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Tipp des Tages

Stottern: Wenn Menschen nicht flüssig sprechen können

Jeder Mensch mit einem Stotterproblem kennt die lähmende Angst, wenn es um Telefonate, Einkäufe, Schule oder einfach nur einen netten Gruß an die neue Nachbarin geht. Jedes Mal, wenn er etwas glatt und flüssig sagen muss, vor allem zu Fremden, spielt die Sprache verrückt. Daher bezeichnet man das Stottern auch als Redeflussstörung. Die häufigste Form ist eine Silben- oder Wortwiederholung, also Va Va Va Vater. Oft zu hören sind auch so genannte Blocks, in denen der Sprecher an einem Konsonanten oder Vokal hängen bleibt, wie Mmmmmutter. Weiterhin ist das vermehrte Benutzen von Füllwörtern wie „eh, na, also, und“ typisch. Oder ein plötzliches Stocken vor einem Wort, einer Silbe. Damit geht häufig eine unübliche Atemtechnik und ein falsches Koordinieren der Sprechmuskulatur einher.

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Stottern betrifft den ganzen Menschen

Aber auch der restliche Körper spielt verrückt, wenn der Mund ein Wort herausbringen will: Die Muskeln verkrampfen sich, die Atemluft bleibt weg, der Kopf wird heiß und rot, das Gesicht bekommt einen starren angestrengten Ausdruck. Der Körper zeigt damit, wie peinlich dem Betroffenen sein Stottern ist. Denn wer stottert, kann nicht ausdrücken, was ihm durch den Kopf geht, egal ob es sich um eine neue wissenschaftliche Theorie oder einfach nur um den Satz „Ich hätte gern zwei Brötchen“ handelt. So kann zu den oben beschriebenen Reaktionen des unwillkürlichen Nervensystems, des Vegetativums kommen.

Weiterhin fühlen sich die Betroffenen auch sozusagen in sich selbst eingeschlossen. „Locked-in-Syndrom“ heißt der medizinische Begriff, der das gleiche aussagt. Denn Menschen mit einer Stotter-Problematik sagen oft nicht exakt, was sie meinen, sondern nur das, was schnell geht und was sie leichter aussprechen können. So kommt es zu dem Gefühl, dass die Gedanken eingesperrt bleiben, weil sie nicht ausgesprochen werden können. Im Gespräch mit Tieren, Kleinkindern und wenn Stotterer alleine sind, ist übrigens die Störung meist verschwunden oder weniger stark ausgeprägt.

Ursachen

Vom Stottern sind in Deutschland 800.000 Menschen betroffen, Männer viermal so häufig wie Frauen. Woran liegt aber es, dass manche Menschen nicht fließend sprechen können? Hier wird zwischen drei Gründen unterschieden. Einmal gibt es das Entwicklungsstottern. Das ist nicht ungewöhnlich bei den Drei- und Vierjährigen. Sie sind voller Mitteilungsdrang, weil sie beginnen, die Welt zu erobern, aber die Sprache scheint noch nicht so schnell zu funktionieren. Meist gibt sich diese Art des Stotterns noch vor der Zeit bis zum Schuleintritt. Eltern sollten ihrem Kind behutsam helfen, indem sie einen Teil der herausgesprudelten Geschichte geordnet wiederholen, die Erzählung des Kindes dabei bestätigen und ihm auch neue Wörter anbieten.

Weiterhin kann Stottern durch schwere psychische oder physische Erlebnisse entstehen. Hier kommt es in erster Linie darauf an, das Erlebnis zu verarbeiten, – und damit auch das Stottern zu beheben.
Als dritte und häufigste Form gibt es das ideopathische Stottern. Ursache unbekannt. Auch diese Form entsteht im Kindesalter. In der Literatur ist immer wieder zu lesen, dass Kinder nach der Pubertät nicht mehr vom Stottern geheilt werden können.

Manche Stottertherapeuten machen hier jedoch eine ganz andere Erfahrung. So ist schon lange bekannt, dass beim Singen das Stottern verschwindet. Warum das so ist, hatte der amerikanische Heldentenor Leonard Del Ferro vor etwa 30 Jahren zufällig entdeckt: Das Zwerchfell – ein Muskel, der zu 90 Prozent für das Atmen verantwortlich ist – flattert bei Stotterern unkontrolliert. Dadurch wird der Luftstrom gestört und die ausgeatmete Luft gelangt mit Holpern und Stolpern an die Stimmbänder.

Therapie

Um das Stottern zu beheben, muss man also lernen, sein Zwerchfell unter Kontrolle zu bekommen und tief und ruhig zu atmen. Nach der Del Ferro Technik geht das in drei Schritten:

  1. den Satz überlegen, den man sagen will,
  2. auf das Zwerchfell konzentrieren und bewusst ein und ausatmen,
  3. den Satz aussprechen. Am Anfang dauert das etwas länger, später bei täglichem regelmäßigem Üben geht es immer schneller.

$imageleft2$Eine andere Methode, die vor allem bei Kindern angewendet wird, ist die „Spechtsprache“ oder „Tiktakmethode“: Hier lernen Kinder, zwischen jedem Wort eine Pause einzulegen, damit sie sich beim Sprechen nicht mehr „überschlagen“. Später sollen die Pausen dann automatisch kleiner werden. Auch beim „Fluency Shaping“ wird ein neues Sprechmuster eingeübt, bei dem kein Stottern auftritt. Das Sprechmuster ist erst auffällig, und wird dann schrittweise normalisiert.All diese Methoden werden als „Stottermodifikation“ bezeichnet. Hier setzt die Therapie am Stottern selbst an.

Grundsätzlich sind davon die „Nicht-Vermeidungs-Strategien“ (medizinisch: Non-avoidence-Ansätze) zu unterscheiden: Diese haben als Grundlage, dass Stotterer oft flüssig sprechen können, wenn sie alleine sind. So geht es etwa im „Van-Riper-Programm“ darum, seine Störung zu akzeptieren. Dazu bekommt man eine Beruhigungstechnik mit auf den Weg, die anzuwenden ist, wenn sich wieder ein Stotterblock anbahnt. Auf diese Weise schwindet der innere Druck und das Sprechen verläuft freier.

Es gibt insgesamt etwa 250 Methoden, die ich nicht alle vorstellen kann. Sie alle lassen sich entweder der „Stottermodifikation“ oder den „Nicht-Vermeidungs-Strategien“ zuordnen, für beide Ansätze gibt es wissenschaftliche Beweise. Oft muss ein Stotterer auch erst verschiedene Methoden ausprobieren, bevor er die für ihn passende findet. Nur eines sollten Sie nicht: Sich damit abfinden, dass sowieso nichts zu ändern ist. Die Sprachtherapeuten oder Logopäden können Ihnen helfen.

Das können Sie tun

Aber auch als Mitmensch können Sie einem Stotterer helfen: Lassen Sie ihn aussprechen und vervollständigen Sie seine Sätze nicht. Schauen Sie den Betroffenen an, konzentrieren Sie sich auf das, was er sagt und verziehen Sie nicht Ihr Gesicht dabei. Wenn Sie den Betroffenen besser kennen, dann sagen Sie ihm, dass es Hilfe gibt, auch wenn er schon mehrere Therapien gemacht hat.

Warum lispelt jemand?

Mit Lispeln wird im Deutschen ein bestimmter Sprechfehler bezeichnet, bei dem das „s“ und das „z“ eher wie ein Zischen klingt, oder wie das englische „th“. Dabei liegt die Zungenspitze nicht hinter den Zähnen, sondern an oder zwischen ihnen. Dies hat zur Folge, dass sich der Luftstrom verändert, der den S-Laut bilden soll. Es ist auch möglich, dass durch eine fehlerhafte Zungenlage der Luftstrom seitlich statt zentral über die Zunge geführt wird, oder dass er gar durch die Nase verläuft, wodurch überhaupt kein Ton zustande kommt.

Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers können die Ursache dafür sein, aber auch eine mangelnde Muskelspannung der Zunge durch Daumenlutschen oder langen Schnullergebrauch. Auch eine Hörstörung, etwa durch eine schwere Mittelohrentzündung im  Kleinkindalter, kann ein fehlerhaftes Sprechen hervorrufen. Beim Logopäden werden u. a. Übungen zur Verbesserung der Zungenbeweglichkeit und der Zungenkräftigung gemacht, ebenso Sprechübungen und ggfs. ein Hörtraining. Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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