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Geburtsangst verlängert Wehen

photocase.de (doso) © photocase.de (doso)

Empfindet eine schwangere Frau Angst vor der Entbindung, beeinflusst dies wesentlich das Geschehen im Kreißsaal. Der Geburtsvorgang dauert bei ihr oft länger und medizinische Interventionen sind häufiger, berichten Forscher im Fachblatt "BJOG". "Geburtsängste von Schwangeren haben zugenommen - obwohl sich Hygiene, Ernährung und medizinische Versorgung enorm weiterentwickelt haben", sagt die Hebamme und Diplom- Pädagogin Lioba Zeine.

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Ängstliche brauchen länger

Die Wissenschaftler der Universität Oslo testeten 2.206 Schwangere in der 32. Woche mit einer Ängste-Skala. Untersucht wurden nur Frauen, die nach Möglichkeit natürlich entbinden wollten, wobei die Hälfte Erstgebärende waren. Der Vergleich zeigte: Bei ängstlichen Müttern - sie machen laut den Forschern fünf bis 20 Prozent der Schwangeren aus - dauert die Geburt ab drei Zentimeter Muttermund-Öffnung anderthalb Stunden länger als bei Zuversichtlichen. Zudem sind Einleitungen, Geburtswerkzeuge oder eine Not-Sectio im Vergleich öfter nötig.

Immerhin schafften 89 Prozent der Ängstlichen und 93 Prozent der Kontrollgruppe eine Vaginalgeburt, 25 bzw. 44 Prozent sogar ohne jegliche Eingriffe. Studienleiterin Samantha Salvesen Adams sieht die Ergebnisse als "Puzzlestück des Grenzgebietes zwischen Psychologie und Gynäkologie": "Es geht hier nicht um die Persönlichkeit der werdenden Mutter, sondern um die Ärzte und Hebammen. Es ist gut, wenn sie über Ängste der Frauen Bescheid wissen und darauf eingehen können."

Kindsgesundheit ist Angst Nr. 1

"Eine längere Geburt ist nicht zwangsläufig problematischer als eine kurze, wenngleich der Druck auf medizinische Eingriffe steigt. Die Ergebnisse sind dennoch ein Hilferuf: Schwangere brauchen mehr psychosoziale Unterstützung", kommentiert Zeine. Studien zeigen, dass die Angst der Schwangeren meist dem Kind gilt. "60 Prozent befürchten eine gesundheitliche Beeinträchtigung oder Missbildung. An zweiter Stelle liegt Angst vor dem Geburtsschmerz, dahinter vor Ungewissheit, Alleinsein, Kontrollverlust oder Kraftlosigkeit."

Die Geburtserfahrung ist in unserem Kulturkreis selten positiv besetzt und Berichte darüber oft negativ aufgebauscht, analysiert Zeine die Hintergründe. Zudem schafft auch die Schwangerenvorsorge nur selten ein lockeres Verhältnis zur Geburt, da der Fokus auf der Gesundheit des Kindes liegt. Daneben sieht die Expertin eine "bedenkliche" Technologisierung und Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt. "Man sieht Geburt heute als potenziell nicht funktionierend statt als natürlichen Prozess. Dabei zielt die Natur nicht auf die Vernichtung, sondern auf das Überleben von Mutter und Kind ab."

Schattenseite der Diagnostik

Als Problem sieht Zeine auch das Überborden der Pränataldiagnostik. "Sie erzeugt die Illusion des 'gesunden Kindes' und lässt glauben, man könne auf 'Nummer Sicher' gehen. Vieles was erkennbar ist, ist jedoch nicht behandelbar." Damit wachse der Druck auf Schwangere und führe manchmal zu wenig reflektierten Entscheidungen. Etwa bei chromosomalen Auffälligkeiten brechen neun von zehn Frauen die Schwangerschaft ab. "Wir können immer weniger mit Krankheit umgehen. Das zeigt sich etwa, wenn Frauen, die trotz Abnormalitäten die Geburt wagen, Kommentare wie 'Muss so was heute noch sein?' zu hören bekommen."

Für den Umgang mit Geburtsängsten rät Zeine den Schwangeren, sich dieser zunächst bewusst zu werden und Informationen einzuholen - etwa, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Befürchtete eintritt oder wie man im Fall des Falles damit leben könnte. Schließlich gelingt ein Abbauen auch dadurch, wenn man konkrete Vorkehrungen trifft.

Autor: pressetext.de; Johannes Pernsteiner (Stand: 10.07.2012)

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