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RATGEBER - Herzkrank II

Therapiemöglichkeiten

Die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt.

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Zum einen weiß man, dass Medikamente, die gegen Rhythmusstörungen eingesetzt werden, nicht ungefährlich sind und selbst auch Herzrhythmusstörungen auslösen und verstärken können.
Zum anderen wurden moderne „elektrische“ Verfahren entwickelt, die Herzmuskelzellen mit „falscher“ Impulsauslösung veröden können (Katheterablation).

Auch gegen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammertachykardien oder Kammerflimmern sind neue Therapieverfahren entwickelt worden. Diese therapeutischen Methoden sollen Patienten vor einem plötzlichen Herztod bewahren.

In Deutschland sterben etwa 100.000 Menschen pro Jahr am plötzlichen Herztod. Diese Zahl ist viel zu hoch.

Medikamentöse Behandlung

Früher hat man Herzrhythmusstörungen vor allem mit Medikamenten behandelt.
Diese waren zum Teil selbst arrhythmieauslösend und haben damit zu einer Verstärkung der Herzrhythmusstörungen geführt.

Die Häufigkeit solcher arrhythmieverstärkender Nebenwirkungen liegt immerhin in der Größenordnung von etwa 2 bis 8%. Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen müssen deshalb kritisch und gezielt eingesetzt werden.

Therapie eines „Stolperherzens“

Liegt keine Herzerkrankung vor, braucht das „Stolperherz“ nicht behandelt zu werden, es sei denn, die Patienten fühlen sich durch die Extraschläge (Extrasystolen) in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Meist aber bessern sich die Beschwerden bei Patienten mit Herzstolpern schon dann, wenn der Arzt festgestellt hat, dass die Extraschläge harmlos sind und die Patienten dieses wissen.

Entschließt sich der Arzt zu einer Behandlung, sind Betarezeptorenblocker Medikamente der ersten Wahl.

Klassische Antiarrhythmika sind bei herzgesunden Patienten ebenfalls denkbar, allerdings sei nochmals auf das Risiko hingewiesen, dass diese Medikamente Herzrhythmusstörungen hervorrufen können.

Bei allen Patienten mit „Stolperherz“, bei denen eine Erkrankung der Herzkranzgefäße vorliegt, ist der Einsatz von Antiarrhythmika sehr kritisch.

Es ist seit Ende der 80er-Jahre bekannt, dass Rhythmusmedikamente der Klasse I (Propafenon, Flecainid, Chinidin, Disopyramid) gefährlich sind und nicht eingenommen werden dürfen.

Alternativen sind Antiarrhythmika der Klasse III (Sotalol, Amiodaron). Auch bei diesen Substanzen ist allerdings die Rate an Nebenwirkungen und sich daraus ergebende Herzrhythmusstörungen nicht zu unterschätzen.

Therapie des Vorhofflimmerns

Für die Behandlung von Vorhofflimmern stehen zwei unterschiedliche Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Die eine Möglichkeit besteht darin, das Vorhofflimmern zu beseitigen und den normalen Rhythmus wiederherzustellen (Sinusrhythmus).
Die andere Möglichkeit liegt darin, das Vorhofflimmern zu dulden und lediglich dafür zu sorgen, dass die stark wechselnde und teilweise sehr schnelle Schlagfolge der Herzkammern reguliert wird.

Beide Strategien führen häufig zu einem Abklingen der Beschwerden. Worin für wen die richtige Therapie besteht, entscheidet der Arzt.

Wiederherstellung des normalen Rhythmus

In vielen Fällen von neu aufgetretenem Vorhofflimmern reguliert sich der Rhythmus innerhalb von 24 Stunden wieder selbst. Dies nennt man „spontane Kardioversion“.
Wenn Vorhofflimmern aber schon länger besteht, sind die Aussichten auf eine spontane Besserung eher gering.

Entscheidet sich der Arzt für eine medikamentöse Behandlung, um das Vorhofflimmern wieder in einen normalen Sinusrhythmus zu bringen, kommen rhythmusregulierende Medikamente der Klasse I (Propafenon, Flecainid) und der Klasse III (Sotalol, Amiodaron) infrage.
Leider gelingt die „medikamentöse Kardioversion“ nur in etwa 60 bis 70% der Fälle.

Eine bessere Methode, Vorhofflimmern in einen Sinusrhythmus zu bringen, ist die „elektrische Kardioversion“.
Dabei wird der Herzrhythmus durch einen Elektroschock wiederhergestellt. Der Patient erhält eine Infusion und eine Kurznarkose von wenigen Minuten.

Auf Brust und Rücken werden Elektroden aufgesetzt, über die mithilfe eines Defibrillators ein Stromimpuls an das Herz abgegeben wird. Die Behandlung ist absolut schmerzfrei und hat Erfolgsraten von etwa 95%.

Frequenzkontrolle

Eine Normalisierung der Herzfrequenz bei weiter bestehendem Vorhofflimmern ist relativ unkompliziert.
Es sind nämlich effektive Medikamente vorhanden, die die Erregungsüberleitung vom Vorhof auf die Kammern im AV-Knoten bremsen.
Das Vorhofflimmern wird also akzeptiert und lediglich die Herzfrequenz reguliert.

Neueste Studien* konnten zeigen, dass ein solches Konzept sogar günstiger war, als die Wiederherstellung eines Sinusrhythmus mit Antiarrhythmika zu versuchen.

Eine Einstellung der Herzfrequenz zwischen 60 und 100/min ist mit Betarezeptorenblockern, Digitalispräparaten oder Kalziumkanalantagonisten (z.B. mit der Substanz Verapamil) zu erreichen.
In einigen Fällen ist es notwendig, diese Medikamente kombiniert anzuwenden.

Es bleibt abzuwarten, ob in der Zukunft die Wiederherstellung des Sinusrhythmus in jedem Fall angestrebt werden sollte oder ob die Frequenzkontrolle bei weiterbestehendem Vorhofflimmern nicht therapeutisches Ziel Nr. 1 wird.
Die zurzeit noch laufende SOPAT-Studie wird hier weitere Erkenntnisse liefern.

Gerinnungshemmende Medikamente

Die größte Gefahr beim dauerhaften Vorhofflimmern besteht in der Bildung von Blutgerinnseln und deren „Verschleppung“ in die Blutbahn.
Folgen sind Embolien, die zu einem Schlaganfall, Gefäßverschluss oder zu Sehstörungen führen können.

Es ist daher wichtig, dass Patienten mit Vorhofflimmern konsequent blutverdünnende Medikamente einnehmen, um z.B. das Schlaganfallrisiko zu vermindern.
Für die Blutverdünnung gibt es die Wirkstoffe Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin.
Diese senken das Risiko einer Embolie von etwa 4% auf unter 1,5%. Eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure ist nicht ausreichend.
Die Dosierung und Einstellung der blutverdünnenden Medikamente wird mithilfe des INR-Wertes vorgenommen, der aus dem Blut ermittelt wird. Der früher übliche Quick-Wert ist unzuverlässig und sollte nicht mehr gebraucht werden.

Große Fortschritte in der Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten wurden durch die Einführung der Selbstkontrolle des Gerinnungswertes erreicht.

Mit dem INR-Wert können die Patienten die Dosierung ihres blutverdünnenden Mittels selbst anpassen.
Diese Methode ist sicher und ermöglicht den Betroffenen ein normaleres Leben. Sich für gerinnungshemmende Medikamente zu entscheiden, ist sicher mit Einschränkungen und einer gewissen Lebensumstellung verbunden.
Bei Patienten mit rheumatischen Herzkrankheiten, früheren Gefäßverschlüssen oder mit Kunstklappen überwiegen auf jeden Fall die Vorteile.
Empfohlen wird die Gerinnungshemmung auch bei Vorhofflimmern und einer eingeschränkten Pumpleistung des Herzens, z.B. bei einer Herzmuskelerweiterung (dilatative Kardiomyopathie).

Hingegen ist die Nutzen-Risiko-Situation unklar, wenn nur kurze Phasen von Vorhofflimmern vorliegen.

Nicht empfohlen wird die Gerinnungshemmung bei Patienten unter 60 Jahren, bei denen Vorhofflimmern vorliegt, aber keine Herzkrankheit nachzuweisen ist.

* AFFIRM-Studie, RACE-Studie

Therapie des Vorhofflatterns

Auch beim Vorhofflattern gibt es zwei therapeutische Strategien: die Wiederherstellung des Sinusrhythmus und die Kontrolle der Herzfrequenz bei weiterbestehendem Vorhofflattern.

Wiederherstellung des normalen Rhythmus

Bei den meisten Patienten ist das Behandlungsziel, einen dauerhaft normalen Rhythmus wiederherzustellen.
Für diese „Rhythmisierungsversuche“ kommen die Medikamente infrage, die auch beim Vorhofflimmern erfolgreich angewendet werden können (Antiarrhythmika der Klassen I und III).

Häufig sind die Medikamente jedoch nicht wirksam, so dass dann nicht-medikamentöse Verfahren (Katheterablation) angewendet werden müssen, die in diesem Kapitel noch ausführlich besprochen werden.

Kliniken, welche die Möglichkeit haben, elektrophysiologische Untersuchungen durchzuführen, können ein Vorhofflattern durch eine „Überstimulation“ wieder in den richtigen Rhythmus bringen.
Über einen in den rechten Vorhof vorgeschobenen Elektrodenkatheter werden schnelle Impulse abgegeben.
In 80 bis 90% der Fälle beenden sie das Vorhofflattern.

Eine andere Alternative ist die elektrische Kardioversion in Kurznarkose.
Mehr dazu im vorangegangenen Kapitel über „Therapie des Vorhofflimmerns“.

Frequenzkontrolle durch Medikamente

Vorübergehend kann die Herzfrequenz durch Medikamente hinreichend „gebremst“ werden (Digitalis, Betarezeptorenblocker, Kalziumkanalantagonisten vom Verapamil-Typ).
Dies alleine ist jedoch oft dauerhaft nicht ausreichend. Denn die elektrischen Impulse können beim Vorhofflattern auf die Kammern übergreifen, zu einer hohen Kammerfrequenz führen und dann potenziell gefährlich werden.

In der Regel ist deshalb bei diesen Patienten die Wiederherstellung des Sinusrhythmus, meist durch Katheterablation, das therapeutische Ziel. 

Therapie von „gutartigem“ Herzrasen

Wenn Herzrasen akut auftritt, gibt es einige bewährte Techniken, mit denen diese Rhythmusstörung beendet werden kann: schnelles Trinken eines Glases kalten Wassers, tief einatmen, Luft anhalten und eine Bauchpresse durchführen oder Eiswasser ins Gesicht spritzen.

Der Druck auf die Augäpfel (Bulbusdruck), der immer noch propagiert wird, sollte nicht angewendet werden, da er nicht nur unangenehm ist, sondern auch zu schweren Netzhautablösungen geführt hat.

Führen diese Maßnahmen nicht zum Ziel und begibt man sich in ärztliche Behandlung, kommen voraussichtlich medikamentöse Alternativen zum Tragen.

Die Anfälle können durch eine intravenöse Injektion von Adenosin, Kalziumkanalantagonisten vom Verapamiltyp oder Ajmalin beendet werden.

Gutartiges Herzrasen kann durch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten häufig verhindert werden.

Diese Medikamente wirken, indem sie die Leitung der elektrischen Erregung zwischen Vorhof und Kammern verlangsamen oder kurzfristig unterbrechen oder indem sie die falschen Schrittmacherzentren hemmen.

In einigen Fällen gelingt es, die Anfälle vollständig zu unterdrücken; in anderen Fällen werden die Anfälle durch die Medikamentenwirkung seltener, kürzer und erträglicher.

Medikamente, die für eine Dauerbehandlung bei gutartigem Herzrasen infrage kommen, sind Antiarrhythmika der Klasse I (Propafenon, Flecainid, Disopyramid) oder der Klasse III (Sotalol, Amiodaron).

Bei anderen Formen von Herzrasen (AV-Knoten-Reentrytachykardien, ektope Tachykardieherde) werden auch Digitalispräparate, Kalziumkanalantagonisten vom Verapamiltyp oder Betarezeptorenblocker
gegeben.

Wenn Medikamente nicht effektiv sind oder ein Patient dauerhaft keine Medikamente einnehmen möchte, ist für die meisten Patienten mit „gutartigem“ Herzrasen die Katheterablation ein exzellentes Verfahren, die Rhythmusstörungen dauerhaft auszuschalten.

Therapie von lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen

Bei Patienten mit gefährlichen Herzrhythmusstörungen verfolgt die Therapie zwei Ziele: Zum einen ist sie auf die Behandlung der Grundkrankheit und zum anderen auf die Behandlung der Rhythmusstörung
ausgerichtet.

Bis vor wenigen Jahren standen nur Medikamente für die Behandlung lebensgefährlicher Rhythmusstörungen zur Verfügung.

Inzwischen ist klar, dass diese Antiarrhythmika häufig nicht effektiv sind und in bestimmten Fällen die Rhythmusstörungen paradoxerweise verschlechtern und so zu gefährlichen Situationen führen können.

Der Arzt wird deshalb sehr kritisch abwägen, ob ein Patient von einem solchen Medikament eher einen Gewinn haben wird oder sogar Schaden nehmen könnte.

Da die Reaktion auf das Medikament häufig nicht zuverlässig vorhersehbar ist, wurde man mit dem Einsatz von Antiarrhythmika deutlich zurückhaltender.

Entscheidet man sich dennoch für die medikamentöse Dauertherapie, kommen bei Patienten ohne nachweisbare Herzerkrankung Betarezeptorenblocker und Antiarrhythmika der Klassen I und III infrage, die allerdings alle, sieht man einmal von den Betarezeptorenblockern ab, das Risiko von zusätzlichen Rhythmusstörungen in sich bergen.

Für Patienten mit strukturellen Herzerkrankungen (koronare Herzkrankheit, Herzmuskelerkrankungen) kommt nach jüngsten Studien vor allem Amiodaron in Betracht.

Auch Sotalol ist ein prinzipiell geeignetes Medikament, das aber ebenfalls eher vorsichtig eingesetzt wird.

Katheterablation

Kaum eine andere Methode der letzten Jahre hat die Kardiologen so fasziniert wie die Katheterablation.

Bei der Hochfrequenz-Katheterablation werden, nach örtlicher Betäubung, mehrere Elektrodenkatheter in das Herz eingeführt und in der Regel im rechten Vorhof, in der rechten Herzkammer, am His-Bündel und an einer bestimmten Vene im Herzen (Sinus coronarius als Referenz für den linken Vorhof ) positioniert.

Diese Elektrodenkatheter werden zuerst für die elektrophysiologische Untersuchung verwendet. Damit wird der Ursprungsort des Herzrasens bestimmt.

Das Verfahren wird als „Kathetermapping“ bezeichnet, weil eine Art Landkarte (englisch: map) vom Herzen auf dem Computerbildschirm dargestellt wird.

Danach wird ein weiterer Elektrodenkatheter, der Ablationskatheter, in das Herz eingeführt. Dieser hat eine spezielle Elektrodenspitze, welche Hitze (50 bis 70°C) erzeugen kann.

Die Hitze kann punktgenau an das Gewebe abgegeben werden. Sie führt zu einer Zerstörung der Strukturen, die für das Herzrasen verantwortlich sind.

Das Gesamtrisiko dieses Eingriffs ist gering; dennoch sollen die typischen Komplikationen nicht unerwähnt bleiben: Zunächst einmal besteht eine Strahlenbelastung, die aber bei erfahrenen Untersuchern gering ist.

Diese Strahlenbelastung wird durch den Einsatz moderner dreidimensionaler Mappingsysteme zudem noch wesentlich vermindert, dass sie künftig wahrscheinlich vernachlässigt werden kann.

Weitere mögliche Nebenwirkungen: Es kann zu Blutergüssen an den Stellen kommen, an denen die Katheter eingeführt wurden. Durch die Verödung(en) können in seltenen Fällen der Herzmuskel und/oder die Herzkranzgefäße geschädigt werden.
Bei sehr wenigen Patienten sind Schlaganfälle beobachtet worden.

Die Katheterablation eignet sich zur Therapie von fast allen Rhythmusstörungen, allerdings sind die Erfolgsraten je nach Ursache der Störung und nach Erfahrung des Untersuchers unterschiedlich.

Katheterablation beim „Stolperherzen“

Beim „Stolperherzen“ kommt eine Katheterablation nur dann infrage, wenn viele Extraschläge vorliegen und der Patient anderweitig nicht zufrieden stellend behandelt werden kann.

Die Erfolgsraten liegen für diese Patienten bei 50 bis 70%.

Die Katheterablation sollte bei diesen Patienten eher zurückhaltend eingesetzt werden, weil die Rhythmusstörungen auf der einen Seite harmlos sind, die Risiken einer Katheterablation aber nicht bei 0% liegen und somit bei einer eigentlich „gutartigen“ Rhythmusstörung ein Risiko eingegangen wird. 

Katheterablation bei „gutartigem“ Herzrasen

Bei Patienten mit gutartigem Herzrasen (AV-Knoten-Tachykardien, Tachykardien bei zusätzlichen Leitungsbahnen, ektop atriale Tachykardien) ist die Katheterablation eine klassische Behandlungsmethode, mit der Erfolgsraten von etwa 95% erreicht werden.

Seit der Einführung der Methode Anfang der 90er-Jahre konnten schon viele Tausende Patienten vollständig von ihrem Herzrasen geheilt werden.

Die Katheterablation ist für diese Patientengruppe als Therapie der ersten Wahl anzusehen.

Alternativ wäre bei den meist jungen Patienten eine lebenslange Behandlung mit Antiarrhythmika notwendig, mit all ihren möglichen Nebenwirkungen und Komplikationen.

In diesem Zusammenhang sei nochmals auf die Proarrhythmierate aller Antiarrhythmika hingewiesen.

Katheterablation bei Vorhofflimmern

Auch bei dieser Herzrhythmusstörung kann eine Katheterablation durchgeführt werden.

In diesem Fall werden die zum linken Vorhof führenden Gefäße (Pulmonalvenen) elektrisch isoliert, was zu einer Heilung von Vorhofflimmern führen kann.

In tierexperimentellen und klinischen Studien hat man festgestellt, dass an der Mündung der Pulmonalvenen in den linken Vorhof Muskelzellen vorhanden sind, die ungesteuerte elektrische Aktivitäten haben und zum Vorhofflimmern führen können.

Ein Ausschalten dieser abnormen Zellen durch „Isolation“ kann zu dauerhafter Heilung führen.

Dieses Verfahren ist allerdings aufwändig. Es dauert mehrere Stunden und die Erfolgsrate liegt zurzeit nur bei etwa 50 bis 70%.

Es ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt als experimentelles Verfahren aufzufassen, das aber von Kardiologen in aller Welt intensiv beforscht und verbessert wird, so dass hier in Zukunft günstigere Ergebnisse zu erwarten sind.

Die Katheterablation von Vorhofflimmern kommt nur für Patienten mit anfallsweisem Vorhofflimmern in Betracht - und auch nur dann, wenn sie medikamentös nicht mehr effektiv zu behandeln sind.

Patienten mit dauerhaftem Vorhofflimmern profitieren gar nicht von dieser Methode. Ob sich dies in Zukunft ändert, bleibt abzuwarten.

Anfang der 80er-Jahre hat man bei Patienten mit nicht behandelbarem Vorhofflimmern und einer meist hohen Herzfrequenz eine AV-Knoten-Ablation durchgeführt, d.h. es wurde im Herzen der komplette AV-Knoten, der die Weiterleitung der Impulse von Vorhöfen zu Kammern reguliert, zerstört.

Danach mussten die Patienten einen Herzschrittmacher erhalten.
Deshalb wurde und wird diese Form der Ablation nur zurückhaltend empfohlen, ist aber auch heute immer noch eine therapeutische Methode, wenn Vorhofflimmern mit schneller Kammerüberleitung anderweitig nicht ausreichend beeinflusst werden kann.

Viele Patienten fühlen sich nach einer AVKnoten-Ablation „wie neugeboren“.   

Katheterablation bei Vorhofflattern

Die Katheterablation von Vorhofflattern wird heute frühzeitig in Betracht gezogen.

Sie ermöglicht eine Heilung und ist deshalb einer medikamentösen Dauertherapie eindeutig vorzuziehen.

Das Verfahren beim Vorhofflattern sieht so aus: Wie üblich wird ein Katheter über eine Vene ins Herz eingeführt.

Eine spezielle Katheterspitze ist dazu fähig, hochfrequente Stromimpulse (und damit Hitze) an das Herz abzugeben und damit gezielt einzelne Zellen funktionsuntüchtig zu machen bzw. eine elektrische Isolation zu erreichen.

Ziel ist, dasjenige Areal im Vorhof an der Impulsweitergabe zu hindern, das für das Vorhofflattern verantwortlich ist bzw. es unterhält. Dazu wird eine „elektrische Isolation“ zwischen der Mündung der unteren Hohlvene und der Trikuspidalklappe gezogen.

Das gelingt heute bei fast allen Patienten. Die Gefahr, dass nicht alle „kritischen“ Zonen erfasst werden, ist relativ klein.

Nur bei etwa 5% der Patienten kommt es zum Wiederauftreten von Vorhofflattern. Dann sollte die Prozedur wiederholt werden.

Katheterablation bei lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen

Die Katheterablation - das gezielte Veröden von einzelnen Herzzellen - kommt nur für sehr wenige Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen infrage.

Dies sind in der Regel sonst herzgesunde Patienten, die gelegentlich an Herzjagen, das seinen Ursprung in der Herzkammer hat („ventrikuläre Tachykardien“), leiden.

Die Katheterablation ist nur für Patienten geeignet, die noch nie wegen ihrer Rhythmusstörungen bewusstlos geworden sind und wiederbelebt wurden.

Die Schwierigkeit der Katheterablation von lebensgefährlichen Rhythmusstörungen liegt darin, dass der Ursprung der gefährlichen Rhythmusstörung in der Kammer oft nur sehr schwer zu lokalisieren und deshalb auch nur schwer zuverlässig zu veröden ist.

Gemessen an diesen Schwierigkeiten sind jedoch Erfolgsraten von etwa 50 bis 70% noch beachtlich hoch.

An der Weiterentwicklung der Katheterablation bei Kammerrasen wird intensiv gearbeitet.
Dennoch wird diese Methode voraussichtlich auch in näherer Zukunft noch nicht für eine größere Anzahl von Patienten in Betracht kommen können.

Defibrillatortherapie (ICD)

Dieses Verfahren ist geeignet, lebensgefährliche Rhythmusstörungen zu behandeln und einen plötzlichen Herztod zu verhindern.

„Erfunden“ haben die Defibrillatortherapie (ICD) Michel Mirowski und Morton Mower aus Baltimore, USA.
Seit der Einführung der ICD-Therapie 1980 in Baltimore, USA, sind weltweit bisher mehrere hunderttausend Patienten mit einem ICD versorgt worden.
In Deutschland fanden die ersten Defibrillatorimplantationen im Januar 1984 in Düsseldorf und Hannover statt.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat eine enorme Weiterentwicklung der Defibrillatortechnologie stattgefunden und zu einer erheblichen Ausweitung dieses Behandlungsverfahrens geführt, weil kein anderes therapeutisches Verfahren in ähnlich eindrucksvoller Weise in der Lage war, einen plötzlichen Tod zu verhindern.

Was ist ein Defibrillator?

Ein Defibrillator ist ein Gerät, das über Kondensatoren elektrische Energie erzeugt.
Diese Energie („Elektroschock“) wird gezielt an das Herz abgegeben, wenn es zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardien, Kammerflattern, Kammerflimmern) kommt.

Defibrillatoren gibt es zum einen als große externe Geräte, die in dieser Form zur Standardausrüstung jeder Intensivstation und jedes Operationssaals gehören. Außerdem befinden sie sich auf allen Rettungs- und Notarztwagen, in Rettungshubschraubern sowie mittlerweile in vielen Passagierflugzeugen.

Neueste Entwicklungen sind so genannte halbautomatische Defibrillatoren, die auf den Münchener S- und U-Bahnhöfen, auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt am Main und im Düsseldorfer Landtag hängen.
Diese halbautomatischen Defibrillatoren (AED) muß man nur anschalten; es folgen sprachgesteuerte Anweisungen und bei Vorliegen von lebensgefährlichen Rhythmusstörungen die Abgabe eines Elektroschocks.
Diese AEDs kommen durch ihre einfache Handhabung auch für den Einsatz durch trainierte Ersthelfer infrage. Man spricht vom Konzept der „Frühdefibrillation“.

Bei den implantierbaren Defibrillatoren handelt es sich um kleine, schrittmacherähnliche Geräte, die einem Patienten mit gefährlichen Rhythmusstörungen eingebaut werden und die sich von selbst aktivieren, wenn entsprechend maligne Rhythmusstörungen auftreten. Um diese geht es im Folgenden.

Voraussetzungen für eine Defibrillator-Implantation

Nicht jeder Patient mit Herzrhythmusstörungen ist geeignet, einen implantierbaren Defibrillator („Defi“) zu erhalten.

Zur Entscheidung erfragt der Arzt die Vorgeschichte, untersucht den allgemeinen Gesundheitszustand, macht technische Untersuchungen wie Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Echokardiographie und Röntgenaufnahmen des Brustkorbes.

Besonderen Wert legt er auf die Dokumentation und Beurteilung der spontanen Rhythmusstörung und deren Auswirkungen auf das Kreislaufsystem (Hämodynamik).

Ist eine Herzkatheteruntersuchung notwendig, werden zudem Pumpfunktion der linken Herzkammer und Anatomie der Herzkranzgefäße beurteilt.

Die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) gibt Aufschluss über Art und Mechanismus der Rhythmusstörung.

Welche Patienten sollen einen Defibrillator erhalten?

Zurzeit kommen ständig neue Studien heraus, wodurch sich die Empfehlungen für das Einpflanzen eines automatischen Defibrillators immer wieder ändern.

Zum jetzigen Zeitpunkt (2003) ist eine gesicherte Notwendigkeit zum Einbau von Defibrillatoren dann gegeben, wenn Patienten einen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt haben, der durch ein Herzrasen mit malignen Rhythmusstörungen (tachykarde ventrikuläre Rhythmusstörungen) bedingt war.

Auch Patienten mit Herzrasen aus den Herzkammern, die mit Schwindel oder Bewusstlosigkeit, jedoch ohne Herz-Kreislauf-Stillstand, verbunden waren, profitieren eindeutig von einem Defibrillator, wenn andere heilende Therapiemaßnahmen nicht in Betracht kommen.

Das Einpflanzen eines Defibrillators ist möglich bei Patienten mit kurzen Ohnmachtsanfällen, die mit großer Wahrscheinlichkeit durch ein Herzrasen aus der Herzkammer hervorgerufen wurden.

Voraussetzung für den Defibrillator ist hier aber das Vorliegen einer kardialen Grunderkrankung, wie etwa einer deutlich eingeschränkten Pumpfunktion der linken Herzkammer.

Möglich ist ein „Defi“ auch bei Patienten mit erheblich eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens und komplexen Rhythmusstörungen.

Diese Patienten haben ein hohes Risiko, auf der Warteliste für ein Spenderherz am plötzlichen Herztod zu versterben und sollten deshalb durch einen Defibrillator bis zur Transplantation geschützt werden.

Keinen „Defi“ sollten die Patienten, erhalten, bei denen behebbare Ursachen von gefährlichen Herzrhythmusstörungen vorliegen.

Dies ist z.B. bei Rhythmusstörungen im Rahmen eines schweren Anginapectoris-Anfalls oder während eines akuten Herzinfarktes der Fall.

Auch Patienten mit Herzrhythmusstörungen, die durch Störungen des Mineralhaushaltes verursacht sind (niedriger Kaliumspiegel), sollten keinen Defibrillator erhalten.

Für Patienten, bei denen sehr häufiges oder dauerhaftes Herzrasen vorliegt, ist ein Defibrillator ebenfalls nicht geeignet. Hier wäre eine Katheterablation möglich.

Das Defibrillator-System

Das Defibrillatorsystem („Defi-System“) besteht aus zwei Teilen: einem Elektrodensystem, welches gef ährliche Herzrhythmusstörungen erkennt und Schockimpulse abgeben kann, sowie einem Generator, der Energie erzeugt.

Die richtige Behandlung von Rhythmusstörungen aus der Herzkammer durch einen automatischen Defibrillator setzt voraus, dass der Herzrhythmus kontinuierlich überwacht wird.

Wird eine Herzrhythmusstörung erkannt, gibt das Elektrodensystem einen Gleichstromimpuls ab, der den regulären Herzrhythmus wiederherstellt.

Darüber hinaus verfügen moderne Defibrillatoren auch über diagnostische Möglichkeiten.

So können sie die Funktion eines Langzeit-EKGs erfüllen, denn sie speichern die Rhythmusepisoden und analysieren sie. Von außen können diese Daten dann abgefragt werden. Dadurch ist es möglich, die „Defi-Therapie“ individuell auf den Patienten abzustimmen.

Je nachdem, ob es sich um eine Einkammer- oder eine Zweikammerversion handelt, können die Signale aus den Herzvorkammern und den Herzkammern analysiert werden und ermöglichen eine Optimierung
der Behandlung.

Mit der technisch komplizierten Dreikammerversion kann sogar (neben der Behandlung der Herzrhythmusstörungen) gleichzeitig eine vorliegende Herzmuskelschwäche behandelt werden.

Was können wir in der Zukunft noch erwarten?

In Kürze wird es sicher noch dünnere, schmalere und leichtere Defibrillatoren mit längerer Lebensdauer geben.

Schon die heutigen implantierbaren Defis sind wesentlich kleiner als die der ersten Generation, was vor allem auf eine Verkleinerung der stromerzeugenden Kondensatoren zurückzuführen ist.

So muss heute für das Einpflanzen eines solchen Gerätes kein Brustkorb mehr geöffnet werden. Neuere Defibrillatoren werden zur gezielten Therapie noch ausgereiftere Computerprogramme haben, die besonders das Fortschreiten einer Herzmuskelschwäche beeinflussen sollen.

Möglicherweise werden in der Zukunft die ICDs direkt mit Medikamenten wie Betarezeptorenblockern oder Antiarrhythmika ausgestattet, die unter bestimmten Bedingungen abgegeben werden; erste Systeme dieser Art sind bereits getestet worden.

Chirurgische Verfahren bei Herzrhythmusstörungen

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch chirurgische Verfahren kommt nur in sehr seltenen Fällen infrage.
Chirurgische Eingriffe bei gutartigem oder gefährlichem Herzrasen kamen vor allem in den 80er-Jahren in Betracht.

So wurde beim Vorhofflimmern, unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, der Vorhofmuskel beider Vorhöfe vielfach zerschnitten und anschließend wieder vernäht („Maze-Operation“).
Damit sollten die versprengten rhythmusgebenenden Zellen isoliert werden. Wie viel eleganter und sicherer die Katheterablation für diesen Zweck ist, muss nicht extra betont werden.

Bei lebensgefährlichen ventrikulären Tachykardien wird ein Störherd, meist in der linken Herzkammer, der zum Herzrasen führte, operativ entfernt.

Allerdings entwickelte sich bei vielen Patienten eine nicht oder kaum beherrschbare Herzmuskelschwäche, so dass auch dieses Verfahren, nicht zuletzt durch die Einführung der Defibrillatortherapie, erheblich an Bedeutung verloren hat und heute nur noch bei sehr wenigen Patienten angewendet wird.

Herzschrittmachertherapie

Der Herzmuskel hat ein eigenes elektrisches System, bestehend aus einem Impulsgenerator (Sinusknoten) und einem elektrischen „Kabelsystem“, das sich bis hin zu den Zellen der Herzmuskulatur aufzweigt.
Aufgabe dieses „elektrischen Systems“ ist es, den Impuls auszulösen, weiterzuleiten und die mechanische Funktion des Herzmuskels zu ermöglichen.
In Ruhe schlägt das Herz mit Frequenzen zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute.

Teile des elektrischen Systems, bestehend aus Sinusknoten und/oder Erregungsleitungssystem, können krankhaft verändert sein, sodass das Herz zu langsam schlägt. Man spricht von einer Bradykardie, wenn in Ruhe eine Herzfrequenz unter 60 pro Minute vorliegt.
Für diese Patienten ist vor allem die Schrittmachertherapie eine wichtige therapeutische Option, da Medikamente zur dauerhaften Regulierung der Herzfrequenz unwirksam sind.

Voraussetzungen

Eine zu langsame Herzfrequenz wird meistens vom Patienten selbst gefühlt.

Von entscheidender Bedeutung sind Aufzeichnungen von Ruhe-EKGs und Langzeit-EKGs, die meistens anzeigen, welche Ursachen zur Bradykardie geführt haben.
In Einzelfällen kann auch eine elektrophysiologische Untersuchung notwendig werden.

Die Bedeutung der verschiedenen diagnostischen Verfahren soll hier nicht besprochen werden, da sie an anderer Stelle in diesem Kapitel bereits diskutiert wurden.

Welche Patienten sollen einen Schrittmacher erhalten?

Für die Behandlung von zu langsamen Herzschlägen, der Bradykardie, sind natürlich die Art, die Ursache und die Symptome entscheidend. 

In jedem Fall wird man versuchen, eine „kurative“ Therapie durchzuführen, indem z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt wird.

Wenn Medikamente für den zu langsamen Herzschlag verantwortlich sind, werden diese getauscht. Eine medikamentöse Behandlung von Bradykardien kommt fast nur in Akutsituationen in Betracht.
Zum Beispiel kann die intravenöse Gabe von Atropin bei plötzlich einsetzender Bradykardie notwendig werden.

Eine Langzeitbehandlung von bradykarden Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten, wie sie früher zum Teil praktiziert wurde, ist nicht sinnvoll.
Bei Störungen in Sinusknoten und/oder dem Erregungsleitungssystem und neuerdings auch bei einer chronischen Herzmuskelschwäche, die alle zu einer Bradykardie führen, ist ein Herzschrittmacher angezeigt.

Das Schrittmacher-System

Die Behandlung von Patienten mit Herzschrittmachern gehört seit etwa 40 Jahren zum Alltag in der klinischen Kardiologie.
Die ersten Herzschrittmacher bestanden aus nur einer Sonde (Elektrode) und der Schrittmacherbatterie.

Seit dieser Zeit wurde die Technik enorm weiterentwickelt und es stehen uns heute sehr komplexe Schrittmacher zur Verfügung, die eine optimale Stimulation des Herzens ermöglichen.
Das führt nicht nur zur Vermeidung von Schwindel und/oder Ohnmachtsanfällen, sondern auch zu einer Steigerung der Belastbarkeit und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Wie schon bei den Defibrillatoren gibt es auch bei den Schrittmachern Einkammer-, Zweikammer- oder Dreikammer-Systeme.
Je nachdem, ob man nur eine Normalisierung der Herzfrequenz erreichen oder aber das Zusammenspiel zwischen Vorhöfen und Herzkammern verbessern will oder ob gar zusätzlich eine chronische Herzmuskelschwäche zu behandeln ist, entscheidet sich der Arzt für eine der drei Alternativen.

Gerade die neueste Entwicklung, der „Dreikammer-Schrittmacher“, ist sehr Erfolg versprechend, so dass heute bei jedem Patienten mit einer Herzmuskelschwäche, die anderweitig medikamentös oder kurativ nicht behandelbar ist, die Implantation eines solchen Gerätes überdacht werden sollte.

Sind Schrittmacher sicher?

Manche Patienten sind gegenüber einer Schrittmachertherapie skeptisch, weil sie eine Abhängigkeit von dem technischen Funktionieren des Gerätes vermuten.

Heutige Schrittmacher garantieren eine hohe Sicherheit. Sie haben zahlreiche Sicherheitsschaltungen, die ein Versagen des Schrittmachers fast immer verhindern.

Die Schrittmacher bestehen aus elektrischen Schaltkreisen und einer Batterie, die im Mittel Laufzeiten von sieben bis zehn Jahren erreicht.

Die elektrischen Schaltkreise steuern die Zeitfolge der Impulse und passen sie den Bedürfnissen der elektrischen Aktivität des Herzens an.

Die individuelle Einstellung der zahlreichen Schrittmachersteuergrößen für jeden einzelnen Patienten ist allerdings die Voraussetzung für eine optimale Arbeitsweise des Schrittmachers.

Moderne Schrittmacher haben zusätzlich zahlreiche Speicher, mit denen sie den Herzrhythmus überwachen und wichtige Rhythmusereignisse dokumentieren.

Wie reagiert ein Herzschrittmacher auf äußere Störeinflüsse?

Der Herzschrittmacher nimmt die elektrische Aktivität des Herzens wahr und gibt nur dann elektrische Impulse ab, wenn die Herzfrequenz unter eine programmierte Grenze abfällt.
Liegt die Herzfrequenz oberhalb der festgelegten Größe, setzt keine Schrittmacheraktivität ein und der Schrittmacher bleibt „stumm“.

Wegen dieses Prinzips kann das Zusammenspiel der Herzschrittmachermodule (Elektrodensystem und Schrittmacherbatterie) durch äußere elektrische Impulse und/oder starke Magnetfelder gestört werden.

Von außen einwirkende elektrische Störsignale können vom Schrittmacher als herzeigene Impulse fehlgedeutet werden, so dass der Schrittmacher dann keine Impulse abgibt.
Ist während einer solchen „Störung“ die Eigenfrequenz des Patienten ausreichend, spürt der Patient nichts. Ist die Herzfrequenz im Augenblick der Störung zu langsam, wird dem Patienten möglicherweise schwindelig oder im schlimmsten Fall wird er sogar bewusstlos.

Eine Reihe von Störquellen sind bekannt, wie im Folgenden zu sehen sein wird.

Direkter Kontakt mit Stromquellen

Bei direktem Kontakt mit Stromquellen fließt elektrischer Strom durch den Körper und erreicht über die eingebauten Schrittmacherelektroden den Schrittmacher.
In einem solchen Fall wird der Betroffene Teil eines geschlossenen Stromkreises, in dem der Körper als elektrischer Leiter fungiert.

Für die Dauer des Stromkontaktes kann der Schrittmacher nicht ordnungsgemäß arbeiten; es kann außerdem zu einer Funktionsstörung des Schrittmachers kommen, da dieser den elektrischen Strom als eigene Herzaktionen fehldeutet.
In der Folge bleibt er „stumm“, was zu einer zu langsamen Herzfrequenz beim Patienten führt, die im schlimmsten Fall zu Schwindel oder Bewusstlosigkeit führt.

Solche Situationen können unter folgenden Bedingungen entstehen:

Stromunfall:

Beim direktem Kontakt mit der Steckdose, bei Isolationsdefekten oder Berührungen mit einem Elektrozaun kann es zu einer Schrittmacherfehlfunktion kommen, solange der Kontakt zur
Stromquelle besteht.
Unabhängig davon kann es zu anderen gesundheitlichen Schäden wie gefährlichen Herzrhythmusstörungen oder Brandmarken an der Stromaustrittstelle kommen.

Nach einem Stromunfall müssen Sie sich klinisch untersuchen und ggf. überwachen lassen; in jedem Fall muss der Schrittmacher überprüft werden.

Elektromagnetische Felder:

Starke elektromagnetische Felder, wie sie durch Transformatoren, elektrische Hochöfen oder Hochspannungsleitungen entstehen, können die Wahrnehmungsfunktion eines Herzschrittmachers beeinträchtigen und sollten von Patienten mit Herzschrittmachern gemieden werden.

Medizinische Techniken

In der Medizintechnik gibt es einige Störquellen, die einem Patienten mit einem Schrittmacher bekannt sein sollten.
Im Normalfall wird der untersuchende Arzt seinen Patienten nach einem Schrittmacher fragen.

Aber nicht jede elektrische Therapie liegt in den Händen von Ärzten und außerdem ist Vergessen menschlich.
Daher kann es nichts schaden, wenn Sie selbst auch wissen, welche Gefahren Sie meiden sollten.

Kernspintomographie (MR)

Diese Untersuchung mittels Kernspintomographie (MR) kann unter Umständen zu schwer wiegenden Störungen des Schrittmachersystems führen; solche Untersuchungen sollten daher bei Schrittmacherpatienten vermieden werden.

Computertomographie

Diese radiologische Technik ist wie andere Röntgenuntersuchungen für Sie als Schrittmacherpatient unproblematisch. Auch Ultraschalluntersuchungen, Szintigraphie oder andere nuklearmedizinische Techniken sind unbedenklich.

Bestrahlungen

Bestrahlungen mit Kobaltgeräten oder Linearbeschleunigern, Oberflächenbestrahlung und Tiefenbestrahlung, Röntgenbestrahlung sowie Stoßwellentherapie (Lithotriptor, ESWL) zu therapeutischen Zwecken können den Schrittmacher stören und unter Umständen sogar zerstören.

Vor einer solchen therapeutischen Intervention sollten sich Strahlentherapeut und Kardiologe beraten, um die für den Patienten besten Entscheidungen zu treffen.
Auch zur Frage der Mikrowellentherapie sollte der Kardiologe hinzugezogen werden.

Reizstrom

Elektrische Therapien wie Reizstrom, Neuralstimulation, TENS (über die Haut gehende elektrische Nervenstimulation), Muskelstimulation (so genannte Fitmacher), Iontophorese, Stangerbad oder Elektroakupunktur können zu Beeinträchtigungen der Funktion des Schrittmachersystems führen, bis hin zum vollständigen Stimulationsverlust.
Patienten mit Herzschrittmacher dürfen diese Therapien nicht durchführen.

Externe Defibrillation

Kammerflimmern ist immer eine lebensgefährliche Rhythmusstörung, die ohne externe Defibrillation zum Tode führt.
Wenn daher bei einem Herzschrittmacherträger Kammerflimmern vorliegt, muss dieser Patient wie jeder andere auch defibrilliert werden.

Weiß der Notfallarzt, dass sein Patient einen Schrittmacher trägt, wird er darauf achten, dass die Flächenelektroden des (externen) Defibrillators nicht über dem Schrittmacheraggregat, sondern an anderen Stellen des Oberkörpers platziert werden.

Nach erfolgter Defibrillation wird der Patient kardiologisch untersucht, um die Ursachen, die zum Kammerflimmern geführt haben, zu finden.
Das Schrittmacheraggregat wird auf seine Funktionsweise überprüft.

Elektrokauter

Diese Apparate sind zur Schnittführung und Blutstillung bei Operationen erforderlich.

Der Chirurg muss wissen, ob ein Patient Herzschrittmacherträger ist; Instrumente mit Hochfrequenzstromenergie können mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen angewendet werden.
Lassen Sie in jedem Fall den Schrittmacher nach der Operation überprüfen.

Störquellen im Alltag

Der Schrittmacherpatient ist im Alltag vielfältigen (möglichen) Störquellen ausgesetzt, die teilweise ungefährlich sind, aber auch zu schwer wiegenden Störungen eines Schrittmachers führen können.

Im Folgenden werden einige mögliche Störquellen vorgestellt.

Haushaltsgeräte

Von korrekt funktionierenden Geräten wie Mikrowelle, Herd, Toaster, Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner, Rasierapparat, Fernseher oder Föhn ist eine störende Beeinflussung nicht zu erwarten.

Allerdings sollten die elektrischen Geräte nicht unmittelbar in Verbindung zu dem Schrittmacheraggregat kommen.
Der Abstand zwischen Haushaltsgerät und Schrittmacheraggregat sollte etwa 30 cm betragen.

Neue elektrische Geräte

Lesen Sie die Gebrauchsanweisung.
Bei manchen Geräten wird ein Sicherheitsabstand von etwa einer Armlänge empfohlen, bei anderen Geräten ist ein kürzerer Abstand von Schrittmacheraggregat und Elektrogerät unbedenklich.

Defekte elektrische Geräte

Diese sind für Sie als Herzschrittmacherpatient problematisch, denn es kann zu störenden Beeinflussungen des Schrittmachersystems kommen.
Riskieren Sie nichts und benutzten Sie sie auf keinen Fall.

Telefone

Normale Telefone, schnurlose Telefone und Mobiltelefone können vom Schrittmacherträger unbedenklich verwendet werden.

Allerdings sollten Mobiltelefone im eingeschalteten Zustand nicht auf der Schrittmacherseite getragen werden. Das gilt auch beim Einschalten, Wählen und Telefonieren.

Auto-Zündung

Das Autofahren ist für den Schrittmacherpatienten unbedenklich.
Bei Reparaturarbeiten im Motorraum sollte der Motor in jedem Fall (auch zur Unfallvermeidung) ausgeschaltet sein. Zündung und Anlasser sollten nicht betätigt werden.
Achtung:
Die Unbedenklichkeit gilt nicht für Patienten mit einem implantierten Defibrillator!

Diebstahlsicherungen

Diese Anlagen in den Eingängen von Kaufhäusern oder Läden sind unproblematisch.
Allerdings sollten die Schrittmacherträger rasch hindurchgehen.

Flughafendetektoren

Bei Flughafenkontrollen sollten Sie in jedem Fall sagen, dass Sie Schrittmacherpatient sind, und den Schrittmacherausweis vorlegen.
Sie werden dann nicht mittels Metalldetektor untersucht, denn damit gäbe es in jedem Fall einen Alarm, sondern gesondert abgetastet.

Radaranlagen

Diese Anlagen, wie sie z.B. auf Flughäfen verwendet werden, sind unproblematisch.

Gewitter, Blitz und Donner

Diese Naturerscheinungen beeinflussen den Schrittmacher nicht und sind für alle Menschen gleichermaßen ungefährlich oder gefährlich.

Beruf und Hobby

Der Schrittmacherpatient kann, abhängig von seiner Grunderkrankung, seinem Beruf und Hobby nachgehen.

Wer beruflich in einem möglichen Problemfeld mit Transformatoren, Hochspannungsbetriebsanlagen, Induktionsöfen, Elektrolyseanlagen, Schweißvorrichtungen, Anlagen mit Permanentmagneten oder dergleichen tätig ist, sollte seinen Kardiologen bitten, eine Arbeitsplatzbegehung zu veranlassen, um den Grad der möglichen Gefährdung durch den Arbeitsplatz einzuschätzen.

Im Folgenden finden Sie einige Situationen, die das Schrittmachersystem stören könnten:

Bohrmaschinen

Das Arbeiten mit elektrischen, funktionsfähigen Bohrmaschinen ist für den Schrittmacherpatienten unproblematisch; allerdings sollte die Bohrmaschine etwa in einem Meter Abstand vom Schrittmacheraggregat gehalten werden.

Schweißverfahren (Elektroschweißen)

Ein Schrittmacherträger sollte nichts elektrisch schweißen, da die elektrische Energie den Schrittmacher stören könnte. Das Schweißen mit Gasen ist demgegenüber unbedenklich.

Gartengeräte

Elektrische oder mit Benzinmotor betriebene Gartengeräte wie Rasenmäher, Heckenschere oder Sägen können durch ihre Vibration bei Herzschrittmachern mit frequenzadaptiver Stimulationzu einem schnelleren Herzschlag führen.

Techno- oder Rockkonzerte

Hier können Vibrationen auf den Schrittmacher übertragen werden und mit einem schnelleren Pulsschlag einhergehen, wenn sich der Schrittmacherpatient direkt vor den Lautsprechern aufhält.

Notwendige Checks bei Herzschrittmacher-Patienten

Bei den regelmäßigen Kontrollen des Schrittmachers wird der Ladezustand der Batterie getestet, die Schrittmacherspeicher abgefragt und die Schrittmachereinstellung überprüft.

Darüber hinaus werden Parameter der Schrittmacherelektrode abgefragt und überprüft, um eine optimale Funktion des Schrittmachersystems zu gewährleisten.

Bedingung für eine optimale Betreuung des Schrittmacherpatienten ist die Verfügbarkeit der entsprechenden Abfrage- und Programmiergeräte.

Der Schrittmacher sollte zum ersten Mal etwa sechs Wochen nach der Implantation überprüft werden, danach in sechsmonatigen Abständen.

Home Monitoring System

Eine neuartige Technologie wurde entwickelt, um nach der Implantation eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators die Wirksamkeit Ihrer Therapie kontinuierlich sichtbar zu machen: das „Home Monitoring“.
Der Begriff bedeutet so viel wie „zu Hause beobachtet werden“.

Ist der Herzschrittmacher oder der Defibrillator mit dieser Zusatzfunktion eingepflanzt, berichten die Geräte live von ihrer Tätigkeit. Automatisch senden sie aus dem Herzen medizinische und technische Informationen an Ihren behandelnden Arzt.

Und so funktioniert das Ganze: Die beiden Implantate - also Herzschrittmacher oder Defibrillator - sind mit einer zusätzlichen kleinen Antenne ausgerüstet, die regelmäßig Informationen an ein Spezialhandy sendet.
Dieses Handy ist nicht viel größer als ein normales Mobiltelefon; man kann es auf den Nachttisch stellen oder tagsüber am Gürtel oder in der Handtasche tragen.

Das Besondere: Es leitet die Daten automatisch über das Mobilfunknetz an eine spezielle Internetseite weiter. Nur der behandelnde Arzt hat Zugriff auf diese Internetseite. Er kann sich dort von seiner Praxis oder vom Krankenhaus aus anmelden und die gespeicherten Daten Ihres Herzrhythmus sehen und bewerten.
Beispielsweise kann er prüfen, ob das Implantat optimal das Herz unterstützt, oder ob die Therapieeinstellungen optimiert werden können.

Bei bestimmten plötzlichen Veränderungen Ihres Herzrhythmus oder Ihres Implantats kann der Arzt zusätzlich sofort über E-mail, Fax oder SMS informiert werden.
So kann durch eine individuell angepasste Therapie, z.B. die Häufigkeit, mit der ein Defibrillator starke elektrische Impulse (Schocks) abgibt, im Laufe der Zeit verringert werden.

Der Arzt sieht auch, ob sich weitere Rhythmusstörungen entwickeln und kann so die Intervalle für Ihre Nachsorgeuntersuchungen individuell anpassen.
Home Monitoring ermöglicht Ihrem Arzt eine rasche Anpassung der Schrittmacher- oder Defibrillator-Therapie an die Bedürfnisse Ihres Körpers.
Das Home Monitoring System ist in Deutschland flächendeckend verfügbar.

Auch Reisen in das In- und Ausland sind möglich. Einzige Voraussetzung ist, dass das Wohngebiet oder der Reiseort durch Mobilfunk abgedeckt ist.

Derzeit (Ende 2003) werden ca. 2000 Patienten in Europa und den USA mit Home Monitoring aktiv betreut.
Bei weiteren Fragen zu diesem System wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt, der Ihnen sicherlich gerne beratend zur Seite steht.
Die Kosten für die Anwendung von Home Monitoring werden zurzeit jedoch noch nicht von den Krankenkassen erstattet.


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