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Tipp des Tages

Autismus: Wenn Beziehungen zu anderen Menschen unmöglich werden

Kinogängern wird sofort Raymond einfallen, gespielt von Dustin Hofmann in dem Film Rain Man. Raymond besitzt unglaubliche Fähigkeiten. Er lernt innerhalb von Stunden ein Telefonbuch bis zum Buchstaben G auswendig. Sein Vorbild war der reale Kim Peek: Er liest, indem er die linke Buchseite mit dem linken Auge und die rechte Buchseite mit dem rechten Auge ansieht. Das dauert wenige Sekunden, doch „Kimputer" vergisst es nie mehr. In anderen Lebensbereichen sind seine Leistungen jedoch stark unterdurchschnittlich.

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Hauptmerkmale beim Autismus

Die speziellen Talente (= Inselbegabung oder Savant-Syndrom) sind bei Autisten allerdings selten derart stark ausgeprägt. Ihr Hauptmerkmal, das auch Raymond aufweist, ist eine Kontaktstörung. Sie ziehen sich zurück, kapseln sich ab - daher der Name Autismus (griechisch: „für sich sein"). Zudem können sie schlecht Gefühle und Absichten anderer Menschen erkennen und sich in sie hineinversetzen. Bei Autisten ist der Bereich im Gehirn nicht ausgeprägt, der für die Gesichtererkennung zuständig ist. So erkennen sie andere Menschen schlecht wieder und können nicht in ihren Gesichtern lesen. Eine weitere Besonderheit hat der Hirnforscher Prof. Ernst Pöppel aus München entdeckt. Autisten haben ein starres Gegenwartsfenster. Normalerweise können wir einen Reiz von etwa drei Sekunden Dauer bestmöglich verarbeiten. Deswegen ist z. B. die Spalte in einer Zeitschrift so lang, dass wir sie innerhalb von drei Sekunden lesen können. Allerdings besitzen „normale Menschen" die Fähigkeit, diese Zeitstrecke zu verändern. Autisten können dies nicht. Der Verarbeitungsrhythmus ihres Gehirns ist starr. Deswegen können sie ihre Innenwelt nicht auf andere Menschen einstellen. Für viele Eltern ist es auch schwer möglich, Kontakt zu ihrem autistischen Kind herzustellen.

Ursache

Woher der Autismus kommt, weiß man nicht. Früher war man der Meinung, dass ein liebloses Verhalten der Eltern die Kinder zu Autisten mache. Dies ist falsch. Ebenfalls falsch ist, dass eine Impfung von Masern, Mumps und Röteln dahinter stehe. Dieser Mythos basiert auf einer gefälschten Studie, die vor 11 Jahren veröffentlicht, aber mittlerweile widerrufen wurde. Heute vermuten die Wissenschaftler, dass bei Autisten bestimmte Hirnareale unterentwickelt sind. Dies scheint angeboren zu sein. Beim „frühkindlichen Autismus" vermeiden schon Säuglinge den Blickkontakt zu ihren Eltern. Beim „Asperger-Syndrom", einer anderen häufigen Autismusform, treten die ersten Symptome im Vorschulalter auf. Die Abgrenzungen zwischen den beiden Formen sind fließend. Deswegen sagen viele Wissenschaftler, dass das Asperger-Syndrom nur eine milde Form des frühkindlichen Autismus ist.

Therapie

$imageright2$Autismus lässt sich nicht heilen. Die Haupttherapie für Kinder besteht im Verhaltenstraining mit Belohnungen. Jedes erwünschte Verhalten, wie Kontaktaufnahme zu einem anderen Kind, wird belohnt. Das wichtigste Ziel ist es, das Sozialverhalten zu verbessern, damit es weitere Kontaktfähigkeiten erlernen kann. Bestrafungen sind die Ausnahme, da sie den Kontakt zu den Eltern schädigen. Manche Autisten erhalten zudem Medikamente, die den Serotoninspiegel senken. Dies hilft gelegentlich.

Die ersten Symptome richtig deuten

Erstes Anzeichen beim frühkindlichen Autismus ist die späte Sprachentwicklung. Dies ist aber nur ein Anzeichen für weitere Probleme. Einem autistischen Kind ist also nicht geholfen, wenn man es nur zu einem Sprachtherapeuten schickt. Im Vergleich zu gesunden Kindern fällt auf, dass Autisten kaum nachahmen. So erwidern sie z. B. zum Abschied kein Winken. Beim Spielen beziehen sie nur selten andere Personen mit ein. Ihre Fähigkeit, Freundschaften zu knüpfen, ist stark beeinträchtigt. Viele autistische Kinder verständigen sich zudem weder verbal noch durch Körpersprache wie Blickkontakt oder Lächeln. Auch sträuben sie sich häufig gegen Umarmungen. Auffällig ist zudem der Mangel an Phantasie und Spielen. Auch beim Sprechern fallen Besonderheiten auf. Die Stimmmelodie ist durch ungewöhnliche Betonungen, Geschwindigkeit oder Tonhöhe geprägt. Weitere Sprachbesonderheiten sind das ständige Wiederholen bestimmter Worte oder Sätze, die Verwendung von „du", wenn „ich" gemeint ist und das Erfinden von Worten. Weiterhin legen Autisten großen Wert auf Regelmäßigkeit in ihren Gewohnheiten und im Tagesablauf.

 

Autor: Wissen Gesundheit-Redaktion

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