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Tipp des Tages

Schizophrenie: Wenn Wahnvorstellungen unser Leben bestimmen

Menschen, die Stimmen hören oder sich einbilden, Napoleon oder Cäsar zu sein, galten früher schlichtweg als verrückt und wurden weggesperrt. „Vorzeitige Verblödung“ (med.: Dementia praecox) lautete auch die erste Bezeichnung für diese Krankheit. Der Begriff konnte sich aber nicht lange halten, denn er wird den vielen Facetten der Erkrankung nicht gerecht. So setzte sich seit 1911 die Bezeichnung Schizophrenie durch, was „Abspaltung der Seele“ bedeutet. Denn bei der Schizophrenie stehen Wahnerlebnisse und Halluzinationen im Vordergrund, die so real sind, dass die Betroffenen sie nicht von realen Erlebnissen unterscheiden können.

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Bedrohliche Stimmen

Meist meinen es diese „Stimmen im Kopf“ auch nicht gut mit der jeweiligen Person, sondern treiben sie zu selbstzerstörerischem Handeln und auch zu Aggressionen gegenüber anderen Menschen. „Die vermeintliche Romy Schneider, die ich sehr verehrt hatte, forderte mich auf, ihr in den Tod zu folgen. So stand ich plötzlich auf dem Dach. Nachbarn haben mich herunter geholt“, schilderte eine 40-jährige Patientin. Ein noch junger Patient, ein Schüler, berichtete: „Bei der kleinsten seelischen Belastung sind die Stimmen gekommen. Sie waren bedrohlich und kündigten meinen baldigen Tod an. Oftmals stritten die Stimmen auch untereinander. Dies lenkte mich immer mehr von der Außenwelt ab. Ich wollte Medizin studieren, und musste aber irgendwann die Schule ohne Abschluss verlassen.“

Störung der Biochemie im Gehirn

Diese Beschreibungen klingen zugegebenermaßen unheimlich, und man ist geneigt sich zu fragen, ob nicht doch versteckte Botschaften in ihnen enthalten sind. Aber man geht heutzutage davon aus, dass veränderte biochemische Verhältnisse in bestimmten Hirngebieten die Hauptursache der Erkrankung ist. So ist etwa die Glutamatproduktion im Hippocampus betroffen – er hat die Form eines Seepferdchens, daher der Name. Dies ist eine zentrale Schaltstelle, die es in der rechten und linken Gehirnhälfte gibt. Hier fließen Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, sie werden verarbeitet und dann zur Einspeicherung in die Großhirnrinde gesandt.

Wenn aber aufgrund zuwenig produzierter Botenstoffe die Schaltzentrale durcheinander gebracht wird, kann man sich ein verändertes Wahrnehmen (z. B. Hören und Sehen) gut vorstellen. Auch der Dopamin- und Serotoninstoffwechsel ist dadurch gestört.
Allerdings weiß man auch, dass es nicht nur eine Ursache gibt. So besagt eine andere Theorie, dass die Schizophrenie mit einem Untergang von grauer Nervensubstanz einhergeht. Dazu kommen erbliche Einflüsse, denn in bestimmten Familien häuft sich diese Erkrankung.

Häufigkeit

Insgesamt muss laut der ärztlichen Leitlinien ungefähr einer von hundert Menschen befürchten, einmal im Leben an Schizophrenie zu erkranken (0,5 bis 1,6 Prozent). Die Erkrankung tritt bevorzugt zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr auf. Männer erkranken etwa 3 bis 4 Jahre früher als Frauen.

Verlauf

Die Krankheit bahnt sich meist schleichend über mehrere Jahre an. Zu Beginn stellen die Betroffenen fest, dass sie alles intensiver erleben. Doch es fällt schwer, zwischen der realen und irrealen Welt zu unterscheiden. Hinzu kommt oft eine Überempfindlichkeit gegen Geräusche, sowie allgemeine Nervosität, Schlaflosigkeit, Denkstörung und innere Erregung. Nach einem ersten Krankheitsschub – d. h. richtigen Wahnvorstellungen und Halluzinationen – genesen etwa 20 Prozent der Erkrankten wieder völlig. Bei den übrigen 80 Prozent ist die Krankheit unterschiedlich stark ausgeprägt.

$imageleft2$Diagnose

Krankheitszeichen teilt man in positive und negative Symptome ein. Zu den positiven Symptomen gehören Halluzinationen, Gedankeneingebung, Stimmen im Dialog, kommentierende Stimmen, aber auch bildhafte Erscheinungen, sowie die Überzeugung, etwas zu riechen oder zu schmecken, was gar nicht da ist. Weiterhin gehört der Wahn zu den positiven Symptomen, beispielsweise alles kontrollieren und beeinflussen zu können, wie es sehr schön in den Film „Beautiful Mind“ über den hochbegabten aber schizophrenen Mathematiker John Nash dargestellt wurde. Zu den negativen Symptomen zählen eine Verflachung von Emotionen und Stimmungen, ein verminderter Antrieb ähnlich wie bei der Depression, sowie ein sozialer Rückzug.

Weil diese Anzeichen bei verschiedenen Patienten unterschiedlich auftreten, bereitet die Diagnose dem Arzt Schwierigkeiten. Er kann die Schizophrenie nicht messen, sondern kann die Krankheit nur durch das Anamnesegespräch herausfinden. Hinzu kommt, dass kein Patient als „verrückt“ gelten möchte und von daher Krankheitsanzeichen verheimlicht. Meist kommt ein Patient daher erst dann in die Obhut des Arztes, wenn der Betroffene und auch seine Umgebung sagen, „so geht es nicht weiter, es muss etwas geschehen“. Da aber, wie gesagt, die Schizophrenie heute als eine Stoffwechselstörung angesehen wird, muss sich kein Patient schämen, denn er kann ja nichts für das Funktionieren seiner Botenstoffe im Gehirn.

Therapie

Alleine – nur mit Willenskraft – ist die Schizophrenie nicht zu heilen. Zur Therapie gibt es neue Medikamente für Schizophrene, die sogenannten atypischen Neuroleptika, die den Botenstoffhaushalt regulieren. Damit können Betroffenen wieder leben ohne aufzufallen. Allerdings gibt es auch schwere Fälle, bei denen es nicht nur mit einer Pille pro Tag getan ist. Hier gibt der erfahrene Psychiater einen richtigen Mix aus älteren und neueren Medikamenten, sowie an Mitteln, welche die Nebenwirkungen wieder ausgleichen. Sie sehen also, es ist es wichtig, sich einem Arzt anzuvertrauen, wenn Sie das Gefühl hat, es würde sich etwas mit der Psyche verändern.

Als neue Therapie wird die Gabe von EPO diskutiert, der Stoff, der erst kürzlich beim Raddoping von sich reden machte. Es ist ein Hormon, welches die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut vermehrt und damit die Sauerstoffversorgung verbessert, auch im Gehirn. Das bringt das Denken wieder in Schwung, sagen erste Untersuchungen.

Was ist eine multiple Persönlichkeit?

Mit einer multiplen Persönlichkeit wird das Vorhandensein von zwei oder mehr Persönlichkeiten in einer Person bezeichnet. Diese kann also einmal stark und souverän und das andere mal willensschwach und ängstlich sein. Dieser Begriff wird oft mit der Schizophrenie gleichgesetzt, hat aber damit wenig zu tun. Vielmehr geht dies Krankheitsbild meist auf eine seelisch oder körperlich schmerzhafte Kindheitserfahrung zurück, etwa ein wiederholter Missbrauch oder traumatische Kriegserfahrungen.
Das Kind versucht mit seinen Erlebnissen dadurch klar zu kommen, indem es unbewusst den Teil, der gequält wird, von sich abtrennt. So kann es seine Erlebnisse richtig aus dem Bewusstsein verdrängen. Dies kann wichtig sein, um weiterzuleben. Trotzdem geht es den Menschen nicht gut.
Die Behandlung ist meist langwierig. Sie besteht darin, dass mit professioneller Hilfe die traumatischen Erlebnisse verarbeitet werden. Dies wollen Betroffene aber oft nicht. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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