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RATGEBER - Sex & Körper

Sex im Wandel des Lebens

Grundsätzlich ist es Frauen und Männern immer möglich, einen normalen Geschlechtsverkehr und eine beglückende Sexualität zu erleben. Es kommt zwar im Laufe der Jahre zu körperlichen Veränderungen der Geschlechtsorgane, die genitalen Reaktionen sind verzögert, aber sie erlöschen keineswegs.

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Bei Frauen

Die wirklich gute Botschaft zuerst: Sie können in jedem Alter – egal ob als junges Mädchen oder als gesunde Siebzigjährige – einen schönen Sex haben. Die Lust ist immer da, und die Möglichkeit zum Orgasmus auch. Oft wird sogar berichtet, dass für Frauen ab dem 65. Lebensjahr die Sexualität am besten ist: Die Kinder sind aus dem Haus, und die Partner haben endlich Zeit und Ruhe für einander.

Durch den Östrogenmangel produziert die Scheide weniger Gleitflüssigkeit als in jungen Jahren. Zudem verzögert sich das Feuchtwerden der Scheide bei sexueller Erregung. Das ist an und für sich nicht problematisch. Wichtig ist nur, dass Sie das wissen und sich darauf einstellen: Anstatt eines spontanen Feuchtwerdens, wie es in jungen Jahren schnell durch einen sexuellen Reiz ausgelöst werden kann, können jetzt zwei bis drei Minuten vergehen. Falls die Scheide auch nach einiger Zeit der Stimulation nicht richtig feucht und schlüpfrig werden sollte, können Sie sich einfach mit einer vaginalen Gleitcreme helfen. Diese erhalten Sie in der Apotheke. Fragen Sie dort einfach nach einem Produkt für eine trockene Scheide, oder verlangen Sie direkt eine Gleitcreme. Die Creme müssen Sie sich übrigens nicht versteckt und verschämt vor dem Verkehr selbst einführen, sondern Sie können die Handlung in Ihr Vorspiel einbauen. Zeigen Sie doch Ihrem Partner, auf welche Weise er die Lustcreme am wirkungsvollsten auftragen kann.

Mit dem Beginn der Wechseljahre verändert sich insbesondere durch den Östrogenmangel die Vaginalhaut. Sie bildet sich zurück, wird dünn und empfindlich. Die Konsequenz aus dieser Veränderung: Der Geschlechtsverkehr kann anfänglich schmerzhaft sein. Wenn der Mann zu ungestüm eindringt oder zu früh eindringt, kann die Vaginalhaut sogar einreißen. Bitten Sie Ihren Gynäkologe oder Ihre Hausärztin, Ihnen für die Scheide eine östrogenhaltige Salbe (oder Zäpfchen) zu verschreiben. Durch das Östrogen, das kaum ins Blut gelangt, wird das Vaginalgewebe wieder voller und elastischer. Eine einwöchige Behandlungsdauer pro Quartal ist in der Regel ausreichend.

Die Scheide beginnt zu schrumpfen. Sie wird kürzer, dünner und verliert an Elastizität. Das klingt nicht schön. Wenn sich diese Veränderung lustfeindlich auswirkt, ist eine kurzzeitige Hormonbehandlung zu überlegen. Wichtig ist es auch spätestens jetzt, dass Sie anfangen, Ihre Vaginalmuskulatur zu trainieren. Machen Sie bei jeder Gelegenheit Übungen: Setzen Sie sich dazu aufrecht hin, die Füße auf dem Boden, die Beine leicht gespreizt. Jetzt kneifen Sie die Muskulatur zwischen Ihren Beinen zusammen. Anfangs werden Sie hauptsächlich die Po- und Oberschenkelmuskeln anspannen. Die richtige Muskulatur haben Sie dann erwischt, wenn Sie das Gefühl haben, mit den Schamlippen zu „blinzeln“. Sie spüren den Muskel auch dann, wenn Sie auf der Toilette den Wasserstrahl unterbrechen. Üben Sie das ein paar Mal. Genau der Muskel muss trainiert werden. Machen Sie so oft es geht folgende Übung: Stellen Sie sich vor, ein Aufzug würde die Scheide hochfahren und an mehreren Stockwerken halten. Mit jedem Halt spannen Sie die Muskulatur etwas höher zusammen. Anfangs wird Ihnen vielleicht nur ein „Zwischenhalt“ gelingen, später können Sie mit fünf oder sechs Stopps nach oben „fahren“. Üben Sie auch im Stehen, während Sie an der Kasse oder an der Bushaltestelle warten. Verschränken Sie die Beine, halten Sie Po- und Oberschenkelmuskulatur gespannt und dann ziehen Sie den Afterschließmuskel und die Scheidenmuskulatur zusammen. Das fühlt sich so an, als ob Sie innerlich mit dem Becken nach vorne wippen. Aber keine Sorge: Von außen ist die Bewegung nicht sichtbar.

Insbesondere nach einem länger anhaltenden Geschlechtsverkehr kann es in den ersten Stunden danach zu einem Nachtröpfeln beim Wasserlassen kommen. Ursache: Die stoßenden Bewegungen des Penis reizen die Harnröhre und Harnblase mechanisch. Die rückgebildete Scheide kann den mechanischen Reiz nicht mehr so gut abfedern. Diese Reaktion ist jedoch vollkommen normal und braucht keiner Frau peinlich zu sein. Durch die oben erwähnte Vaginalcreme sowie durch sanftere Stellungen, bei denen die Frau vielleicht oben sitzt und die Heftigkeit des Stoßes selbst bestimmt, kann das ungewollte „Feuchtwerden danach“ verhindert werden.

Die meisten sexuellen Probleme von Frauen entstehen als Folge der schwindenden Bereitschaft des Mannes. Ältere Frauen neigen dann eher dazu, ihre sexuellen Bedürfnisse zu verleugnen, als sich selbst zu befriedigen. Wenn Sie Lust auf Sex haben, dann stehen Sie dazu. Jeder Mensch hat diese Bedürfnisse! Und falls der Partner nicht mitmacht oder wenn Sie alleine sind, dann machen Sie es sich doch selbst schön.

Bei Männern

Die Art, wie die Erregung verläuft, ändert sich mit zunehmendem Lebensalter: Die Erregung wird langsam immer intensiver (wie das ja auch bei Frauen der Fall ist) und bleibt für längere Zeit auf einem gleichbleibend hohem Plateau bestehen. Von diesem Plateau aus kommt es dann nochmals zu einem kleinen Kick, wenn der Orgasmus eintritt. Die Erregung selbst wird also satter, voller, intensiver. Der Preis für den Lustgewinn ist allerdings, dass das „Beschleunigungsvermögen sinkt“, wie es im Autojargon hieße. Beim älteren Sportwagen würde man sagen, er ist „weniger spritzig“ als früher. Auch ein Mann braucht mit den Jahren im Allgemeinen eine längere und direktere Stimulation, um zu einer ausgeprägten Erektion zu kommen. Die Zeit bis zum Orgasmus verlängert sich dadurch automatisch. Dies ist meist mit einem Lustgewinn für die Partnerin verbunden. Wollte man noch einmal den Vergleich mit dem Autofahren heranziehen, dann steigt der Mann mit dem Älterwerden vom spritzigen Porsche auf einen gemächlicheren aber ebenso leistungsstarken Rolls Royce um. Probleme entstehen vor allem dann, wenn man den Rolls Royce genauso schnell wie den Porsche beschleunigen will.

Nach einem Orgasmus braucht ein Mann im Alter eine längere Erholungszeit als in früheren Jahren. „He’s two feet long, hard as steel, and can go all night“ – diesen Maßstab spielen vielleicht Pornodarsteller vor, er entspricht aber nicht der Realität.

Erektions- und Ejakulationsschwierigkeiten können tatsächlich zunehmen. Im Allgemeinen wird angenommen, dass dies die Folge des kontinuierlich sinkenden Testosteronspiegels ist. Vor allem zeichnen sich folgende sexuelle Probleme ab: Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen, Unfähigkeit, die Erektion zu bewahren, verzögerter Orgasmus und vor allem auch Versagensängste. Neu ist aber folgende Erkenntnis: Eine Erektionsschwäche kann ein Frühwarnzeichen für eine Gefäßverkalkung oder einen Diabetes sein. Gehen Sie also zu Ihrem Hausarzt und lassen Sie Ihre Gefäße, Ihr Herz und Ihre Blutwerte checken.

Probleme im Bett können immer auch Ausdruck der eigenen Haltung gegenüber der Sexualität sein. Wer Sexualität aufgrund seiner Erziehung oder von schlechten Erfahrungen ablehnt, wird vielleicht die Gelegenheit gerne ergreifen, mit dem Älterwerden damit aufzuhören. Und wer in jungen Jahren gerne und häufig Sex hatte, hat auch im Alter weniger Probleme damit. Warum? Wem Sex einfach Spaß macht, der wird eine kleine Schwäche auch spielerisch in eine Stärke umwandeln. Wer sagt denn, dass Lust nur mit dem ständig erigierten Penis zu erreichen ist? Sexualität ist das, was wir daraus machen. Sie bleibt ein Leben lang erhalten, solange wir sie nicht unterdrücken.


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