird diskutiert, dass es sich bei 30 Prozent aller Fälle von Nesselsucht um eine Histaminunverträglichkeit handelt. Histamin ist nicht nur ein körpereigener Entzündungsbotenstoff, sondern ist auch in fast allen Nahrungsmitteln enthalten. Die Histaminunverträglichkeit entsteht durch einen Mangel des Verdauungsenzyms Diaminoxidase, sodass Histamin nicht mehr abgebaut wird. Dies macht sich oft erst im jungen Erwachsenenalter bemerkbar und kann sich mit zunehmendem Lebensalter verstärken.

Auch eine Autoimmunreaktion kann die Ursache sein. Dabei reagiert der Patient auf seine eigenen Körpersubstanzen oder auf harmlose Stoffe allergisch. Dies kann der eigene Schweiß oder eine falsche Hautlotion sein. Auch Pflanzen, Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Tierhautschuppen und -haare, Latex, Insektenstiche oder Fisch können nach einem direkten Hautkontakt eine Nesselsucht auslösen. Oft kommt es auch vor, dass jemand auf Kälte, Hitze, Druck oder vibrierende Kräfte (Presslufthammer) mit einer starken Histaminausschüttung reagiert, die dann bei einer Histaminüberempfindlichkeit zu einer Quaddelbildung führt. Auch Licht kann so wirken: Die Krankheit, unter der Hannelore Kohl, die Frau des früheren Bundeskanzlers litt, war vermutlich eine starke Licht-Nesselsucht (Lichturtikaria): Die UV-Strahlen oder das sichtbare Licht haben die schweren Gesichtsentstellungen bewirkt.

Therapie Nesselsucht
Hat man den Auslöser gefunden, muss der natürlich gemieden werden. Weil Histamin eine entscheidende Rolle bei der Nesselsucht spielt, geben Ärzte ihren Patienten auch einfach verschiedene Antihistaminika, um die überschießenden Reaktionen in den Griff zu bekommen. Man hofft, dass es der Körper bei einer ausreichend langen Unterdrückung der Histaminausschüttung lernt, wieder normal zu reagieren. Kurzfristig kann auch zusätzlich ein Mittel gegen Depressionen eingesetzt werden. Es helfen auch cannabishaltige Präparate (=Hanf), die die Jucknerven beruhigen. Es ist sozusagen eine Schlacht auf allen Ebenen, denn mit nur einem Medikament kommt man nach neuen Erkenntnissen an die chronische Nesselsucht nicht ran. 

Auf jeden Fall ist die richtige Hautpflege wichtig. Machen Sie es kurz beim Duschen, 10 Minuten müssen genügen. Drehen Sie das Wasser auf lauwarm. Reinigen Sie den Körper und die Hände nur mit einem seifenfreien Präparat mit einem pH-Wert von 5,5. Weil die Quaddeln innerhalb von Stunden auftauchen, verschwinden und an anderer Stelle erscheinen können, sollten Sie sich zurückhaltend eincremen. Sparen Sie die Quaddeln aus. Nehmen Sie bei trockener Haut solche Lotionen oder Cremes, die leicht einziehen und die Sie nicht intensiv einmassieren müssen. Wichtig ist auch hier, auf einen pH-Wert von 5,5 zu achten, weil er die natürliche Barrierefunktion der Haut stabilisiert und dadurch den Pflegeeffekt der Wirkstoffe unterstützt.

Oft ist das Essen schuld
Um zu testen, ob Sie empfindlich auf Nahrungsmittel reagieren, sollten Sie eine Auslassdiät durchführen. Trinken Sie nur Tee und essen Sie nur Kartoffeln und Reis. Die können Sie kochen und backen. Dazu können Sie Salat essen. Salz und ungefärbte unkonservierte Margarine und Diätpflanzenfett sind erlaubt. Süßstoff ist verboten. Wenn nach 10 Tagen die Quaddeln verschwunden sind, haben Sie wahrscheinlich eine Histaminunverträglichkeit. Ihr Arzt wird Ihnen dann eine histaminarme Diät empfehlen. Hier lautet die wichtigste Regel: Essen Sie Vitamin-C-reich und frisch. Denn durch die Lagerung wird in einem Nahrungsmittel immer mehr gesundes Histidin (eine Aminosäure) zu Histamin abgebaut. Wahre Histaminbomben sind daher: Sauerkraut, Fischkonserven, Dauerwurst, Rotwein, Hefeprodukte, Hartkäse. Meiden Sie diese Nahrungsmittel, ebenso wie Konservierungsmittel und Farbstoffe. Wenn Sie eine Speise lagern müssen, dann sollten Sie sie kühlen oder einfrieren. Anbraten beeinflusst den Histamingehalt nicht, da es hitzestabil ist. Vermeiden Sie Koffein. Das ist ein Auslöser für die körpereigene Histaminausschüttung.

Essen Sie bedenkenlos Obst und Gemüse (außer Spinat und Tomaten), frisches Fleisch, Brot und Getreide, Magerquark, Frischkäse und frisches Ei vom Bauernmarkt.

Wichtige Adressen
Juckreizsprechstunde an der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten,
Uniklinik Münster, Von-Esmarch-Str. 58, 48149 Münster,
Tel-Sprechstunde DI 8.00 bis 10.30 Uhr,
Anmeldung: 0251 / 83-56505,
E-Mail: derma@uni-muenster.de,
Internet: www.klinikum.uni-muenster.de/institute/derma

Urtikariasprechstunde der Charité Berlin,
Dpt. of Dermatology and Allergy, Charitéplatz 1, 10117 Berlin.
Tel. Anmeldung für gesetzlich Versicherte: 030 / 450 518 058,
MO bis FR 11.00 bis 14.00 Uhr;
für privat Versicherte: 030 / 450 618 349,
MO bis FR 08.00 bis 14.00 Uhr.

Urtikariasprechstunde der Uni-Hautklinik Mainz,
Langenbeckstr.1, Gebäude 401, EG, 55131 Mainz,
Sprechzeiten: DI und MI 13.30 bis 15.30 Uhr ,
Telefonische Anmeldung und Überweisung erforderlich: 06131/ 172903.

Internet: www.urtikaria.net

Bücher:
Thilo Schleip,
Richtig einkaufen bei Histamin-Intoleranz,
Verlag Trias 2006,
7,95 EUR. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

Newsletter Abbonieren



D-Run

D-RUN

D-RUN

D-RUN ist eine Doku-Soap, in der Menschen mit Diabets ihr Leben verändern und mit Hilfe eines Expertenteams sportlich aktiv werden. Erfahren Sie mehr!



Aktuelles Wetter



Wissen-Gesundheit im Netz

socials




loader