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Tourette: Tics erstmals künstlich hervorgerufen

photocase (tac6) © photocase (tac6)

Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben bei gesunden Freiwilligen die Tics hervorgerufen, unter denen Patienten mit Tourette-Syndrom leiden. Dieses Experiment soll helfen neuen Behandlungsansätze zu finden. Die Forscher nahmen an, dass eine Art von Tic, die sogenannten Echophänomene, durch eine Überreizung des supplementär-motorischen Areals (SMA) hervorgerufen wird. Diese Gehirnregion spielt beim Auslösen von Bewegungen eine Rolle. Zu den Echophänomenen gehört das Nachahmen der Bewegungen anderer Menschen.

Magnetimpulse auf Kopfhaut

Für die weitere Erforschung setzte das Team um die leitende Wissenschaftlerin Jennifer Finis ein nichtinvasives Verfahren, die sogenannte repetitive transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) ein. Dabei werden kurze aber starke magnetische Impulse auf die Kopfhaut abgegeben. Durch die Veränderung der Frequenz der rTMS konnte durch Stimulation das SMA entweder blockiert oder aktiviert werden. 30 Sekunden vor und nach der rTMS wurden 30 Freiwilligen Videos einer Person gezeigt, die eine spontane Bewegung macht.

Jene, deren SMA aktiviert worden war, imitierten das gezeigte Verhalten mit einer dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit als jene mit der Blockierung. Laut Peter Enticott von der Monash Universtiy, einer der Autoren der Studie, ist dieser Mechanismus nicht nur für Echophänomenen verantwortlich, sondern auch für andere Tics von Patienten mit Tourette-Syndrom. Neue Studien haben laut einem Bericht des New Scientist zudem Spiegelneuronen im supplementär-motorischen Areal des Menschen nachgewiesen.

Einfluss von Spiegelneuronen

Spiegelneuronen werden aktiv, wenn wir andere bei Handlungen beobachten. Es stellt sich daher die Frage, ob diese Spiegelneuronen auch bei dem jetzt durchgeführten Experiment eine Rolle gespielt haben. Marcel Brass von der Universität Gent, ein Experte für Echophänomene, hält das für durchaus möglich. "Die SMA ist aber auch mit der inneren Kontrolle von Handlungen in Zusammenhang gebracht worden. Das bedeutet, dass eine Beeinflussung dieser Gehirnregion die Teilnehmer empfänglicher für Echophänomene machen könnte."

Matthias Wittfoth von der Medizinischen Hochschule Hannover sieht diese Studienergebnisse als einen wichtigen ersten Schritt zum Verständnis der Symptome dieser Krankheit. Er rät bei der Interpretation der Ergebnisse jedoch zur Vorsicht. Wittfoth gibt zu bedenken, dass für diese Studie keine computergestützte Technologie eingesetzt wurde, um die Signale der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) direkt im supplementär-motorischen Areal zu positionieren.

"Wir können daher nicht sicher sein, ob bei jedem Teilnehmer genau der gleiche Bereich des Gehirns stimuliert wurde." Zusätzlich seien nur sieben der 30 Teilnehmer Männer gewesen. "Das Tourette-Syndrom tritt jedoch viel häufiger bei Männern auf und diesem Umstand wird durch die Zusammensetzung der Teilnehmer nicht Rechnung getragen." Details der Studie wurden in dem Fachmagazin Cortex veröffentlicht.

Autor: pressetext.de; Michaela Monschein (Stand: 30.10.2012)

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