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Tipp des Tages

Leukämie: Ärzte können den Blutkrebs immer häufiger besiegen

Von der Krankheit Leukämie bekommen wir meistens indirekt etwas mit, wenn nämlich in den Tageszeitungen wieder ein großer Aufruf für eine Knochenmarkspende gestartet wird. Diese ist oft die letzte Chance für den jeweiligen Patienten, denn bei dieser heimtückischen Krankheit ist immerhin das Blut betroffen, das wie eine Lebensader durch unseren Körper zieht. So wird die Leukämie im Volksmund auch als Blutkrebs bezeichnet.

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Allerdings ist dieser Ausdruck nicht ganz zutreffend, denn nicht die Blutzellen haben Krebs, sondern die blutbildenden Zellen. Diese befinden sich entweder im Knochenmark, in diesem Fall spricht man von myeloischer Leukämie. Myeloisch ist die medizinische Bezeichnung für „das Knochenmark betreffend“. Oder sie befinden sich in den lymphbildenden Organen wie Lymphdrüsen, Milz, Thymus oder Mandeln, dann handelt es sich um eine lymphatische Leukämie.

Leukämien sind verglichen mit anderen Krebserkrankungen eher selten. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 10.250 Menschen an einer Leukämie. Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert. Die Überlebenschancen haben sich bei den meisten Leukämieformen jedoch deutlich verbessert.

Knochenmarks-Leukämien

Schauen wir uns zuerst einmal die „Knochenmarks-Leukämien“ an. Hier gibt es die „akute myeloische Leukämie“ (AML) und die „chronische myeloische Leukämie“ (CML). Beide Formen treten vor allem im Erwachsenenalter auf.
Es sind die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark geschädigt, entweder durch radioaktive Strahlung, oft auch durch das krebserregende Benzol oder aus erblichen Gründen. Das Knochenmark beginnt dann, unkontrolliert viele weiße Blutkörperchen zu bilden. Daher kommt übrigens auch der Begriff „Leukämie“, das zu übersetzen ist mit „weißes Blut“. Diese weißen Blutkörperchen sind aber noch unreif und entartet. Sobald sie ins Blut übertreten, können sie auch alle anderen Körperorgane und selbst das Gehirn erreichen und sich dort ansiedeln. Außerdem können die entarteten weißen Blutkörperchen ihrer Aufgabe, den Körper gegen Eindringlinge zu verteidigen, nicht nachkommen.

Deshalb neigen Menschen mit einer Knochenmarks-Leukämie dazu, schnell eine Infektion zu bekommen. Oft sind die ersten Anzeichen auch im Mund sichtbar, nämlich an Schleimhautveränderungen am Zahnfleisch, welches über den Zähnen bläschenartig anschwillt. Außerdem verdrängen die entarteten Zellen das gesunde Knochenmark. So werden weniger rote Blutkörperchen gebildet. Dies hat Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung im Körper. Es kommt zu den Anzeichen einer Blutarmut (medizinisch Anämie), mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Ohrensausen.

Lymphatische Leukämien

Etwas anders verhält es sich bei den lymphatischen Leukämien, von denen es ebenfalls eine akute Form (akute lymphatische Leukämie, ALL) und eine chronische Form (chromische lymphatische Leukämie, CLL) gibt. Die akute Form ist die häufigste Leukämie im Kindesalter. Die chronische Form ist die häufigste Leukämie überhaupt, sie kommt gehäuft im Alter vor, Männer sind doppelt so häufig wie Frauen betroffen. Die lymphatischen Leukämien gehen von Vorläufern der weißen Blutkörperchen aus, die in den lymphbildenden Organen gebildet werden oder dort heranreifen.

Die Erkrankung kann sich zunächst in Lymphknotenschwellungen äußern. Aber auch hier treten die Zellen ins Blut über und erreichen auf diesem Wege Knochenmark und andere Organe. Die Beschwerden sind dann ähnlich: Müdigkeit, Schlappheit und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. Auch hier ist die chronische Form viel unauffälliger, und wird deshalb erst in einem späteren Stadium bemerkt.

Krankheitsanzeichen

Eine Leukämie ist nicht sofort eindeutig zu erkennen. Am leichtesten entsteht der Verdacht bei den akuten Formen. Sie beginnen meist plötzlich mit schwerem Krankheitsgefühl, Blässe, Fieber, häufig mit einer hartnäckigen Infektion. Nasen- oder Zahnfleischbluten und eine verstärkte Neigung zu blauen Flecken sind ebenfalls häufig. Jüngere Patienten klagen oft über Knochenschmerzen, was aber leicht mit „Wachstumsschmerzen“ verwechselt wird. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Nachtschweiß und ein Leistungsknick sind weitere Anzeichen. Der Arzt kann die Diagnose aber nur stellen, wenn er eine überhöhte Zahl an unreifen weißen Blutkörperchen im Blut und im Knochenmark findet.

Chronische Leukämien beginnen schleichend und werden oft zufällig festgestellt. Hier sollte man bei allgemeiner Müdigkeit, Leistungsminderung, Gewichtsverlust und allgemeinem Unwohlsein auch an diese Krankheit denken.

Therapie

Ziel der Behandlung ist es, die Leukämiezellen zu zerstören oder zurückzudrängen. Dies geht nur mit Chemotherapien und manchmal zusätzlicher Bestrahlung. Erst im Anschluss daran ist übrigens eine Knochenmarkstransplantation möglich, und auch nur bei den Knochenmarks-Leukämien. Aber es gibt einige Neuentwicklungen bei den Chemotherapeutika.

Für die AML und in einigen Formen der ALL ist in den USA ein neuartiger Antikörper (Wirkstoff Gemtuzumab) zugelassen, der mit einem Zellgift gekoppelt ist. Weil er sich nur gegen ein bestimmtes Oberflächenmerkmal der Leukämiezellen richtet, werden nur diese Zellen angegriffen.

Bei der CML gibt es auch ein neuartiges Wirkprinzip: ein Signal(weiterleitungs)hemmer. Er zielt auf bestimmte Enzyme, welche für die Informationswege in Krebszellen typisch sind. Mit der Unterbrechung dieser Informationswege wird das Krebswachstum behindert. Dieser im Jahr 2001 zugelassene Wirkstoff heißt Imatinib. Mittlerweile gibt e dank intensiver Forschung bereits einen neuartigen Signalhemmer (Dasatinib), der die Informationswege und damit das Krebswachstum mehr als 300 mal so stark wie Imatinib hemmt.

Die CLL wird in der Regel nicht behandelt, weil sie nur langsam voranschreitet. Erst wenn Leistungsminderung oder Fieber auftauchen, sich das Blutbild stark verändert oder es zu einer Vergrößerung von Milz, Leber oder Lymphknoten kommt, werden Chemotherapeutika eingesetzt.

Warum das Knochenmark so wichtig ist

Wir haben zwei Arten von Knochenmark, das rote und das weiße. Während das weiße vor allem Fett enthält, findet im roten Mark in den Enden der langen Röhrenknochen, in den Rippen und in den platten Knochen, beispielsweise in Schädel, Brustbein und Beckenkamm die Blutbildung statt. Bei der Leukämie verspricht die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation eine große Heilungschance. Stammzellen sind die Vorstufe aller Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen). Z
uvor muss das kranke Knochenmark durch Chemotherapeutika zerstört werden. Erst dann ist es sinnvoll, durch die Transplantation dem Körper wieder gesunde, zur Blutbildung fähige Stammzellen zuzuführen, damit diese sind im Knochenmark ansiedeln.

Vor der Knochenmarksspende muss eine Gewebeverträglichkeit festgestellt werden. Diese bezeichnet man als HLA-Typisierung (HLA = Humane Leukozytenantigene). Die größte Chance, identische HLA-Merkmale zu finden, besteht bei Familienangehörigen. Zusätzlich erhält der Patient Medikamente, die sein Immunsystem unterdrücken, um eine Abstoßungsreaktion zu vermeiden. In dieser Zeit ist extrem gefährdet, sich mit harmlosen Keimen zu infizieren.

Wichtige Adressen

Das Lebenshaus g.e.V., Gemeinschaft zur Unterstützung von Betroffenen mit Leukämie, Tel.: 06032/93420, www.daslebenshaus.org,

DLH-Patientenbeistand, Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe e.V. (DLH), Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, Tel.: 0 228 / 33 88 9 200, E-Mail: info@leukaemie-hilfe.de, Internet: www.leukaemie-hilfe.de

DKMS, Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH, Zentrale Tübingen: Kressbach 1, 72072 Tübingen, Tel.: 07071 - 943-0, info@dkms.de.

Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg, Tel für Fragen zur Leukämie: 0800 / 420 30 40,  täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr (aus dem dt. Festnetz gebührenfrei), Internet: www.krebsinformationsdienst.de Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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