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RATGEBER - Rund ums Auge

Fehlsichtigkeit - und was sich dagegen tun lässt

Wenn die Augen kurz- oder weitsichtig sind, handelt es sich um keine Erkrankung. Augenärzte sprechen von Fehlsichtigkeit. Eine Brille, Kontaktlinsen oder auch ein operativer Eingriff können wieder für den richtigen Durchblick sorgen.

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Wie bereits erwähnt, gleicht unser Auge einer Fotokamera. Die Lichtstrahlen gelangen durch die Hornhaut und die Pupille in das Augeninnere.

Eine besonders wichtige Rolle spielt die Linse. Sie sammelt die Lichtstrahlen und bündelt sie auf dem Film unseres Körpers, der Netzhaut. In diesem Brennpunkt genannten Ort entsteht ein scharfes Bild. Ein normalsichtiges Auge behält immer den Durchblick. Dafür sorgt die Linse.

Bei weit entfernt Objekten ist sie flach, die Muskeln, die sie bewegen, sind entspannt. Rücken die Gegenstände näher an das Auge heran, spannen sich die Muskeln an, die Zonulafasern erschlaffen und die Linse wölbt sich passiv so weit, bis ein scharfes Bild entsteht.

Sind nun die einzelnen Teile des Auges, die für gutes Sehen sorgen, nicht exakt aufeinander abgestimmt, kommt es, je nach Situation, zu unscharfen Bildern.
Da es sich hier nicht um eine eigentliche Krankheit handelt, sprechen Augenärzte von Fehlsichtigkeit. Unter diesem Oberbegriff fassen sie die Kurzsichtigkeit, die Übersichtigkeit (auch Weitsichtigkeit genannt) und die Stabsichtigkeit zusammen. 

Zu früh gebündelt: Kurzsichtigkeit

Am häufigsten führt ein zu langer Augapfel zur Kurzsichtigkeit. Als weitere Ursache kommt eine zu hohe Brechkraft der Hornhaut in Frage.

Die Folge bleibt jeweils die gleiche: Trotz flacher Linse bündeln sich die Lichtstrahlen nicht auf, sondern bereits vor der Netzhaut. Es entsteht ein unscharfes, verschwommenes Bild. Das gilt aber nur für entfernte Gegenstände, etwa eine Straßenlaterne. In geringer Entfernung sehen Kurzsichtige einwandfrei.

Bei Kurzsichtigkeit verringern Brillengläser die zu hohe Brechkraft der Hornhaut um einen gewissen Betrag. Fachleute sprechen deshalb auch von Minusgläsern. Die Brechkraft dieser Gläser geben Augenärzte beispielsweise mit dem Wert „-2 Dioptrien“ an.

Mit Hilfe der Brille bündeln sich die Lichtstrahlen jetzt genau auf der Netzhaut. Der Kurzsichtige sieht mit ihr auch entfernte Objekte scharf.

Immer wieder kursieren Übungen oder Geräte in der Öffentlichkeit, mit denen sich die Kurzsichtigkeit angeblich wegtrainieren lässt und die Brille überflüssig macht. Schon vor siebzig Jahren waren sie eine Weile im Gespräch. Sie gerieten dann lange Zeit in Vergessenheit, was nicht gerade auf ihren Erfolg schließen lässt.

Das Auge bewegen sechs außen sitzende Muskeln. Sie sind dauernd in Aktion. Auch unwillkürlich und sogar während wir schlafen. Sie befinden sich also ohne zusätzliche Übungen im besten Trainingszustand.

Um die Kurzsichtigkeit zu beeinflussen, müssten diese Muskeln durch gleichzeitiges seitliches Ziehen nach außen (zum Ohr und zur Nase) den Augapfel verkürzen. Anatomisch unmöglich.

Andere wollen den Muskel entspannen, der die Linse verformt. Auch dieser Ansatz war bisher nicht erfolgreich, wie auch von Augenärzten bestätigt wird. Um die Kurzsichtigkeit zu untersuchen, geben sie den Patienten ein Medikament, das diese Muskeln entspannt. An der Fehlsichtigkeit ändert sich jedoch nichts.

Entspannungsübungen und Augenmuskeltraining beseitigen nicht die Kurzsichtigkeit. Das stellten auch Augenärzte fest, die trotz aller theoretischen Bedenken die Übungen versuchsweise bei ihren Patienten anwandten. Ähnlich erfolglos arbeiten auch die so genannten Rasterbrillen. 

Zu spät gebündelt: Weitsichtigkeit

Leidet ein Mensch unter einer Hornhaut mit zu hoher Brechkraft oder ist - viel häufiger - sein Auge zu kurz, liegt eine Über- oder auch Weitsichtigkeit vor. Dies ist das Gegenteil der Kurzsichtigkeit.

Die Folge: Die Linse bündelt die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut. Es entsteht ein unscharfes Bild.

Anders als beim kurzsichtigen Auge gelingt es der Augenlinse bis zu einem gewissen Grad, die Weitsichtigkeit auszugleichen.
Wenn sie sich verformt beziehungsweise immer weiter wölbt, erhöht sie ihre Brechkraft. Allerdings nimmt diese Fähigkeit mit dem Alter immer weiter ab.

Übersichtige Menschen sehen daher bis ins Alter in der Ferne meist gut. Für die Nahsicht wird mit den Lebensjahrzehnten eine Brille immer wahrscheinlicher.
Nur bei sehr starker Weitsichtigkeit benötigen bereits Jugendliche eine Sehhilfe.

Eine Brille korrigiert die Weitsichtigkeit, indem sie die zu geringe Brechkraft des Augengewebes erhöhen. Deshalb nennen Augenärzte diese Art der Sehhilfe auch Plusbrillen.
Ihre Brechkraft wird mit einem Pluszeichen vor den Dioptrien angegeben, zum Beispiel +2.

Auf der anderen Seite nimmt bei Übersichtigen die Lesefähigkeit früher ab. Zum Lesen muss sich die Augenlinse ebenfalls verformen. Bei Weitsichtigkeit benötigen Betroffene einen Teil dieser Fähigkeit bereits dazu, ferne Gegenstände zu erkennen. Zum Lesen bleibt nur ein geringerer Teil übrig.

Da mit zunehmendem Alter die Verformbarkeit der Augenlinse abnimmt, benötigen Übersichtige früher eine
Lesebrille als Normalsichtige.

Wenn die Arme immer länger werden: Alterssichtigkeit

Wie bereits beschrieben, lässt mit zunehmendem Alter die Fähigkeit der Augenlinse nach, sich zu verformen.
Sie stellt sich nicht mehr so gut auf die unterschiedlichen Entfernungen ein. Zunächst hilft es noch, die Zeitung weiter weg zu halten, um die Buchstaben zu erkennen.

Mit der Zeit benötigen auch normalsichtige Menschen ab etwa dem 45. Lebensjahr eine Lesebrille für die Nähe. Das wirkt sich auch für Kurzsichtige aus.

Wer zum Beispiel unter geringer Kurzsichtigkeit von -2 bis -3 Dioptrien leidet, braucht immer eine Brille, um in die Ferne zu sehen. Auch im Alter.
Anders sieht es etwa beim Lesen aus. Dann kann er die Brille abnehmen. Geringe Kurzsichtigkeit erlaubt im Alter auch das Lesen ohne Sehhilfe. 

Astigmatismus - Ellipse statt Kugel

Zusätzlich zu Kurz- oder Weitsichtigkeit besteht häufig auch ein Astigmatismus, auch Stabsichtigkeit genannt. Sie entsteht, wenn die Oberfläche der Hornhaut ungleichmäßig gekrümmt ist.

Idealerweise besitzt die Hornhaut eine gleichmäßige, halbkugelartige Form. Vorteil: Sie bildet so senkrechte und waagrechte Linien scharf ab. Eine wie eine Ellipse geformte Hornhaut schafft dies nicht. Sie verzerrt das Bild.

Einen Punkt bildet sie beispielsweise nicht als Punkt, sondern als Strich ab. Auch diese Form der Fehlsichtigkeit lässt sich mit einer Brille korrigieren.  

Ältestes Mittel gegen Fehlsichtigkeit: die Brille

Ob Kurz-, Weit-, Alterssichtigkeit oder Hornhautverkrümmung - eine Brille sorgt für den richtigen Durchblick.

Fast jeder dritte Bundesbürger trägt sie ständig. Ein gutes Viertel greift gelegentlich auf diese Sehhilfe zurück - so das Ergebnis der Allensbacher Brillenstudie 2002. Viele Brillenträger besitzen mindestens ein zweites Exemplar dieser Sehhilfe.

Der Name Brille stammt vom Halbedelstein Beryll. In Linsenform geschliffen, verwendete man ihn im Mittelalter unter dem Namen Lesestein als Lupe, um Texte zu lesen.

Obwohl die Menschen bereits in der Antike von der Brechkraft der Linsen wussten, nutzten sie diese noch nicht als Sehhilfe.
Die Möglichkeit, das Auge mit einer Linse zu unterstützen, beschrieb erstmals der arabische Mediziner Ibn el Heitham um 1000 nach Christus.

Um 1270 wurden erstmals Berylle und auch Quarze geschliffen und als Lesesteine verwendet. Zunächst aber nur zum Nahsehen bei Alterssichtigkeit. Die erste Brille tauchte wahrscheinlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Venedig auf.

Schwierigkeiten gab es vor allem mit der richtigen Befestigung. Es gab Stil-, Riemen-, Klemm-, Stirnreifen- oder Fadenbrillen. Für die Fassungen verwendete man Metall, Leder, Bein oder Horn.

1478 gab es in Nürnberg den ersten „Paryllenmacher“, Jacob Pfuhlmeier.

Den Vorläufer der heutigen Brillengestelle entwickelte 1746 der Pariser Optiker Thonin.
Er klammerte die Linsen mit Stangen an den Schläfen an.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Korrektur der Fehlsichtigkeit endgültig auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt.

1910 entwickelte die Firma Carl Zeiss erstmals punktuell abbildende Gläser. Von da an nahm die Brillentechnik einen rasanten Aufschwung.

Tönung und Spiegelung

Nicht nur die richtige Schärfe der Brillengläser spielt eine besondere Rolle. Auch andere Faktoren sorgen für gutes Sehen (und gesehen werden): das Material der Linsen, das Design, die Linsen-Struktur und Zusätze wie Tönung oder Spiegelung. In den meisten Fällen machen die Gläser mehr als die Hälfte des Preises einer Brille aus.

Nicht jede Ausführung eignet sich für alle Situationen. Ein Leistungssportler benötigt ein anderes Modell als eine Person, die im Büro arbeitet.
Modebewusste tragen oft dünne und leichte Linsen. Beim Sport leisten robuste Gläser aus Polycarbon gute Dienste.

Spezielle Tönungen schützen vor Sonnenlicht, besonders im Urlaub. Trifft Licht auf eine Glasfläche, spiegelt sie es teilweise wieder zurück. Für Brillenträger bedeutet das, dass sich Gegenstände aus der Umgebung in der eigenen Brille spiegeln. Sie sehen sie oft nur verschwommen oder wie durch einen Schleier.

Personen, die einen Brillenträger anschauen, sehen nicht seine Augen, sondern nur ihr eigenes Spiegelbild. Mit entspiegelten Gläsern passiert das nicht.

Bereits 1935 präsentierte Carl Zeiss die Entspiegelungs-Beschichtung. Je hochwertiger diese Beschichtung, desto weniger spiegelt die Brille.

Glas und Kunststoff

Normalerweise bestehen Brillengläser aus so genanntem Kronglas. Der Name stammt aus dem früher in England üblichen Produktionsverfahren, bei dem das zähflüssige heiße Glas zunächst zu einer Kugel geblasen wurde und dann beim Abflachen an den Rändern geriffelt war und so als Zwischenstufe die Form einer Krone annahm.

Mit diesem Glas lassen sich alle leichten und mittleren Fehlsichtigkeiten gut korrigieren.

In anderen Fällen verwendet man stärker brechende Spezialgläser.
Minus-Gläser für Kurzsichtige sind in der Mitte immer etwa gleich dick, nur ihre Randstärke variiert.
Bei Plus-Gläsern für Weitsichtige verändert sich dagegen immer die Mitte.

In den 60er Jahren kamen erstmals Kunststoffgläser auf den Markt. Sie besitzen die gleichen optischen Eigenschaften wie Brillenglas, wiegen aber wesentlich weniger und zerbrechen nicht, wenn sie herunterfallen.
Ihr einziger Nachteil: Ihre Oberfläche zerkratzt leichter.

Mit neuen Verfahren gelang es, ihre Oberflächen härter zu gestalten. In Bezug auf die Härte schließt sich die Lücke zwischen Kunststoff- und Glaslinsen immer weiter.

Es bleibt nur eine Brille: Zwei- und Mehrstärkengläser

Lästig wird es für viele Menschen im Alter, mit zwei Brillen zu hantieren. Sie benötigen eine für die Fern- und eine für die Nahsicht. In vielen Fällen lassen sich so genannte Mehrstärkengläser verwenden.

Beim Zweistärken- oder Bifokalglas handelt es sich um ein Brillenglas für die Ferne, das einen fast unsichtbaren Zusatzteil für die Nähe beisitzt. Die Dreistärken- oder Trifokalbrillen besitzen sogar drei verschiedene Zonen.

Ab dem 55. Lebensjahr sehen viele Menschen auch in einer Entfernung von einem halben bis einem Meter nicht mehr so gut, so dass sie ein Zwischenteil benötigen.

Die unterschiedlichen Zonen liegen so auf der Mehrstärkenbrille, dass der Blick automatisch in den Bereich fällt, den das Auge auch benötigt.

Schaut man beispielsweise auf ein entferntes Objekt, hebt man den Blick und schaut durch den oberen Teil der Brille. Beim Lesen senkt man ihn dagegen und kann in der vor einem liegenden Zeitung scharf lesen.

Nur wenn wir beim Gehen plötzlich auf ein Hindernis stoßen und nach unten schauen, etwa eine Treppenstufe, schaut man natürlich mit dem Teil der Brille, der eigentlich für die Nähe gedacht ist. Das Bild ist dann mehr oder weniger unscharf.

Viele Träger von Mehrstärkengläsern müssen sich erst an die Trennkanten der verschiedenen Sehzonen gewöhnen. Sie führen zunächst zu kleinen Bildsprüngen.
Nach kurzer Zeit haben sich die Augen jedoch daran gewöhnt und nehmen sie nicht mehr wahr.  

 

Keine Trennkanten: Gleitsichtgläser

Auch Gleitsichtgläser besitzen mehrere Sehstärken. Allerdings besitzen sie keine Trennkanten, sondern gleitende Übergänge. Deswegen die Bezeichnung „Gleitsicht“-Glas. Wie bei den klassischen Mehrstärkengläsern müssen sich die Augen an die neue Situation gewöhnen.

Außerdem entstehen am Rand unscharfe Bereiche, weil die Übergangszonen sehr eng sind. Wer also zur Seite schauen möchte, muss mit dem Kopf teilweise der Augenbewegung folgen. So bleibt man in der richtigen Sehzone der Gleitsichtgläser.

Für besondere Anforderungen, etwa spezielle Berufsgruppen, gibt es Sonderanfertigungen. Der Bereich für das Nahsehen kann dann auch oben liegen.

Kontaktlinsen: Die Tränenschwimmer

Nicht nur Brillen helfen fehlsichtigen Augen, sondern auch Kontaktlinsen.
Rund zweieinhalb Millionen Bundesbürger nutzen diese Form der Sehhilfe. Kontaktlinsen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie eine Brille.

Nur liegt die künstliche Linse diesmal nicht auf einem Gestell vor den Augen, sondern befindet sich direkt auf der Hornhaut. Sie sind quasi auf der Tränenflüssigkeit schwimmende Kunststoffschalen.

Vorteile von Kontaktlinsen
Es gibt keine Brillenfassung, die das Blickfeld einengt.

  • Je stärker das Brillenglas ist, desto weniger scharf bildet es am Rand ab. Kontaktlinsen verschaffen dagegen eine klare Rundumsicht.
  • Kontaktlinsen stören nur bei wenigen Aktivitäten.
  • Mit den Linsen lassen sich fast alle Fehlsichtigkeiten korrigieren. Auch solche mit starken Verkrümmungen der Hornhaut.
  • Kontaktlinsen sind für Außenstehende nahezu unsichtbar und verändern nicht das natürliche Aussehen.
  • Kontaktlinsen beschlagen und verstauben nicht.

Die Linsen sind trotzdem nicht jedermanns Sache. Bei vielen verursachen sie ein Fremdkörpergefühl in den Augen. Außerdem verändern sie den Tränenhaushalt, was zu einem trockenen Auge führen kann.

Zudem können verstärkt Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze auftreten. Die Linsen selbst und ihre Pflegemittel können auch zu allergischen Reaktionen am Auge führen.

Harte und weiche Typen

Der Augenarzt prüft in der Vorsorgeuntersuchung, ob Patienten überhaupt Kontaktlinsen tragen dürfen und empfiehlt den geeigneten Typ. Es gibt zwei Sorten: harte und weiche Kontaktlinsen.

Harte gibt es bereits seit 1950. Sie bestehen aus Kunststoff wie Plexiglas, Silikon oder Zelluloseacetatbutyrat.
Sie haften beziehungsweise schwimmen auf der Hornhautoberfläche und halten bis zu drei Jahren.
Ihr Durchmesser ist etwas größer als die Pupille. Gerade weil sie so klein sind, können sie leicht aus den Augen fallen.

An harte Kontaktlinsen muss sich das Auge erst eine Weile gewöhnen, da sie ein stärkeres Fremdkörpergefühl als weiche Linsen verursachen. Dafür lassen sich diese Linsen einfacher pflegen. Außerdem gelangt durch sie relativ viel Sauerstoff hindurch, was besonders der Hornhaut sehr gut tut.

Zusätzlich saugen sich harte Kontaktlinsen nicht auf der Augapfeloberfläche fest. Deswegen eignen sie sich sehr gut, um Verkrümmungen der Hornhaut auszugleichen.

Weiche Kontaktlinsen wurden Anfang der 70er Jahre entwickelt. An sie muss sich das Auge zwar nicht so lange gewöhnen und das Tragen wird in der Regel als angenehm empfunden.

Dafür gleichen diese Linsen nur relativ kleine Verkrümmungen der Hornhaut aus, weil sie nicht so gut auf der Augapfeloberfläche schwimmen wie ihre harten Konkurrenten.
Im Gegensatz zu harten Linsen erfordern die weichen eine intensivere Pflege und verschleißen schneller.  

Einmallinsen und Austauschsysteme

Es gibt verschiedene Systeme. Einige weiche Linsen haben wie die harten eine maximale Tragezeit, nach der sie ihre Träger ersetzen sollen. Einmallinsen werden nur einmal verwendet. Sie haben den Vorteil, dass sie keine gesonderten Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen benötigen.

Händewaschen vor und nach dem Einsetzen gehört aber auch hier zum Pflichtprogramm.

Austauschsysteme wechseln Benutzer nach einer vom Hersteller festgelegten Dauer. Der häufigste Zyklus dauert
30 Tage.
Es gibt aber auch Systeme für vierzehn Tage, drei oder sechs Monate. Sie müssen genauso behandelt werden wie herkömmliche weiche Linsen. Allerdings sammeln sie während der kürzeren Zeit nicht so viele Ablagerungen an.

Besondere Vorteile besitzen Kontaktlinsen beim Sport. Sie lassen sich leichter handhaben als eine Brille, die bei einigen sportlichen Aktivitäten eher stört. Skifahrer können beispielsweise auf eine Spezialbrille mit ihrer Sehstärke verzichten.

Auch viele Wassersportler wie Taucher oder Schwimmer können die Linsen mit einer klassischen Schutzbrille kombinieren. Die bei diesen Sportarten verwendeten Linsen sind größer als die sonst üblichen. Das verhindert, dass das Wasser sie leicht aus dem Auge spült.

Seit einiger Zeit gibt es auch getönte Kontaktlinsen mit UV-Schutz. Allerdings benötigen ihre Verwender in vielen Situationen trotzdem eine herkömmliche Sonnenbrille. Bei schnell wechselnder Beleuchtung, etwa bei der Autofahrt in einen Tunnel, lassen sich die getönten Linsen nicht abnehmen wie eine Brille.

Hochwertige Sonnenbrillen schützen nicht nur die Augen, sondern auch das benachbarte Gewebe wie die Augenlider vor den UV-Strahlen. Zudem schirmen sie Wind und aufgewirbelten Schmutz und Staub ab.

Operationen gegen Fehlsichtigkeit: refraktive Chirurgie

Einige Patienten möchten gerne auf jegliche Sehhilfe verzichten, also weder Brille noch Kontaktlinsen tragen. Hier kann die so genannte refraktive Chirurgie helfen. Sie verbessert die Sehkraft dauerhaft, indem sie die Form der Hornhaut verändert oder eine neue oder zusätzliche Kunststofflinse einsetzt, die den jeweiligen Sehfehler korrigiert.

Von der Möglichkeit, durch eine Augenoperation mit dem Laser die Sehleistung deutlich zu verbessern, mit der Aussicht, bei erfolgreichem Verlauf möglicherweise ganz auf eine Brille verzichten zu können, haben schon 82 Prozent der Brillenträger gehört. Diese Zahlen präsentierte das Kuratorium Gutes Sehen e.V.

Wenn das bei ihren Augen möglich wäre, würden 22 Prozent der Brillenträger so eine Laseroperation machen lassen. 57 Prozent sagen dagegen klar „Würde ich nicht machen lassen“.
Überdurchschnittlich groß ist das Interesse an einer solchen Laseroperation am Auge bei jungen Brillenträgern.

Eine Operation kommt aber nur in Frage, wenn die Fehlsichtigkeit stabil ist. Vor allem ersetzt sie nicht die Lesebrille, die man ab dem 40. Lebensjahr durch die nachlassende Verformbarkeit der Augenlinse benötigt.

Trotz hoher Genauigkeit gibt es Fälle, bei denen Brille oder Kontaktlinsen nicht völlig überflüssig werden. Möglicherweise wird eine erneute Operation nötig, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Im Fall des kurzsichtigen Auges verringern Chirurgen die Brechkraft der Hornhaut, indem sie diese verdünnen. Bei der Weitsichtigkeit passiert genau das Gegenteil. Die Krümmung der Hornhaut wird erhöht, was die Brechkraft steigert.

Um eine Verkrümmung der Hornhaut zu behandeln, geben Chirurgen einzelnen Teilen eine neue Form. Sie machen sie gleichmäßiger, so dass sich klare und nicht verzogene Bilder auf der Netzhaut abbilden.

Vor jedem Eingriff untersucht der behandelnde Augenarzt das Auge genau. Mit dem Computer bestimmt er den Brechwert des Auges und zeichnet ein exaktes Oberflächenbild der Hornhaut auf.

Ob eine Operation in Frage kommt und welche Methode sich eignet, kann nur ein Augenarzt entscheiden. Er ist auch der richtige Partner bei der Frage, wie eine Operation finanziert wird.
Denn nicht jede Krankenkasse unterstützt diese Eingriffe oder kommt gar für die gesamten Kosten auf. Diese können pro Auge bei 1 500 Euro und mehr liegen.

Es gibt folgende Methoden der refraktiven Chirurgie:

LASIK: aufgeklappte Buchdeckel

LASIK (Laser insitu Keratomileusis) lässt sich mit „Laserabtragung im Inneren des Hornhautgewebes“ übersetzen.

Bei dieser in Deutschland verbreitetsten Methode der refraktiven Chirurgie betäubt der Augenarzt zunächst das
zu operierende Auge mit Tropfen, damit der Eingriff für den Patienten schmerzfrei verläuft.
Dann trennt er mit einem speziellen Gerät eine dünne Schicht der Hornhaut ab und klappt ihn wie einen Buchdeckel nach oben. Ein Laser bearbeitet die tiefer liegenden Hornhautschichten.

Bei Kurzsichtigkeit verdünnt er die zentrale Hornhaut. Bei Weitsichtigkeit trägt er ringförmig außen liegende Teile ab. Anschließend klappt der Operateur den Hornhaut-Buchdeckel wieder zurück.
Der Eingriff dauert in der Regel nicht länger als fünfzehn Minuten, hinterlässt keine Narben und erfolgt in örtlicher Betäubung mit Tropfen.

LASIK eignet sich für Kurzsichtigkeit bis maximal -12 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis +6 Dioptrien und Hornhautverkrümmungen von maximal -3 Dioptrien.

Laut des Verbands für Spezialkliniken für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V. haben sich allein im Jahr 2002 rund 100 000 Bundesbürger mit dem LASIK-Verfahren operieren lassen.

PRK: ohne aufgeklappte Buchdeckel

Die seit 1989 angewendete PRK (Photorefraktive Keratektomie) unterscheidet sich wesentlich von der LASIK.

Es wird keine Hornhautschicht geschnitten und (wie ein Buchdeckel) zurückgeklappt. Es wird nur die oberste
Schicht - das so genannte Epithel - entfernt und
anschließend die Laserbehandlung durchgeführt.

Sie eignet sich für Kurzsichtigkeit von -1 bis -6 Dioptrien und Weitsichtigkeit bis maximal +4 Dioptrien. Eine Hornhautverkrümmung korrigiert sie bis zu -2 Dioptrien.

Ein wichtiger Nachteil sind die starken Schmerzen nach der Operation.

LASEK: dünner Buchdeckel

Eine Kombination aus LASIK und PRK bildet das
LASEK-Verfahren (Laser Epithelial Keratomileusis). Auch hier trägt ein Laser Hornhaut ab, um eine höhere Sehschärfe zu erreichen.

Anders als bei der LASIK-Methode klappt der Operateur nur die oberste Schicht - das Epithel - der Hornhaut wie einen Buchdeckel hoch.
Es muß hierbei jedoch nicht geschnitten werden. Anschließend klappt der Chirurg den Deckel wieder zurück.

Die Patienten tragen für einige Tage eine therapeutische Kontaktlinse, um die natürliche Heilung zu fördern.

Der Korrekturbereich der LASEK liegt ähnlich wie der Bereich der PRK. Das Verfahren bietet sich besonders für Patienten an, deren Hornhaut für einen LASIK-Eingriff nicht die erforderliche Dicke aufweist.

Eine Weiterentwicklung der LASEK stellt die Epi-LASIK dar, bei der das Epithel mit einem speziellen Hobel abgetragen wird.

Im Vergleich der drei Verfahren lässt sich sagen: LASIK führt zu geringeren Schmerzen über einen kürzeren Zeitraum als LASEK.
Beide Verfahren vertragen die Patienten aber besser als die PRK. Das gleiche gilt für das Sehvermögen: Es erholt sich bei der LASIK besonders schnell.  

Hornhautring: Die Zwiebel nutzen

Beim so genannten Hornhautring reicht ebenfalls eine örtliche Betäubung aus. Er behebt nur eine Kurzsichtigkeit bis -4 Dioptrien.
Die Methode macht sich zu Nutze, dass die undurchblutete Hornhaut aus Schichten besteht, ähnlich wie eine Zwiebel.

Ein spezielles Gerät, das wie ein Korkenzieher funktioniert, bohrt zwei halbkreisförmige Löcher zwischen zwei Schichten.
In diese setzt der Chirurg zwei durchsichtige Halbringe aus Kunststoff ein. Sie heben die Hornhaut im äußeren Bereich nach oben, ihre Mitte flacht sich ab. Die Brechkraft ändert sich. Anschließend vernäht der Augenarzt die beiden Löcher.

Vorteil dieser Methode: Bei Bedarf lassen sich die Ringe wieder entfernen. Eine Laserbehandlung lässt sich
dagegen nicht rückgängig machen. Nachteil: Die Ringe beheben nur geringe Kurzsichtigkeit.

Es liegen noch keine Langzeitergebnisse vor. Und ein nah stehender Betrachter sieht die Kunststoffringe.

Künstliche Linsen: auch bei starker Fehlsichtigkeit

Die Methode der künstlichen Linsen eignet sich nur für Patienten, die für LASIK oder die PRK nicht in Frage kommen.

Sie wenden Augenärzte auch bei starker Kurzsichtigkeit von -10 bis -20 Dioptrien und bei Weitsichtigkeit von +4 bis +8 Dioptrien an.

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von künstlichen Linsen: Hinterkammer- und Vorderkammerlinsen.

Die künstliche Linse der Hinterkammer setzen Augenärzte, wie der Name schon sagt, in die Hinterkammer des Augapfels ein. Die körpereigene Linse behält ihre Fähigkeit, sie auf nahe liegende Objekte scharf zu stellen.

Die Vorderkammerlinse setzten Operateure zwischen der Hornhaut und der Iris ein. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Die Linse wird mit kleinen Bügeln abgestützt oder an der Regenbogenhaut (Iris) festgeklemmt.
Die Operation erfolgt meist in Vollnarkose und dauert in der Regel nicht länger als zwanzig Minuten.

Brillen, Kontaktlinsen und refraktive Chirurgie lösen nicht jedes Sehproblem. Sie können nichts ausrichten gegen Funktionsausfälle, die im Bereich des Sehnerven oder der Netzhaut entstehen.
Zerstörte Sinneszellen und Sehnervenfasern vermag kein Medikament und keine Operation wieder herzustellen.

Trotz der großen Fortschritte in der Augenheilkunde sind auch ihr leider Grenzen gesetzt. Dennoch kann der Augenarzt den Betroffenen mit speziellen optischen Hilfsmitteln das Schicksal erleichtern.

Jenseits von Brille und Operationen

Sehr schwer fehlsichtigen Patienten helfen herkömmliche Sehhilfen und Operationen nicht weiter. Sie benötigen andere Hilfsmittel.

Lupe & Co - jenseits von Sherlock Holmes

Eine Vergrößerung von Buchstaben oder dem Fernsehbild nutzt besonders Personen, die unter einer herabgesetzten zentralen Sehschärfe leiden. Je geringer sie ist, desto stärker muss die Vergrößerung sein.

Eine verstärkte Lesebrille vergrößert bis auf das Doppelte. Handlupen erlauben höhere Vergrößerungsgrade, jedoch lässt sich eine Zeitungsspalte nur bis zu einem Faktor von 4 noch überblicken.

Als zusätzliche Hilfsmittel bieten sich kleine Taschenlupen, oft mit batteriebetriebenen Leuchten an, etwa um Kontoauszüge lesen zu können. Auch Lupen in Brillenfassungen oder Fernrohr-Lupenbrillen rücken Objekte näher heran.

Bildschirm-Lesegerät: Hilfe per Kamera

Wenn diese Mittel nicht weiterhelfen, bieten sich Bildschirm-Lesegeräte an. Sie geben einen Text, den eine Kamera aufnimmt, in bis zu 60facher Vergrößerung wieder.

Nicht jeder Patient kommt mit ihnen klar. Sie müssen sich nicht nur an die Technik gewöhnen. Auch die starke Vergrößerung und die kleinen Zeilenabschnitte erfordern eine hohe Konzentration.

Zusammenfassung

Ob kurz- oder weitsichtig - es gibt viele Möglichkeiten, unseren Augen wieder zu einer scharfen Sicht zu verhelfen. Bereits seit dem Mittelalter gibt es Brillen.

Moderne Mehrstärken- und Gleichsichtgläser korrigieren sogar mehrere Sehfehler mit einer einzigen Brille.

Bereits seit 1950 gibt es Kontaktlinsen auf dem Markt. Sie arbeiten im Prinzip wie eine Brille, nur schwimmen diese Linsen direkt auf der Hornhaut.

Einen Boom erlebte in den letzten Jahren die refraktive Chirurgie. Sie umfasst operative Methoden, welche die Fehlsichtigkeit auf Dauer beseitigen. Meistens lasert der Chirurg einen Teil der Hornhaut weg und verändert so ihre Brechkraft.

Die refraktive Chirurgie eignet sich jedoch nicht für alle Patienten und muss in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Für Patienten, die unter besonders starker Fehlsichtigkeit leiden oder solchen, die sich nicht für eine Laserbehandlung eignen, können refraktive Linsen in das Auge implantiert werden.

Ist die Sehschärfe aufgrund von Makulaerkrankungen sehr stark reduziert, bieten sich spezielle Lupen oder Bildschirmlesegeräte an.


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