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RATGEBER - Herzkrank II

Therapiemöglichkeiten

Eine medikamentöse kurative Behandlung von Herzklappenfehlern gibt es nicht.

Es können nur die Beschwerden, die Folge des Herzklappenfehlers sind, beeinflusst werden bzw. man kann das Herz vor weiteren Problemen schützen.

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Bei jedem Herzklappenpatienten ist es von entscheidender Bedeutung abzuklären, ob ein operativer Eingriff notwendig oder ein Abwarten vertretbar ist.

Eine zu früh angesetzte Operation setzt den Patienten einer nicht unerheblichen Belastung aus, eine zu späte Operation kann katastrophale Folgen haben.

Medikamentöse Behandlung

Auch wenn Medikamente einen Herzklappenfehler nicht heilen können, so helfen sie doch, die Symptome und Beschwerden zu lindern und das Herz vor weiteren Problemen zu schützen.

Manchmal ist die medikamentöse Therapie auch die einzige Lösung, wenn etwa ein Patient nicht operiert werden kann, weil sein Gesundheitszustand insgesamt zu schlecht ist oder schwere Begleiterkrankungen einen operativen Eingriff unmöglich machen.

Welche Medikamente können eingesetzt werden?

Wenn die Aorten- und/oder die Mitralklappe nicht mehr richtig schließen, eine Operation aber nicht notwendig ist, wird der Arzt eine Behandlung mit Medikamenten, die zu einer Entlastung des Herzensführen, beginnen. Dies sind z.B. ACE-Hemmstoffe.

Bei einer Mitralstenose, die etwa zu Luftnot führt, können wassertreibende Medikamente (Diuretika) eingesetzt werden.
Da bei diesem Klappenfehler auch oft Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auftreten, ist zur Regulierung der Herzfrequenz eine Behandlung mit Digitalispräparaten allein oder in Kombination mit Kalziumkanalantagonisten (z.B. Verapamil) sinnvoll.

Zur Stabilisierung eines normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) kommen Antiarrhythmika wie Sotalol oder Amiodaron infrage.

Zur Verhinderung einer Gerinnselbildung oder um zu vermeiden, dass sich gebildete Gerinnsel ablösen und zu einem Schlaganfall führen, ist bei Vorhofflimmern und Klappenfehlern eine Blutverdünnung notwendig. Diese wird mit „Vitamin-K-Antagonisten“ wie Phenprocoumon durchgeführt.

Bei Patienten mit Klappenfehlern wird der Arzt in jedem Fall bei Fieber, Infektionen oder Operationen - dazu gehört auch das Ziehen eines Zahnes - immer ein Antibiotikum verabreichen. Dies macht er vorsorglich, um bakterielle Entzündungen an den veränderten Herzklappen zu vermeiden.

Welche Medikamente sollten eher nicht eingesetzt werden?

Bei einer Aorteninsuffizienz sind die Kalziumkanalantagonisten wie z.B. Verapamil sowie Betarezeptorenblocker ungünstig, da sie die Herzfrequenz bremsen und somit den Klappenfehler verschlimmern.

Bei höhergradiger Aortenstenose kann sich die Gabe von gefäßerweiternden Substanzen, Betarezeptorenblockern oder Digitalispräparaten ungünstig auswirken. Dies wird aber Ihr Arzt richtig entscheiden.

Strategie bei Entzündung der Herzklappen

Eine Entzündung der Herzklappen wird in der Regel durch Bakterien verursacht und muss demzufolge mit Antibiotika behandelt werden.

Wegen der Schwere der Erkrankung ist eine antibiotische Therapieüber mehrere Wochen notwendig, die sich nach dem Spektrum des Erregers richtet.
Sie beginnt mit einer intravenösen Behandlung, die nur stationär im Krankenhaus erfolgen kann. An diese schließt sich eine Therapie mit Antibiotika als Tabletten über mehrere Wochen an.

Andere Medikamente können die Symptome des Patienten verbessern und/oder die Auswirkungen der Erkrankung günstig beeinflussen.

Ganz wichtig ist bei jedem Klappenfehler die vorsorgliche Behandlung einer Klappenentzündung bei Fieber, operativen Eingriffen und Zahnextraktionen, um nur die häufigsten Gefährdungsquellen zu nennen, da eine erkrankte Herzklappe für die Besiedlung durch Keime sehr anfällig ist.

Patienten, die an einem Klappenfehler leiden, sollten eine Stunde vor dem Eingriff Antibiotika erhalten.

Chirurgische Verfahren

Die Entscheidung, wann operiert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei der Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) ist das Auftreten von Angina pectoris, Luftnot und Bewusstlosigkeit Zeichen einer dringlichen Operation.

Bei der unzureichenden Schließung der Aortenklappe (Aorteninsuffizienz) entscheidet sich der Arzt anhand der Größe der linken Herzkammer und der Einschränkung der Pumpleistung, ob er einen operativen Eingriff vornimmt.

Schließt hingegen die Mitralklappe unzureichend (Mitralinsuffizienz), richtet sich das Vorgehen nach der Ursache der Erkrankung, der Belastbarkeit und der Gestalt der Klappe.

Als pauschale Richtlinie gilt für den Arzt: Bei „degenerativen“ Veränderungen der Klappe und mittelschwerem bis schwerem Unvermögen der Klappe, zu schließen (Herzklappeninsuffizienz), ist meistens ein operativer Eingriff notwendig.

Ist die Mitralinsuffizienz dagegen Folge einer Vergrößerung des Herzens im Rahmen eines Hinterwandinfarktes oder einer Herzerweiterung (dilatative Kardiomyopathie), ist in der Regel eine medikamentöse Behandlung sinnvoller.

Die Entscheidung „medikamentöse Behandlung“ oder „operative Therapie“ muss aber immer individuell getroffen werden und richtet sich nach der Gesamtheit der Befunde.

Mechanische Herzklappen

Welche Klappe ist für mich am besten geeignet, eine mechanische oder eine biologische? Mit dieser Frage beschäftigen sich fast alle Patienten, die vor der operativen Behandlung eines Herzklappenfehlersstehen.

Ein wesentliches Argument für den Einbau mechanischer Prothesen ist ihre ausgezeichnete Haltbarkeit.
Ihr Nachteil ist, dass sich an dem körperfremden Material Gerinnsel bilden können, die mit der Gefahr einer Embolie verbunden sind. Dies trifft vor allem für die etwas älteren Kippscheibenprothesen zu.
Die modernen Doppelflügelmodelle sind für den Blutfluss günstiger.

Trotzdem muss jeder Patient, der eine mechanische Herzklappe erhält, lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

Hier hat sich aber seit einigen Jahren viel für die Patienten verbessert. Sie können ihren Gerinnungswert regelmäßig selbst bestimmen und daraufhin anhand einer Tabelle die Dosierung der gerinnungshemmenden Medikamente anpassen.

Mit diesem Verfahren sind die Nebenwirkungen und die Zahl der Komplikationen sehr zurückgegangen. Viele Patienten empfinden die Gerinnungshemmung jedoch trotzdem als belastend.

Biologische Herzklappen

Biologische Herzklappenprothesen werden aus Schweineherzklappen oder Rinderherzbeuteln hergestellt. Sie werden speziell präpariert.

Schweineherzklappen werden manchmal direkt übernommen, da sie den menschlichen Klappen stark ähneln.

Biologische Klappen zeigen im Allgemeinen gute, den normalen gesunden Herzklappen annähernd vergleichbare Blutflusseigenschaften.

Das Blutungs- und Embolierisiko ist daher gering und eine langfristige Gerinnungshemmung fast immer unnötig.

Bestehen keine Begleiterkrankungen, ist nach dem Einbau einer Bioprothese nur für die ersten Monate nach der Operation, bis die Bioklappe komplett eingewachsen ist, eine Gerinnungshemmung notwendig.

Ein Nachteil der Bioprothesen ist ihre eingeschränkte Haltbarkeit.
Leider tendieren die Gewebe zu einer verstärkten Kalziumaufnahme in die Zellen. Spätere Verkalkungen werden quasi provoziert und können die Haltbarkeit der Klappe maßgeblich beeinflussen.

Wie lange eine biologische Herzklappe funktionsfähig bleibt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob und wie sich ihr Gewebe durch eine Kalziumaufnahme verändert. Dies lässt sich durch jährliche echokardiographische Kontrolluntersuchungen rechtzeitig feststellen.

Bislang konnte der Verschleiß von Bioklappen noch nicht verhindert werden. Das Risiko steigt, je jünger die Patienten sind.

Die Lebenserwartung einer Bioklappe liegt derzeit bei 15 Jahren. Deshalb empfiehlt beispielsweise die Amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) diesen Klappentyp nur, wenn der Patient älter als 65 Jahre ist.

Weitere Entwicklungen sind aber in Aussicht. Derzeit wird untersucht, wie die Aufnahme von Kalzium ins Gewebe am besten unterbunden werden kann.


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