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Tipp des Tages

Epilepsie: Gewitter im Gehirn

Der Passant bricht zusammen und beginnt wie wild zu zucken. Dann bleibt er mit Schaum vor dem Mund liegen. So drastisch stellt man sich meistens einen epileptischen Anfall vor. Dass es auch unspektakuläre Anzeichen gibt, wie Black-out oder Gänsehaut, weiß kaum jemand. Kein Wunder, dass bis heute die abenteuerlichsten Vorurteile bestehen. Beschrieb Hippokrates die Krankheit 430 Jahre v. Chr. noch als „heilige Krankheit“, galten Epilepsiekranke in späteren Jahrhunderten als von Dämonen besessen. Auch heute noch spukt die Auffassung herum, Epilepsie sei eine Geisteskrankheit. Dem ist aber nicht so. Zwar ist die Epilepsie eine Erkrankung des Gehirns, aber man ist deswegen nicht verrückt oder unzurechnungsfähig. Epilepsie vermindert auch nicht die Intelligenz. Wohl aber kann es sein, dass ein schwerer Anfall das Gehirn erschöpft, und es in Folge dessen vorübergehend zu Sprachstörungen kommt.

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Epilepsie ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die durch wiederholtes Auftreten von vom Großhirn ausgehenden Ausfällen gekennzeichnet sind. Hier sitzt das Denk- und Wahrnehmungsvermögen der Menschen. Dazu arbeiten die Neuronen im Gehirn normalerweise sehr koordiniert zusammen. Bei manchen Menschen ist die Reaktionsbereitschaft an Knotenpunkten von Neuronen aber so hoch, dass ein geringer äußerer oder innerer Reiz genügt, um viele Neuronen gleichzeitig feuern zu lassen. Das bezeichnet man als „Neuronengewitter“, sprich ein epileptischer Anfall. Dieser ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Verschiedene Formen von Epilepsie

Im Allgemeinen wird zwischen drei Hauptformen unterschieden:
  1. Großer epileptischer Anfall (auch: Grand-mal-Anfall): Oft nach einer Aura kommt es zur plötzlich einsetzenden Bewusstlosigkeit und zum Krampfstadium mit oft rhythmischen Muskelzuckungen. Während des Anfalls verdreifacht sich die Hirnblutung, weshalb die Neuronen ständig mit Glucose versorgt werden und sich immer wieder neu entladen können. So dauert dieser Anfall 1 bis 3 Minuten.
  2. Kleiner epileptischer Anfall (Petit-mal-Anfall): Oft nur kurzen Black-out von einigen Sekunden. Wird oft von der Umgebung gar nicht erkannt. Und wenn doch, kann er vom Patienten als angebliche Gedankenlosigkeit erklärt werden.
  3. Komplex-partieller Anfall: Lichterscheinungen oder Geruchsveränderungen kündigen ihn oft an. Manchmal kommt das Gefühl hinzu, alles schon einmal erlebt zu haben (déja-vu), oder im Gegenteil, sich völlig fremd zu fühlen (jamais-vu). Manche Patienten nehmen die Umgebung weiter wahr, können aber nicht mehr reagieren. Es stellen sich wie von selbst gesteuerte Bewegungen ein, wie etwa Schmatzbewegungen des Mundes, Klopfbewegungen der Hände, oder komplexere Handlungen wie etwa öffentliches Ausziehen. Nach dem Anfall folgt eine etwa halbstündige Orientierungsphase.
  4. Als schlimmste Form gibt es noch den „epileptischen Status“, hier kommt es zum ununterbrochenen Auftreten von Anfällen, oft ohne dass Patient dazwischen das Bewusstsein wiedererlangt.

Ursachen


Bei den Ursachen wird zwischen angeboren und erworben unterschieden, die beide zu je 50 Prozent auftreten. Von den erworbenen Ursachen steht an erster Stelle der Schlaganfall. Aber auch eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder ein Tumor können die Anfälle hervorrufen, ebenso wie eine Schädelhirnverletzung, wofür der deutsche Studentenführer Rudi Dutschke ein Beispiel ist. Er wurde bei einem Attentat am Kopf verletzt und ist in Folge dessen Jahre später bei einem epileptischen Anfall in der Badewanne ertrunken.

Von einer angeborenen Ursache spricht man, wenn Menschen auf bestimmte Reizungen mit einem „Neuronengewitter“ reagieren. Das sind in erster Linie Schlafentzug oder Alkoholgenuss, sowie Drogen oder Medikamentennebenwirkungen. Bei Kindern können fieberhafte Erkrankungen einen Anfall auslösen, der dann als „Fieberkrampf“ bezeichnet wird.

Diagnose

Um eine erworbene Ursache, bzw. die dahinterstehende Erkrankung zu erkennen, wird jedes Erstauftreten eines epileptischen Anfalls diagnostisch geklärt. Mit bildgebenden Verfahren (Magnetresonanztomografie oder Computertomografie) kann man eine geschädigte Stelle im Gehirn erkennen. Bei kleineren Anfällen gibt auch das EEG (Elektroenzephalogramm) Aufschluss.

Therapien

Aber nicht jeder Anfall muss therapiert werden. Bei sogenannten Gelegenheitsanfällen ohne organische Ursache, kann es sein, dass sie nur ein oder zweimal im Leben auftreten. Diese werden nicht behandelt. Ansonsten aber gilt, dass sich eine Epilepsie unbehandelt verschlimmern kann. Therapiert wird sie in der Regel durch Medikamente. Hier gibt es Mittel gegen Anfälle (Antikonvulsiva) und Mittel gegen Epilepsie (Antiepileptika). Damit, auch in Kombination, gelingt es etwa 75 Prozent der Epileptiker anfallsfrei zu bekommen.
Eine alternative Methode, die sich mittlerweile gut bewährt hat, ist die ketogene Diät. Der Körper selbst ist nämlich dazu fähig, unter bestimmten Umständen ein potentes Heilmittel zu produzieren. Sobald körpereigenes Keton ins Gehirn eindringt, ist es schlagartig vorbei mit den Anfällen.

Keton entsteht, wenn – wie bei einer Fastenkur – das eigene Fett abgebaut wird. Die ketogene Diät ist dazu imstande, die Körpervorgänge beim Hungern nachzumachen. Es werden bestimmte Fette verzehrt, bei dessen Abbau auch Ketonkörper entstehen. Sie darf nur unter Aufsicht erfolgen.
Auch operativ kann etwas gemacht werden, etwa mit dem Hirnschrittmacher. Es ist ein unter die Haut der Brustmuskulatur eingepflanzter winziger elektronischer Impulsgeber. Unter der Haut sind Elektroden bis zum Epilepsiezentrum im Gehirn gelegt. Sie stimulieren gezielt fehlregulierte Hirnregionen. In Zukunft gibt es Hirnschrittmacher, die nur noch bei Bedarf „feuern“.

Erste Hilfe bei einem Anfall

Außenstehende fühlen sich meist hilflos, wenn jemand in ihrer Nähe einen epileptischen Anfall erleidet. Sie können den Anfall zwar nicht zum Stoppen bringen, aber Sie können trotzdem etwas tun: Entfernen Sie den Betroffenen aus einem Gefahrenbereich (Straßenverkehr, Treppenbereich). Entfernen Sie alle Gegenstände, die dem Patienten beim Um-sich-schlagen gefährlich werden können (Brille, Werkzeuge, Möbel). Lagern Sie ihn geschützt (Kopfunterlage).

Sorgen Sie auch für Betreuung direkt nach dem Anfall: Bei eintretender Ruhephase in Seitenlage bringen (Speichelabfluss ermöglichen). Kleidung insbesondere am Hals lockern und damit Atmung erleichtern. Freundlich ansprechen und so den Zeitpunkt kontrollieren, zu dem das Bewusstsein zurückkehrt. Nach Kopfverletzungen sehen.

Hilfestellung in der Phase des Bewusstwerdens und der Erholung: Hilfsbereitschaft zusagen, Gaffer zum Weitergehen auffordern. Nach seinen Wünschen fragen, seinen vernünftigen Anweisungen folgen. Begleitung anbieten und für ihn eine mögliche notwendige Gelegenheit zum Ausruhen erkunden.

Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten, verständigen Sie unbedingt einen Notarzt. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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