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Tipp des Tages

Ess-Störungen – Fast immer steckt die Seele dahinter

Viele Menschen tragen Konflikte im Körper aus. Sie fressen alles in sich hinein, Süßigkeiten ebenso wie Stress oder Ärger. Oder sie machen das Gegenteil, sie hungern, um wenigstens einen Bereich zu haben, über den sie selbstständig bestimmen können. Beide Verhaltensweisen können zu einer Essstörung führen. Diese werden in zwei Gruppen eingeteilt: Magersucht (Anorexie) und Essbrechsucht (Bulimie). Davon sind laut offizieller Zahlen etwa 4 bis 5 Prozent der Frauen zwischen 14 und 35 Jahren, sowie einige junge Männer betroffen.

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Bei der Magersucht und der Essbrechsucht handelt es sich schwere ausgeprägte Krankheitsbilder. Von Essproblemen, also der noch nicht so schweren Form, sind aber weit mehr junge Menschen betroffen, als diese Zahlen vermuten lassen. Jede dritte Schülerin in Deutschland hat Essprobleme, zeigte eine Studie der Universität Jena. Und immerhin 13 Prozent der männlichen Schüler sind betroffen. Denn auch ein gesteigerter Diätwahn und der übertriebene Gebrauch von Abführ- und Entwässerungsmitteln zählen zu den Essproblemen und bahnen oftmals den Weg zur Magersucht und Essbrechsucht.

Magersucht

Magersucht liegt dann vor, wenn Betroffene es darauf anlegen, so dünn wie möglich zu werden. Meist stehen eine oder mehrere Diäten am Anfang. Der Arzt spricht von Magersucht bei einem Body-Mass-Index von weniger als 17,5. Das bedeutet für eine Frau von 1.70 Größe, dass sie weniger als 50 Kilo wiegt. Das ist fast unvorstellbar wenig, aber sogar ein Gewicht von 35 oder 40 Kilogramm ist bei Magersüchtigen keine Seltenheit. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass bei einem solchen Untergewicht kein Fett und kaum mehr Muskelsubstanz da sind, und wahrscheinlich schon die Organe angegriffen sind.
Eine solches Gewicht kann nur durch extremes Hungern und / oder zusätzlich übertriebenem körperlichen Auspowern gehalten werden. Aber nicht ohne Gefahr für die Gesundheit – und für das geistige Wohlbefinden: Denn die Gedanken von Magersüchtigen kreisen wie zwanghaft immer wieder um das Essen bzw. Nichtessen und um das Einsparen von noch mehr Kalorien. Eine Patientin erklärte mir einmal: „Ich habe morgens immer ein halbes trockenes Brötchen gegessen. Aber dann kam mir die gute Idee, das Innere rauszupulen. So habe ich statt 76 nur noch 50 Kalorien gefrühstückt.“ Das Verweigern von Essen wird von Psychotherapeuten auch als eine tiefergehende Verweigerung gedeutet. Die Betroffenen wollen sich Problemen mit dem Selbstbewusstsein oder der Familie am liebsten entziehen. Irgendwann verselbstständigt sich die Angewohnheit, zu wenig zu essen.

Essbrechsucht

Aus einer Magersucht entwickelt sich oft auch eine Essbrechsucht. Das kann man wie ein Aufbäumen des Körpers verstehen. Er möchte nicht länger an den Rand des Hungertods geführt werden, sondern beginnt eine unbezähmbare Gier nach Essbarem zu entwickeln. Damit ist immer auch eine Gier nach Zufriedenheit und nach Glück verbunden.

Bei der Essbrechsucht treten regelmäßige Essattacken auf, an deren Ende ein selbst herbeigeführtes Erbrechen steht. Dies kann dreimal in der Woche passieren, oder auch  mehrmals täglich. In der Zeit bis zum nächsten Attacke – die Betroffenen sagen dazu „Fressanfall“ – versuchen sie durch übermäßig starke Kontrolle so wenig wie möglich zu essen. Dadurch wird aber das Gegenteil bewirkt, denn irgendwann übermannt einen wieder der Kontrollverlust.

Zitat einer anderen Patientin: „Die Gier wird unmenschlich groß. Manchmal konnte ich nicht einmal die Packung schnell genug aufreißen. Ich habe dann die Schokolade mitsamt Papier in mich hineingefressen.“ Auch jetzt kreisen die Gedanken wieder unermüdlich ums Essen. Scham und Schuldgefühle stellen sich ein, sowie ein Gefühl der Hilflosigkeit. Trotz aller Anstrengung gelingt es nicht, der Sucht Herr zu werden. 

Essstörungen sind Notsignale

Sie sehen, Appelle wie: „Jetzt iss halt normal“, haben keinen Erfolg. Denn Essanfälle sind Notsignale, die zeigen, dass ein Mensch nicht im Einklang mit sich selbst ist. Oft treten begleitend andere Suchterkrankungen auf, weil Essgestörte versuchen, sich mit Zigaretten oder Alkohol vom Essen abzuhalten. Als gesund bezeichnet man jemanden deswegen erst dann, wenn er auch die begleitenden Süchte abgelegt hat.

Hilfen

Es gibt Hilfen für Essgestörte. Die erste Anlaufstelle ist für die meisten Betroffenen eine Selbsthilfegruppe wie etwa Cinderella. In Selbsthilfegruppen erkennt man, dass es vielen Menschen genauso geht. Hier sollte man allerdings nicht verharren, sondern lernen, sich auch Nichtbetroffenen zu öffnen. So haben viele Zentren an Unikliniken in ihrer psychosomatischen Abteilung eine Spezialambulanz für Essstörungen. Die Ambulanz informiert dann über das weitere Vorgehen. Dies kann eine Weiterbehandlung beim Hausarzt sein.
Dieser kann vor allem organische Ursachen für ein Über- oder Untergewicht oder für ein gesteigertes Essverlangen abklären. Meist sind es Fehlfunktionen der Schilddrüse oder andere hormonelle Störungen. Auch die Zuckerkrankheit birgt die Gefahr einer Essstörung. Ein Viertel aller jugendlichen Diabetikerinnen beispielsweise hat zusätzlich eine Bulimie, vor allem hervorgerufen durch die Notwendigkeit, die Broteinheiten ständig zu kontrollieren

Möglich sind aber auch eine ambulante Psychotherapie oder ein stationärer Aufenthalt, sowie Kombinationen.
Die Wege aus der Essstörung heraus sind immer individuell. Sie sind am Anfang steinig und dornig, aber dann irgendwann können Sie sich gar nicht mehr vorstellen, wie es „damals“ war. Wichtig ist aber das Ziel, wieder Freude am Genuss und am Leben zu finden, denn nur damit lassen sich Essprobleme auf lange Sicht beheben.

Was Angehörige tun können

Partner und Eltern merken es oft als letzte, wenn jemand aus der Familie Probleme mit dem Essen hat. Denn es gehört zum Wesen einer Essstörung, diese vor der Umwelt zu verheimlichen. Betroffenen ist ihre Essstörung nämlich meist unsagbar peinlich. Sie schämen sich dafür und tun alles, um Anzeichen zu vertuschen. So können z. B. Eltern ihre Kinder nur aufmerksam beobachten, wenn sie das Gefühl haben, irgendetwas stimmt nicht. Haben Sie den Mut, Ihren Angehörigen darauf anzusprechen, dass Ihnen eine Veränderung aufgefallen ist und Sie sich Sorgen machen. Wahrscheinlich wird er abblocken. Aber er merkt, dass sich jemand Sorgen macht.

Verlangen Sie nicht, dass der Angehörige seine Probleme zugeben muss. Sie können ihm aber dabei helfen, sein Selbstwertgefühl zu korrigieren. Es muss lernen, das Selbstwertgefühl nicht nur aus dem Körperlichen zu ziehen, sondern auch aus anderen Dingen.
Als Partner oder Eltern einer / eines Magersüchtigen kann man schnell an die Grenzen seiner Belastbarkeit gelangen. Informieren Sie sich daher zuerst über die Krankheit und konfrontieren Sie dann Ihren Partner oder Ihr Kind mit Ihrer Sorge um ihn aber auch mit Ihrem Wissen. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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