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ADHS: Hilfe für den "Zappelphilipp" 
Die Lehrerin der Zweitklässler ist verzweifelt. Wieder legt sich Max unter den Tisch und zeichnet, anstatt am Unterricht teilzunehmen.

Während sie ihm gut zuredet, stacheln die anderen Kinder Annabella an, die prompt „explodiert“ und anfängt wie von Sinnen zu brüllen und auf die Piesacker loszugehen.

Fast entsteht eine Schlägerei. Die Klasse hat ihren Spaß.
Als die Lehrerin dann später die Hausaufgabe des kleinen Jani kritisiert, springt der Junge auf und zerreist vor den Augen aller sein Schreibheft. Das hatte noch niemand vor ihm gewagt. Jetzt wartet die Klasse mucksmäuschenstill auf die Reaktion der Lehrerin. Diese weiß nicht mehr, wie sie reagieren soll und nimmt Jani mit zum Direktor.

Dieses impulsive, unruhige und unkonzentrierte Verhalten von Max, Annabella und Jani wird als ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) bezeichnet.

Ein solches Kind heißt umgangssprachlich „Zappelphilipp“. Ein bis drei betroffene Kinder pro Grundschulklasse sind keine Seltenheit.

Die Anzeichen für dieses Beschwerdebild sind dabei recht unterschiedlich: Sprunghaftigkeit, ständig in Bewegung sein, zwanghaftes Reden ohne Pause, Mangel an Konzentration, ständiges Abgelenktsein, fehlende Ausdauer, auf zwanzig Hochzeiten gleichzeitig tanzen, nichts zu Ende bringen, verträumt sein (vor allem bei Mädchen) und jeden Termin verpassen.

Nach dem Eindruck von vielen Lehrern und Schulleitern ist in den letzten zehn Jahren die Anzahl der Kinder, die sich schwer konzentrieren können, kaum mehr Respekt vor den Lehrern haben und nicht in die Klassengemeinschaft zu integrieren sind, stark angestiegen. Studien in den USA belegen: Bis zu zehn Prozent aller Kinder sind von ADHS betroffen. Tendenz steigend.

Die Eltern solcher Kinder werden dann meist von den Lehren zu einem Gespräch gebeten, mit dem Hinweis, es einmal mit einer fachlichen Beratung zu versuchen. Diese geht so aus, dass bei den Kindern ein ADHS-Syndrom diagnostiziert und Methylphenidat (Handelsnamen: Ritalin®, Medikinet®, Equasym®, Concerta®) verschrieben wird.

Nach anfänglicher Skepsis sind Eltern und Lehrer meist zufrieden. Das Kind wird nicht mehr gehänselt und bekommt wieder einen Fuß in die Klassengemeinschaft.

Zurück bleibt aber oft die Ungewissheit, ob eine Dauertherapie mit Methylphenidat wirklich das Beste für das Kind ist und ob es nicht auch Alternativen gibt. Und vor allem, was es mit diesem ADHS eigentlich auf sich hat?
Autor(en): Beatrice Wagner; Stand: 06.03.2005

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