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Tipp des Tages

Windpocken: Kaum eine andere Krankheit ist so ansteckend

Der Name Windpocken beschreibt auf eine anschauliche Art, wie diese Krankheit übertragen wird, nämlich über die Luft. Und da mit dem Begriff Pocken früher Bläschen und Pusteln gemeint waren, sind die Windpocken demzufolge „die durch die Luft übertragenen Bläschen“. Und tatsächlich werden beim Husten oder Niesen die Erreger in die Luft geschleudert, und zwar über einige Meter hinweg. Mit dem Luftstrom gelangen sie dann in die Atemwege ihres nächsten Opfers und setzen sich in den Schleimhäuten von Nase und Rachen fest, bis sie sich von hier aus weiter ausbreiten. Es ist also ein Irrglaube zu meinen, man könne sich vor einer Ansteckung mit Windpocken schützen, indem man die Berührung mit den Kranken meidet. Natürlich kann auch eine Ansteckung von Haut zu Haut erfolgen, dies ist aber nicht der einzige Übertragungsweg.

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Krankheitsverlauf

Bei dem Erreger handelt es sich um das Varicella-Zoster-Virus. Etwa zwei Wochen nach der Infektion ruft es die ersten Krankheitsanzeichen hervor. Dies sind leichte Kopfschmerzen, mäßiges Fieber, Appetitlosigkeit und das Gefühl, krank zu werden. Bei kleineren Kindern können diese ersten Zeichen auch unterbleiben. Etwa zwei bis drei Tage nach dieser Ankündigung bricht ein Ausschlag aus kleinen, flachen und roten Flecken aus. Diese entwickeln sich innerhalb von 6 Stunden zu kleinen Bläschen, die mit einer klaren virushaltigen Flüssigkeit gefüllt sind. Weil die Bläschen stark jucken, ist der Betroffene versucht, daran zu kratzen. Dies sollten Sie aber nicht tun, weil aufgekratzte Bläschen lebenslange Narben hinterlassen. Außerdem besteht durch das Aufkratzen die Gefahr, dass Erreger hineinkommen.

Vor allem Streptokokken fühlen sich hier wohl. Dies führt zu einer „Superinfektion“, die auch auf das Gehirn übergreifen kann. Wenn jedoch die Bläschen eintrocken und verkrusten, bleiben keine Spuren zurück. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Denn fünf Tage blühen schubweise immer wieder neue Bläschen auf, am ganzen Körper. Sogar auf der Kopfhaut, unter den Augenlidern und in der Scheide können sie sich bilden. Hier sind sie nicht nur juckend, sondern teilweise auch sehr schmerzhaft. Ab Tag sechs beginnt die Heilungszeit. Drei Wochen danach ist der Spuk vorbei. Die meisten Kinder sind jetzt immun gegen Windpocken. Aus noch nicht geklärten Gründen versagt allerdings diese Immunität bei 1 bis 2 Prozent, diese Menschen können sich noch einmal neu mit Windpocken-Erregen anstecken.

Therapie

Therapeutisch kann man nur das Jucken lindern. Es helfen Antihistaminika zum Schlucken. Seit langem hat sich eine Zinkschüttelmixtur zum Auftupfen bewährt, sie unterstützt das Austrocknen der Bläschen.

Neuerdings: Impfempfehlung

Windpocken gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter: Über 90 Prozent der Erwachsenen haben als Kinder die Windpocken durchgemacht. Früher dachte man, dass es sich dabei um eine harmlose Kinderkrankheit handelt. Heute ist bekannt: Von rund 75.000 Erkrankungen verlaufen 6.000 Fälle so schwerwiegend, dass sogar ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist. Hier handelt es sich meist um Entzündungen im Gehirn, sowie um Lähmungserscheinungen. Aus diesem Grund hat vor vier Jahren die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfempfehlung ausgesprochen. So sollen alle Säuglinge im Alter zwischen 11 und 14 Monaten neben Masern, Mumps und Röteln (MMR) auch gegen Windpocken geimpft werden.

Dies ist heute auch mit einer einzigen Spritze möglich: der MMRV-Impfung. Der Buchstabe V steht dabei für Varizellen, das ist der medizinische Ausdruck für Windpocken. Ältere Kinder und Jugendliche sollten ebenfalls, wenn sie noch nicht an den Windpocken erkrankt sind, bis zu ihrem 18. Geburtstag geimpft werden.

Etwas über den Erreger

Das Windpocken-Virus gehört zur großen Familie der Herpes-Viren, die im Menschen unterschiedliche Krankheiten hervorrufen. Ein Merkmal aber ist bei allen Herpes-Viren gleich: Sie können lange im Körper „schlafen“ und verharren über Jahre hinweg, oft sogar lebenslang in einem Ruhezustand (medizinisch: Latenz). Das Immunsystem kommt dann nicht an die Viren heran. Die Krankheit tritt allerdings auch nicht in Erscheinung. Doch es besteht die Gefahr, dass die Viren „aufwachen“ und dann einen Neuausbruch der Krankheit hervorrufen. Im Falle der Windpocken heißt die Zweiterkrankung Gürtelrose.

Warum später Gürtelrose droht

Eine Gürtelrose wird von denselben Erregern verursacht, welche in der Kindheit die Windpocken ausgelöst haben. Wenn nämlich die Windpocken nach 2 Wochen abklingen, bedeutet das meist nur: Die Erreger werden zurückgedrängt. Sie wandern dann von der Haut aus über die sensiblen Nervenbahnen in die Endknotenpunkte (Spinalganglien) entlang der Wirbelsäule. Hier setzen sie sich zur Ruhe, meist für viele Jahre. Ein starkes Immunsystem hindert sie daran, aus ihrem Versteck wieder hervorzukommen. Mit dem Lebensalter allerdings steigt die Gefahr einer Rückkehr der Viren gradlinig an. Als Hauptgrund wird vermutet, dass mit dem Älterwerden auch die Abwehrstärke sinkt.

Manchmal sind auch Krankheiten wie Aids oder Krebs die Ursache. Eine Gürtelrose zeigt sich mit den gleichen Bläschen wie auch die Windpocken. Allerdings entwickelt sie sich nur auf der Hautfläche, die von der Nervenbahn versorgt wird, in dessen Endknotenpunkt sich die Viren versteckt haben. Dies ist meist am Rumpf. Manchmal ist auch der Trigeminusnerv betroffen, dann ist der Ausschlag im Gesicht und man spricht von Gesichtsrose. Herpesmedikamente können die Dauer des Hautausschlags verkürzen.

Vorsicht mit Aspirin und ASS

Sicher haben Sie auch schon einmal den Hinweis gehört, dass Kinder und Jugendliche bei Fieber keine Azetylsalizylsäure (z. B. Aspirin, Godamed, ASS) erhalten sollen. Der Grund: Windpocken- und Grippe-Viren können in Kombination mit diesem Wirkstoff möglicherweise eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen. Das ist das Reye-Syndrom (sprich: Rei). Es handelt sich um eine Entzündung und Schwellung des Gehirns, verbunden mit einer schweren Leberschädigung.

Diese Krankheit beginnt erst, wenn die Windpocken bzw. die Grippe geheilt ist. Tage danach setzt dann heftiges Erbrechen und starkes Fieber ein. Das Kind wird verwirrt, kann einen Krampfanfall bekommen oder ins Koma fallen. Der Grund dafür ist eine Erhöhung des Innendrucks im Gehirn. Eine Therapie gibt es noch nicht. Auch wenn die Krankheit selten ist, sollten Sie doch vorsichtshalber Ihrem Kind  zur Schmerzlinderung keine Medikamente mit Azetylsalizylsäure geben. Autor: Wissen Gesundheit-Redaktion

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