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DGIIN: Notaufnahmen an Belastungsgrenze

pixabay / OrnaW © pixabay / OrnaW

Berlin, Dezember 2020 – Rund 4 800 Intensivbetten sind aktuell mit COVID-19-Patienten belegt, Tendenz noch immer steigend. Die Lage in den Kliniken und insbesondere in den Notaufnahmen ist sehr angespannt – darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hin. Denn neben den Intensivstationen sind auch die Notaufnahmen durch Pandemie und Personalmangel stark gefordert. Auch sei derzeit keine Abnahme der nicht an COVID-19 erkrankten Notfälle spürbar, wie sie während der ersten Welle im Frühjahr noch zu beobachten gewesen sei. Aus Sicht der DGIIN komme es deshalb darauf an, insbesondere auch die Personalsituation der Notaufnahmen bei der Bewertung der Kapazitäten der Kliniken mit in den Blick zu nehmen.

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Die Zahl der COVID-19-Intensivpatienten ist ein häufig genannter Parameter, wenn es um die Beschreibung der Corona-Situation in den Krankenhäusern geht. „Sie ist jedoch nur einer der Faktoren, die die tatsächliche Lage vor Ort widerspiegeln“, sagt Professor Dr. med. Hans-Jörg Busch von der Sektion Akut- und Notfallmedizin der DGIIN. Neben den Intensivstationen arbeiten insbesondere auch die Notaufnahmen derzeit an der Belastungsgrenze. „Durch dieses Nadelöhr kommen die meisten COVID-19-Patienten und auch viele andere Patienten in die Klinik“, erklärt Busch, der auch Ärztlicher Leiter des Universitäts-Notfallzentrums (UNZ) an der Universitätsklinik Freiburg ist.

Die Arbeit in der Notaufnahme gestalte sich dabei aus mehreren Gründen zunehmend schwierig: Während der Pandemie müssen dort deutlich mehr isolationspflichtige Patienten versorgt werden, was einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand pro Patient bedeutet. Hinzu kommen Änderungen der Patientenwege von der Aufnahme in die Klinik: „Kritisch kranke Patienten werden derzeit oft in die Notaufnahme eingewiesen, bis ihr COVID-19-Status geklärt ist. Dort verweilen Sie isoliert, bis das Testergebnis da ist. „Das belastet die Notaufnahmen derzeit zusätzlich“, sagt Professor Dr. med. Guido Michels, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler.

Immer häufiger kommt es außerdem zu einem Rückstau bei der Verlegung auf die Normalstationen und Intensivstationen, weil dort zu wenige Betten oder zu wenig Personal zur Verfügung stehen, um die Patienten aus der Notaufnahme stationär aufzunehmen. „Auch dieser so genannte Exit-Block belastet die Notaufnahmen während der aktuellen Corona-Pandemie massiv. Häufig bleibt das jedoch weitgehend unbemerkt, wenn nur auf die Zahl freier Intensivbetten geblickt wird“, sagt Busch.

Während des ersten Lockdowns war die Gesamtzahl der Patienten in den Notaufnahmen vorübergehend deutlich abgesunken, weil weniger Nicht-COVID-19-Fälle in die Notaufnahme und in die Klinik kamen. „Zugleich hat die Schwere der Krankheitsfälle insgesamt und damit die Versorgungsintensität jedoch zugenommen“, sagt Michels. Von einer Entlastung der Notaufnahmen habe daher keine Rede sein können.

Die Gründe für den vorübergehenden Rückgang sind noch nicht vollständig geklärt. Wie im Sommer publizierte Auswertungen von Klinikdaten zeigen, blieben eher jüngere als ältere Patienten aus, auch war der Rückgang bei Verletzungen deutlicher als bei nicht-traumatischen Diagnosen. „Das lässt den Schluss zu, dass es durch das veränderte Freizeitverhalten tatsächlich zu weniger Verletzungen – etwa im Sportbereich – gekommen ist“, sagt der Notfallmediziner Busch. Gleichzeitig seien vorübergehend aber auch weniger Patienten mit Herzinfarkten oder Schlaganfällen in die Notaufnahmen gekommen, was sicherlich nur zum Teil mit einem gesunkenen Aufkommen, zum Teil aber auch mit falsch verstandener Vorsicht zu erklären sei. Ein ähnliches Absinken der Patientenzahlen sei im aktuellen Lockdown bislang nicht zu verzeichnen – „womöglich ist die Botschaft, dass wichtige medizinische Behandlungen auch in Corona-Zeiten nicht aufgeschoben werden sollten, inzwischen doch angekommen.“

Autor: Wissen-Gesundheit Redaktion

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