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Bei anhaltenden Riechstörungen zum Arzt

photocase.com © photocase.com

Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland leidet unter einem eingeschränkten Geruchssinn. Meist stecken hinter diesen oft vorübergehenden Störungen vergleichsweise harmlose Ursachen, ein Infekt der Nase oder Nasennebenhöhlen. Riechstörungen können aber auch Frühsymptome von degenerativen Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson oder Alzheimer-Demenz sein. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene daher dringend einen HNO-Arzt aufsuchen, rät ein Experte im Vorfeld der 83. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC). Auf einer Pressekonferenz am 15. Mai 2012 in Mainz berichtet er über Ursachen, Folgen und Therapien bei Riechstörungen und Riechverlust.

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Viele Störungen des Geruchssinns heilen ohne ärztliches Zutun spontan wieder aus. Dies hängt damit zusammen, dass sich die menschlichen Riechsinneszellen permanent erneuern. So verschwinden 60 Prozent aller Riechstörungen, die in Folge eines Virusinfektes eingetreten sind, von allein. „Patienten mit lang anhaltenden Beschwerden sollten sich jedoch einem Test beim HNO-Arzt unterziehen“, sagt Professor Karl Hörmann, Ehrenpräsident der 83. Jahresversammlung der DGHNO KHC. „Ein Kurztest mit zwölf Düften („Sniffin’ Sticks“), der nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, kann klären, ob eine Riechstörung vorliegt.“

Ist die Ursache für das Riechdefizit eine Erkrankung der Nase oder Nasennebenhöhle, muss der Arzt meist medikamentös oder operativ therapieren: Entzündungen etwa klingen durch die Anwendung von Kortikosteroiden oder Antibiotika wieder ab. Verstopft ein allergischer Schnupfen die Nase und stört damit die Riechfunktion, raten HNO-Spezialisten zu einem entzündungshemmenden Nasenspray. Sofern der Patient aufgrund anatomischer Fehlstellungen über eine schlechte Atmung und Geruchsaufnahme verfügt, helfen operative Maßnahmen wie die Begradigung der Nasenscheidewand oder eine Verkleinerung der Nasenmuscheln. Gelegentlich führen Infekte der oberen Atemwege jedoch auch zu einem dauerhaften Verlust des Riechvermögens – ebenso wie Schädel-Hirn-Verletzungen.

„Sofern diese Möglichkeiten jedoch ausgeschlossen werden können, müssen wir bei länger anhaltenden Riechstörungen auch degenerative Erkrankungen des Nervensystems wie Parkinson oder Alzheimer in Betracht ziehen“, erläutert Hörmann, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik des Klinikums Mannheim. „Denn Riechdefizite sind ein wichtiges Frühsymptom für Parkinson oder Alzheimer-Demenz: Über 95 Prozent der Parkinson-Patienten leiden unter olfaktorischen Störungen.“ Dabei treten die Riechstörungen lange vor typischen motorischen Auffälligkeiten wie Zittern oder verlangsamtem Gehen auf – Experten gehen inzwischen von einem Vorlauf von vier bis sechs Jahren aus. „Wir sprechen hier von einem so genannten Leitsymptom, das zur Diagnosefindung beiträgt.“

Die Bedeutung des Geruchssinns werde immer noch zu sehr unterschätzt, bedauert Boris A. Stuck, Geschäftsführender Oberarzt der Universitäts-HNO-Klinik des Klinikums Mannheim. Denn die Folgen dieses Sinnesverlustes können sehr weitreichend sein: „Im Alltag ist der Geruchssinn überaus bedeutsam. Er ist ein Warnsignal für verdorbene Speisen, Gefahrenstoffe oder bei Brand. Darüber hinaus ist er wichtig für Kontrolle der eigenen Körperhygiene, für die soziale Kommunikation sowie Grundvoraussetzung mancher Berufe wie Koch, Parfümeur oder im chemischen Bereich“, so Stuck. In einer Pressekonferenz am 15. Mai 2012 informiert Professor Hörmann darüber, wie Riechstörungen erkannt, behandelt und wie ihnen vorgebeugt werden kann.

Autor: Pressestelle der 83. Jahresversammlung der DGHNO KHC (stand: 04.05.2012)

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