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Thema der Woche

Angst abschalten mit einem Hirnschrittmacher

Schon Albert Camus bezeichnete das vergangene Jahrhundert als das Jahrhundert der Angst. Er meinte damit allerdings die krankmachende Angst, also die scheinbar unbegründete Angst.

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Angst ist ja zunächst einmal etwas Sinnvolles, wie zum Beispiel die Angst vor einem bissigen Hund oder die Angst vor dem Straßenverkehr, aber das heißt, sie signalisiert uns: Bitte aufpassen!

Jetzt gibt es aber viele Menschen, die haben Angst vor ganz alltäglichen Dingen: Angst vor dem Einkaufen, dem Autofahren, einem Kinobesuch, großen Plätzen, Menschenansammlungen oder auch die Angst vor der Angst!

Angst ist dabei noch ein sehr milder Ausdruck, es sind vielmehr reine Panikattacken und Todesängste, von denen die Betroffenen in den entsprechenden Situationen heimgesucht werden und sie schließlich meist dazu bringen, kaum noch aus dem Haus zu gehen. Wie sollten sie Ihrem Umfeld erklären, was mit ihnen los ist, meistens wissen sie selbst ja nicht, woher diese schlimmen, bedrohlichen Gefühle kommen.

Lebensfreude wird da zum Fremdwort. Zum Glück stehen aber auch Angstpatienten zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie zum Beispiel die Psychotherapie, hier vor allem die Verhaltenstherapie, die Entspannungsverfahren und auch nicht süchtig machende Medikamente.

Trotzdem gibt es viele Angstpatienten, denen nicht oder nur wenig geholfen werden kann. Für solche Menschen scheint der Kölner Neurochirurg, Volker Sturm, mehr als nur eine Hoffnung bereit zu halten: Schon seit den 90-er Jahren setzt er Hirnschrittmacher bei Parkinsonpatienten ein, um deren motorische Störungen zu hemmen.

Das funktioniert deshalb, weil für diese Parkinson-typischen Störungen ein winziges Hirnareal verantwortlich ist, das, gleich einem Störsender, große Teile der Hirnrinde blockiert. Basierend auf diesem Behandlungsverfahren entwickelte Sturm ein ähnliches Vorgehen bei Angstpatienten.

Auch hier liegt, wie der Mediziner meint, eine Störung vor, vergleichbar mit einem „kaputten Stellglied eines Regelkreises“. Den Ursprung dieser Störung sieht Sturm in einem winzigen Areal namens „Nucleus accumbens“. Diese Hirnregion ist eine Art „Regelstelle zwischen der Großhirnrinde und dem limbischen System, welches für die Verarbeitung von Gefühlen verantwortlich ist“.

In diese Region wird eine Elektrode geführt, die durch Stromimpulse überaktive Nervenzellen hemmt und so die Entstehung von Panikattacken und Zwangshandlungen hemmt. Kabel und Batterie, welche die Elektrode mit Strom versorgen, werden unter die Haut des Patienten gesetzt. Dieser kann die Batterie, mit Hilfe eines Magneten, an und ausschalten.

Dieses Verfahren wird als „Tiefenhirnstimulation“ bezeichnet und zeigte sich bisher als sehr effektiv.

Selbstverständlich betritt Sturm hiermit ein heikles Gebiet, aber das Verfahren ist nur für sehr schwere Fälle vorgesehen und kaum als ein manipulatives Instrument gedacht.

Bevor Sturm so eine Operation vornimmt, verlangt er bisher das unabhängige Gutachten zweier Psychologen, die ihm versichern, dass es keine alternativen Therapiemöglichkeiten gibt.
Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

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