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Krebszellen mit Hightech ausschalten

Jena - Einem Forscherteam der Universität Jena ist es gelungen, einen wichtigen Schritt in Richtung maßgeschneiderte Krebstherapie zu setzen: Dabei soll ein Medikament zielgenau in Krebszellen aktiviert werden. Mit einer solchen Therapie wären Nebenwirkungen praktisch ausgeschlossen. Das Wissenschaftsteam unter Leitung des Biologen Tobias Pöhlmann vom Plazenta-Labor der Abteilung für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Jena hat die bisherigen Erkenntnisse bereits zum Patent angemeldet.

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"Die Idee ist im Grunde ganz einfach: Ein Medikament gelangt in Form einer Spritze in den Körper und wandert anschließend in genau die Körperzellen, in denen es wirken soll", erklärt Pöhlmann gegenüber pressetext. Auf diese Weise könnten etwa aggressive Wirkstoffe gegen Tumore verabreicht werden, die gezielt Krebszellen abtöten, anderen Körperzellen aber keinen Schaden zufügen, führt der Experte aus. Die Überlegung ein solches System zu entwickeln sei allerdings nicht neu. Das Forscherteam ist aber dieser Idee einen Schritt näher gekommen. "Mit unserem Verfahren kann jede beliebige Art von Körperzelle zielgenau angesteuert und ihr Stoffwechsel beeinflusst werden." Der Trick dabei ist, dass die verabreichten Substanzen zwar unspezifisch in jede Zelle wandern, aber nur in ganz bestimmten Zellen aktiviert werden und nur dort ihre Wirkung entfalten. Dazu nutzen die Forscher so genannte "small interfering RNA"-Moleküle. Diese "siRNA-Moleküle" sind kleine, interferierende Ribonukleinsäuren. Diese werden dazu verwendet, bestimmte Gene "zum Schweigen zu bringen". "Die Forscher nennen dies RNA-Silencing", erklärt der Wissenschaftler.

"Die siRNA-Moleküle sind die Hoffnungsträger der neuen Medizin", erklärt Pöhlmann. "Die siRNA wären prinzipiell gut geeignet, Tumorzellen abzutöten, indem man mit ihrer Hilfe einfach überlebenswichtige Gene in den Krebszellen ausschaltet." Das Problem dabei ist, dass herkömmliche siRNA Moleküle aber nicht nur spezifisch in den Tumor, sondern prinzipiell auch in jeder anderen Körperzelle wirken. Der Ansatz der Jenaer Wissenschaftler geht allerdings in eine etwas andere Richtung: "Uns ist es gelungen Peptide an die siRNA-Moleküle zu koppeln, die deren Wirkung verhindert. Nur in Zielzellen, beispielsweise Tumorzellen können diese Peptide von der siRNA abgespalten werden und entfalten ihre Wirkung. Man könne dies mit einem Schloss vergleichen, dessen "Schlüssel" sich nur in den gewünschten Zielzellen befinde. "Ganz konkret umfasst dieser Schlüsselbund bis zu vier verschiedene Schlüssel", erläutert der Forscher. Damit sollte die siRNA also nur in den gewünschten Zellen aktiviert werden.

Von einer Anwendung in der Humanmedizin sind die Forscher allerdings noch ein großes Stück entfernt. "In Zukunft ist es denkbar, dass ein Screening des Tumors auch genau Aufschluss darüber geben kann, welche Peptide in der Behandlung als Schloss für die siRNA in Frage kommen könnten", so der Forscher. "Wir wollen diese "intelligenten siRNA-Moleküle" bis zur Marktreife weiterentwickeln." Dazu suchen die Forscher weiter nach Investoren und Sponsoren. Erste wissenschaftliche und wirtschaftliche Kontakte haben die Unternehmensgründer aus dem Plazenta-Labor im vergangenen Jahr bereits auf den Messen "Biotechnica" und "Medica" geknüpft. Doch auch darüber hinaus suchen sie Mitstreiter. "Zum einen wollen wir universitäre Partner gewinnen, um unsere Technologie für ein möglichst breites Feld von Anwendungen zu nutzen, zum anderen brauchen wir aber auch industrielle Partner, um unsere Innovation wirtschaftlich umsetzen zu können", erklärt Pöhlmann abschließend gegenüber pressetext.

Weitere Informationen über Krebsvorsorge können Sie in unserer kostenlosen Broschüre zum Download nachlesen:

Frauen-Krebsvorsorge (0,98 MB) Autor: Wolfgang Weitlander; Quelle: pressetext.at; Stand: 07.01.2008

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