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Rätselhafter Boom der Migräne

Der Anteil der Menschen an der Gesamtbevölkerung, der an Migräne leidet, hat innerhalb eines Jahrzehnts um ein Prozent zugenommen. Was in einer norwegischen Studie ermittelt wurde, klingt zunächst nicht viel, hat jedoch gesamtgesellschaftlich hohe Auswirkungen. Ausgelegt auf die gesamte EU hieße das, dass fünf Mio. Menschen mehr als noch vor zehn Jahren mit Migräne leben. Beunruhigt sind die Forscher besonders darüber, dass sie auf der Suche nach der Ursache dieses Anstiegs bisher noch im Dunkeln tappen.

Die Daten stammen aus der norwegischen HUNT-Studie, einer der größten Gesundheitsstudien der Welt. 74.000 Erwachsene wurden dazu zwischen 1995 und 1997 untersucht, ehe die Erhebung elf Jahre später bei knapp 50.000 Menschen wiederholt wurde. Stellte man bei der ersten Erhebungswelle noch bei zwölf Prozent der Untersuchten Migräne fest - wobei medizinische Kriterien den Ausschlag gaben - so waren es in der zweiten Studie 13 Prozent. Detailauswertungen zeigten, dass es Zunahmen besonders bei Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren gab.

Umwelteinwirkung wahrscheinlich

"Das ist ein Anstieg in erstaunlich kurzer Zeit", betont Studienleiter Knut Hagen von der Norwegian University of Science and Technology. Besonders merkwürdig sei jedoch, dass man die Ursache dieser Entwicklung nicht benennen könne. "Die Diagnosekriterien waren in den 90er-Jahren dieselben wie heute und auch die selbst-berichteten Migränefälle haben nicht zugenommen." Medikamente seien nicht die Verursacher, obwohl im gleichen Zeitraum die Verbreitung rezeptfreier Schmerzmittel stark gewachsen ist.

Am plausibelsten ist laut den Forschern daher die Annahme, dass Umweltfaktoren beteiligt sind. Der oft beschuldigten Mobilfunkstrahlung gibt Hagen dabei einen Freispruch, da die Studie diesbezüglich keinen Zusammenhang feststellen konnte. Denkbar sei etwa, dass die steigende Stundenzahl eine Rolle spielt, die Menschen vor flackernden Bildschirmen verbringen. "EEG-Messungen der Gehirnaktivität zeigen, dass Migränepatienten mehr auf Lichtstimuli reagieren. Doch auch hier steht der wissenschaftliche Nachweis bisher noch aus", so Hagen. 

Autor: pressetext.de, Johannes Pernsteiner (Stand: 21.03.2011)

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