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Tipp des Tages

Schwindel: Wenn die Welt sich um uns dreht

Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich, kann er kommen: ein heftiger Schwindel, bei dem die komplette Umwelt kreist und sich bewegt. Stehen, gehen ist nicht mehr möglich. Übelkeit und Erbrechen kommen dazu. „Ich habe gedacht, das war’s, ein Schlaganfall, davon erhole ich mich nicht mehr“, so beschrieb es mir ein Patient. Die Diagnose aber: Kein Schlaganfall, sondern eine akute Neuropathia vestibularis.

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Neuropathia vestibularis

Das ist eine Infektion (wahrscheinlich mit Herpesviren) des Gleichgewichtsnerves, der die Impulse aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr ins Gehirn weiterleitet. Auf acht von hundert Menschen, die sich wegen ihres Schwindels behandeln lassen, trifft diese Diagnose zu. Bettruhe, Injektionen mit Cortison, damit sich die Entzündung nicht weiter verschlimmert und evtl. ein Wirkstoffpflaster gegen die Übelkeit – so sieht die Therapie aus. Ansonsten heißt es abwarten, bis der Körper mit den Viren fertig ist, und dann nach ein paar Tagen erste Gleichgewichtsübungen. Es kann Wochen und Monate dauern, bis der betroffene Patient wieder relativ normal und ohne Torkelgefühle gehen kann.

Häufigkeit von Schwindel

38 Prozent der Deutschen (32 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen) leiden unter geringem, mittlerem oder starkem Schwindel. Es ist aber keine Krankheit, sondern ein Symptom, das viele Ursachen haben kann.

Störung des Gleichgewichtssystems

Generell gilt, dass Schwindel immer die Folge einer Störung des Gleichgewichtssystems ist. Dazu gehört das Gleichgewichtsorgan, das im Labyrinth des Innenohrs sitzt. Es ist teilweise mit einer Ohrflüssigkeit (Endolymphe) gefüllt. Verlagert oder bewegt man den Kopf, bewegt sich die Ohrflüssigkeit, dies wird von speziellen Sinneszellen bemerkt, die in die Ohrflüssigkeit hineinragen.
Weiterhin liegt an einer anderen Stelle im Labyrinth eine gallertartige Membran, die mit winzigen Ohrsteinchen aus Kalk beschwert ist. Diese verschieben sich bei einer Beschleunigung des Körpers, und leiten diese Information auch ins Gehirn weiter. Zudem zählen auch die Augen zum Gleichgewichtssystem.

Und schließlich unseres sensibles System. Dies sind Tausende von Nervenendigungen überall im Körper, z. B. auch in den Fußsohlen. Sie melden dem Gehirn, in welcher Lage sich der Körper befindet. Wenn aber widersprüchliche Sinnesmeldungen im Gehirn eintreffen, kann dies ein Schwindel- und Übelkeitsgefühl auslösen, welches wir als „Reisekrankheit“ kennen. Dabei nimmt das Gleichgewichtsorgan die Fahrbewegung wahr und das Auge meldet „Stillstand“ im Inneren des Fahrzeugs. Hier hilft es, aus dem Fenster von Bus, Schiff oder Flugzeug zu schauen und sich außerhalb des Fahrzeugs möglichst nah liegende Fixierungspunkte zu suchen.

Auch Ursache: Herz- und Kreislauferkrankungen

Häufig ist auch der Schwindel bei Herz- und Kreislauferkrankungen. Aufgrund eines Blutdruckabfalls kann kurzzeitig eine Mangeldurchblutung im Gehirn entstehen, die sich wie folgt äußert: Benommenheit, Leere im Kopf, Verlangsamung oder Verwirrung des Denkens, manchmal Entrückung von der Umwelt.

Aber auch bei hohem Bluthochdruck von über 200 mmHg. kann es zu einem Schwindelgefühl kommen, typischerweise begleitet von Kopfschmerzen. Hier liegt die Ursache in einer reflektorischen Verengung der Blutgefäße im Gehirn und einer daraus folgenden Minderdurchblutung. Herzrhythmusstörungen, welche zu einer ungleichmäßige Durchblutung führen, bewirken in gleicher Weise Schwindelzustände, insbesondere bei älteren Menschen.

Oder ein Zervikalsyndrom?

Gut möglich ist auch ein Zervikalsyndrom: Dabei leidet der Kopf, weil etwa ein Verschleiß an der Halswirbelsäule vorhanden ist oder die Nackenmuskeln bretthart verspannt sind. Denn dies reizt die Nerven zwischen Gehirn und Halswirbelsäule, mit der Folge von Schwindel, Kopfschmerzen und manchmal auch Hör-, Seh- und Schluckbeschwerden.

$imageleft2$Der lageabhängige Schwindel

Weiter gibt es den „lageabhängigen Schwindel“, der bei einer Veränderung der Kopfhaltung auftritt. Man unterscheidet den gutartigen vom zentralen Lageschwindel.
Die gutartige Schwindelform zeigt sich am häufigsten einige Sekunden nach der Lagerung auf die linke oder rechte Kopfseite, aber auch beim Hinlegen, beim Bücken oder Aufrichten. Hier lösen sich Teilchen der Ohrsteinchen (Otolithen) ab, entweder spontan oder in 20 Prozent der Fälle durch eine Schädelverletzung, schwimmen frei in der Innenohrflüssigkeit herum und irritieren die Sinneszellen, die dazu da sind, die Ohrflüssigkeit registrieren.

Mit einfachen Übungen können Sie die Ohrsteinchen wieder aus diesem Teil des Labyrinths herausbefördern. Setzen Sie sich aufrecht auf eine Bettkante oder ein Sofa und lassen sich möglichst rasch in die Seitenlage fallen, in der der Schwindel auftritt. Aber nicht direkt aufs Ohr, sondern eher ein bisschen mehr auf den Hinterkopf. Diese Position halten Sie 30 Sekunden lang aus und wiederholen die Übung ein paar Mal.

Ernsthafter ist die Sache beim zentralen Lageschwindel. Dieser kommt durch Gehirnerkrankungen zustande, welche das Gleichgewichtszentrum im Hirnstamm oder im nahegelegenen Kleinhirn (zer-)stören. Die Ursachen können sein: Tumore, Metastasen, Multiple Sklerose, Hirnblutungen, Infarkte und Migräneattacken.
Ein Schwindel kann also ein Warnhinweis auf eine ernsthafte Krankheit sein, weshalb Sie damit auf jeden Fall zum Arzt sollten.

Ursache Angst

Manchmal aber findet weder der Hals-Nasen-Ohren-Arzt noch der Neurologe irgendwelche Störungen, denn der Schwindel kann auch ein Anzeichen von tiefgreifenden psychischen Beschwerden sein, nämlich Angstzustände. Diese treten, insbesondere bei Angst vor Öffentlichkeit und auf Reisen (Agoraphobie) auf.
Oft gibt es allerdings wirklich keine Ursache, außer vielleicht zuwenig Bewegung. Denn von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen gilt: Körperliche Bewegung und Training bessern Schwindel. Bettruhe und Schonung verschlimmern ihn.

Morbus Menière

Eine unangenehme Schwindelkrankheit ist der Morbus Menière, bei der die Betroffenen heftige von Erbrechen und Übelkeit begleitete Drehschwindelanfälle erleiden. Die Attacken können zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten, dauern mindestens 20 Minuten bis mehrere Stunden an. Währenddessen hören die Patienten schlecht, oftmals klagen sie über Ohrensausen. Leiden sie auch unter Tinnitus, wird das Geräusch verstärkt. Ursache ist eine Vermehrung der Innenohrflüssigkeit (medizinisch: Endolymphe, siehe Text). Dies bewirkt eine Druckerhöhung, welche die Beschwerden hervorruft. Die Attacken treten plötzlich, ohne Vorwarnung auf. Oft sind sie ein Stressanzeichen.

Der Arzt verordnet Bettruhe, Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen und ein leichtes Beruhigungsmittel. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Im Extremfall legen die Ärzte ein Röhrchen ins Trommelfell, damit die Flüssigkeit abfließen kann. In schwierigen Fällen geben sie Tropfen durch das Röhrchen, welche die Innenohrflüssigkeit produzierende Zellen des Innenohres zerstören. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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