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Tipp des Tages

Morbus Bechterew: Im schlimmsten Fall versteift der ganze Rücken

Diese Wirbelsäulenkrankheit hat einen komplizierten Namen: Spondylarthritis ankylopoetica. Zu deutsch: Die verknöchernde Entzündung der Wirbelbogengelenke. Dies ist aber kaum auszusprechen. Deshalb sagen die meisten Menschen „Morbus Bechterew“ dazu. Der Namensgeber ist der russische Arzt Wladimir von Bechterew, der viel zu dieser Krankheit geschrieben hat.

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Das geschieht durch die Krankheit

Sie zählt zum rheumatischen Formenkreis und beginnt meist mit 20 bis 40 Jahren. Männer sind häufiger als Frauen betroffen. Zuerst kommt es zu Entzündungen in den Wirbelbogengelenken. Dies sind die kleinen Gelenke, die sich zwischen den Wirbelkörpern befinden. Sie ermöglichen es, dass die Wirbelkörper beweglich aufeinander sitzen und wir den Rücken beugen, strecken und zur Seite drehen können. Durch die Entzündung werden aber der Gelenkknorpel, die Gelenkkapsel, aber auch die Bänder und sogar die Bandscheibe angegriffen und zerstört. Der Körper reagiert darauf, indem die zerstörten weichen Gewebe verknöchern. Es bilden sich feste Knochenbrücken zwischen den Wirbelgelenken. Dies geht auf Kosten der Beweglichkeit.
Es gibt zwei Formen von Morbus Bechterew, die aufsteigende und die absteigende Form. Die aufsteigende Form beginnt im Iliosakralgelenk und wandert nach oben. Die absteigende Form beginnt im Nacken und wandert nach unten. Die Entzündung verläuft schubweise. Immer ist ein kleiner Abschnitt der Wirbelsäule betroffen, der nach Abklingen der Entzündung mit neuen Knochenstrukturen durchwachsen wird. Ein Schub kann sehr schmerzhaft sein. Dazwischen gibt es auch relativ schmerzfreie Entzündungsschübe.

Anzeichen und Diagnose

Die ersten Anzeichen sind untypische Kreuz- bzw. Nackenschmerzen, die vor allem nachts auftreten. Dies ist für die meisten Patienten der Anlass zum Arzt zu gehen. Auffällig ist, dass sich die Beschwerden durch Bewegung, nicht aber in Ruhe bessern.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt zuerst die eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule auf. Wenn Sie sich so weit wie möglich nach vorne neigen, kann der Arzt einen großen Abstand zwischen Fingerspitzen und Fußboden messen. Außerdem sieht er am Rücken, wie weit sich die Lendenwirbelsäule auseinander zieht (Schober-Zeichen).
Im Röntgenbild sind die Veränderungen auch zu erkennen. Die Knochenbrücken sehen so aus, als sei die Wirbelsäule von zwei Bambusstäben durchzogen. Deshalb wird das Röntgenbild als Bambusform bezeichnet.
Im Blut findet der Arzt weitere Anzeichen: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist erhöht, das deutet auf eine Entzündung hin. Der Rheumafaktor aber ist negativ. Die Eisenwerte im Blutserum sind ebenfalls erhöht, dafür sinken die Kupferwerte. Auch ein bestimmtes Risikogen (HLA-Gen B27) befindet sich 80 bis 95 Prozent aller Kranken im Blut. Deshalb lässt es der Hausarzt bei Verdacht auf Morbus Bechterew routinemäßig im Labor nachweisen. Allerdings bricht nur bei zwei bis vier Prozent aller Menschen mit diesem Gen die Krankheit tatsächlich aus. Deshalb denken die Forscher, dass es zusätzlich eine bestimmte Infektion braucht, um die Krankheit in Gang zu setzen. Im Verdacht haben sie das harmlose Bakterium Klebsiella pneumoniae, das zur normalen Darmflora des Menschen gehört. Wenn das Bakterium den Darm verlässt und in den Körper gelangt, werden u. a. T-Zellen aktiviert. Diese gehören zum Immunsystem und haben die Fähigkeit, sich auf bestimmte Erreger zu spezialisieren. Die Forscher vermuten, dass irgendetwas die T-Zellen dazu veranlasst, auch die Gelenkflächen in der Wirbelsäule anzugreifen.

Therapie

$imageright2$Für die Therapie ist es wichtig, dass die Krankheit so früh wie möglich erkannt wird. Denn der Verknöcherungsprozess kann nicht rückgängig gemacht werden. Doch es ist möglich, das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern. Der Rheumatologe wird zuerst einmal entzündungshemmende Medikamente verschreiben, die so genannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), was nichts anderes bedeutet als dass sie kein Kortison enthalten. Diese lindern bei den meisten Patienten die Beschwerden gut bis sehr gut. Zeigt sich allerdings, dass die Entzündung trotzdem fortschreitet, geben die Ärzte spezielle Medikamente, die für Rheumatiker entwickelt wurden, nämlich die TNF-alpha-Blocker. Diese lähmen ein übereifriges Immunsystem. In einem starken Schub verabreicht der Arzt ausnahmsweise dann doch Kortison gegen die Entzündung.
Auch Sie selbst können mithelfen: Wichtig ist es, dass Sie auf das Rauchen verzichten. Der Zigarettenkonsum lässt die Krankheit nachweisbar schneller fortschreiten. Krankengymnastische Übungen und Atemtherapie helfen, die Beweglichkeit länger zu erhalten. Kälte- und Wärmeanwendungen, z. B. im Thermalbad, sind gut gegen die Schmerzen.

Auch andere Organe können betroffen sein

Da es sich beim Morbus Bechterew um eine so genannte Systemerkrankung handelt, können auch andere Teile des Körpers betroffen sein. Zuerst einmal sind oft große Gelenke wie Hüfte und Schultern, aber auch Knie und Fersen mit befallen. Bei etwa 40 Prozent aller Morbus-Bechterew-Patienten kommen Entzündungen an der Irishaut und der Aderhaut der Augen (Irititis und Uveititis) hinzu. Dies erkennt man daran, dass das Auge vor allem bei großen Helligkeitsunterschieden schmerzt, bei denen sich die Pupille verengen muss. Es wird druckempfindlich und rötet sich. In diesem Fall sollten Sie umgehend zum Augenarzt gehen und ihn auf Ihren Morbus Bechterew aufmerksam machen. Der Augenarzt kann entscheiden, ob es sich um eine normale Augenentzündung, oder um ein „Bechterew-Auge“ handelt. Davon ist die Behandlung abhängig.
Im Spätstadium der Krankheit sind oft auch innere Organe von der Krankheit mit betroffen, wie Lunge, Herz, Nieren, Nervensystem. Auch treten zuweilen chronische Unterleibsentzündungen an Darm und Harnwegen auf. Die Fehlsteuerung der T-Zellen des Immunsystems wirkt sich zwar in der Wirbelsäule am stärksten aus, kann aber im Prinzip alle Organe des Körpers in Mitleidenschaft ziehen.

Was ist das Iliosakralgelenk?

Das Iliosakralgelenk, auch Kreuzdarmbeingelenk genannt, verbindet das Kreuzbein der Wirbelsäule mit dem Darmbein der Beckenknochen. Wenn Sie sich aufrecht hinstellen, die Hände die Hüfte stützen, sodass sich die Daumen auf dem Rücken befinden, merken Sie am Daumendruck ungefähr die Position des Iliosakralgelenks. Beim Morbus Bechterew ist dieses oft betroffen, besonders bei der aufsteigenden Form. Dies erkennt man einfach am Druckschmerz, wenn die oben beschriebene Position der Daumen weh tut. Auch beim Hüpfen tritt hier ein Stauchungsschmerz auf. Mit der Kernspintomografie oder einem Röntgenbild lässt sich die Entzündung und die knöcherne Umwandlung oft als erstes Zeichen sicher erkennen.

Autor: Wissen Gesundheit-Redaktion

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