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RATGEBER - Schilddrüse

Tumoren

Auch bei der Schilddrüse gibt es gut- und bösartige Geschwülste (Tumoren).

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Die gutartigen heißen Adenome. Wenn ein solches Adenom im Übermaß Hormone produziert, ist es ein "heißer" Knoten und bereitet die Probleme der Überfunktion.

Bei den bösartigen Tumoren handelt es sich fast immer Karzinome. Ganz selten finden sich andere bösartige Tumoren, die z. B. von den Lymphzellen ausgehen.

Der Schilddrüsenkrebs ist selten. Unter 100.000 Einwohnern erkranken daran pro Jahr etwa zwei bis drei Menschen.

Nach der Art des Krebsgewebes unterteilen die Mediziner den Schilddrüsenkrebs in folgende Befunde:
  • Warzenartiges (papilläres) Karzinom
  • Bläschenartiges (follikuläres) Karzinom
  • Markiges (medulläres) Karzinom (= C-Zell-Karzinom)
  • Undifferenziertes (anaplastisches) Karzinom.
Die verschiedenen Geschwülste kommen unterschiedlich häufig vor:

Papilläres Karzinom 

Medulläres Karzinom 

Follikuläres Karzinom

Anaplastisches Karzinom

50 - 80%

20 - 40%

4 - 10%

2%


Das anaplastische Karzinom gilt als sehr bösartig. Für die anderen Arten, besonders für das papilläre Karzinom, sind die Heilungschancen gut. Entscheidend ist aber auch, wie gut der Körper auf die Behandlung anspricht und wie frühzeitig der Tumor entdeckt worden ist.

Auch der Schilddrüsenkrebs kann Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Dabei verbreiten sich entartete Schilddrüsenzellen über das Blut zuerst in die Lunge und das Skelett oder über die Lymphbahnen in die Lymphknoten der Umgebung.

Warnzeichen für Schilddrüsenkrebs

Frühwarnzeichen gibt es praktisch nicht. Die Schilddrüsenhormonproduktion leidet nicht, so dass die Schilddrüsenwerte im Blut trotz der Krebserkrankung normal bleiben.

Schmerzen, Heiserkeit, derbe Knoten, verdickte Halslymphknoten oder Schluckbeschwerden sind meist schon Probleme fortgeschrittener Stadien.

Verdächtig ist ein schnell wachsender Knoten, vor allem wenn er bei Kindern und Jugendlichen oder bei älteren Menschen auftritt. Besonders gefährdet sind über sechzigjährige Männer.

Auffällig dicke Halslymphknoten und eine unbewegliche Schilddrüse, die sich bei Schluckbewegungen nicht verschiebt, deuten ebenfalls u. U. auf einen Schilddrüsenkrebs hin.

Im Blut kann nur eine Sonderform des Schilddrüsenkrebses, das medulläre (C-Zell-) Karzinom am hohen Kalzitoninspiegel erkannt werden.

Einige Schilddrüsenkarzinome treten familiär gehäuft auf. Diese erhöhte Risiko können die Familienmitglieder eines an Schilddrüsenkrebs Erkrankten als Chance auffassen.

Die Karzinome können nämlich durch eine genetische Untersuchung entdeckt und somit frühzeitig behandelt werden. Damit beträgt die Heilungschance bis zu 100 Prozent.

Ursachen von Schilddrüsenkrebs

Wie bei jeder Krebsentstehung wirken beim Schilddrüsenkrebs viele Faktoren zusammen.

Ein hohes Risiko entsteht durch Radioaktivität. Diese kann z. B. durch Bestrahlung der Halsregion wegen anderer Erkrankungen an die Schilddrüse gelangen.

Ein besonderes Risiko für die Schilddrüse ist auch durch das Reaktorunglück in Tschernobyl entstanden.

Radioaktives Jod (J-131), das bei Reaktorunfällen freigesetzt wird, kann viele hundert Kilometer weit auf dem Luftwege transportiert werden.
Es wird in der Schilddrüse gespeichert und kann sich dort hoch konzentrieren. Deshalb ist diese Drüse bei einem radioaktiven Unfall besonders für einen Tumor anfällig.

Die Radiojodbehandlung verursacht hingegen keinen Schilddrüsenkrebs.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Da es praktisch keine Frühwarnzeichen gibt, stehen die bildgebenden Verfahren bei der Krebsdiagnose im Vordergrund: Ultraschall der Schilddrüse mit Feinnadelpunktion suspekter Knoten, Szintigraphie der Schilddrüse, Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT), Magnetresonanztherapie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) bieten die Möglichkeit, ein Tumorwachstum in der Umgebung der Schilddrüse zu erkennen. 

Besonders bedenklich sind unscharf begrenzte und echoarme Knoten im Ultraschall.
Im Szintigramm wird geklärt, ob der Knoten "kalt" oder "heiß" ist.
Die Feinnadelpunktion liefert Hinweise auf die Gewebestruktur des Knotens. Im Zweifelsfall muss die operative Knotenentnahme die Situation klären.

Behandlung von Schilddrüsentumoren

Bei bösartigen Geschwülsten wird die Schilddrüse operativ entfernt.

Kann das Krebsgewebe Jod speichern, so werden Restgewebe oder Metastasen über Radiojodbehandlungen zerstört.

Die chemotherapeutische Zerstörung von Tumorzellen und Bestrahlung von außen sind Zusatzmaßnahmen, wenn die Operation alleine nicht ausreicht.

Therapie bei papillären und follikulären Karzinomen

Diese beiden Geschwulstarten unterscheiden sich von den anderen dadurch, dass das entartete Gewebe genauso wie normales Schilddrüsengewebe Radiojod speichern kann. Diese Eigenschaft hat Auswirkungen auf die Therapie.

Zuerst werden, wie bei allen Schilddrüsentumoren, die gesamte Schilddrüse und die zentralen Lymphknoten entfernt.
Sind weiter weg gelegene Lymphknoten ebenfalls befallen, müssen auch diese herausgenommen werden. Nur beim papillären Mikrokarzinom, das kleiner als 1 Zentimeter ist, muss nicht unbedingt die gesamte Schilddrüse entfernt werden.

Jetzt besteht die Chance für eine gut verträgliche Begleittherapie. Weil das eventuell verbliebene Restschilddrüsengewebe sowie Metastasen und Tumorreste meist dazu in der Lage sind, Jod aufzunehmen, können sie mit der Radiojodtherapie zerstört werden.

Therapie des anaplastischen Karzinoms

Dieser seltene Tumor wächst schnell zerstörerisch ins Nachbargewebe.
Er wird auch als undifferenzierter Knoten bezeichnet, weil das Tumorgewebe keine Ähnlichkeit mit dem Schilddrüsengewebe hat und somit völlig funktionslos ist. Es kann also kein Jod speichern, sodass eine Radiojodbehandlung nicht hilft.

Daher muss bei dieser Diagnose sofort operiert werden. Weil die Gefahr besteht, dass der Tumor schon Zellen gestreut hat, wird meist zusätzlich eine Chemotherapie und/oder eine Strahlentherapie von außen (perkutane Bestrahlung) durchgeführt.

Vor allem wenn ein Karzinom weit fortgeschrittenen ist, werden Medikamente eingesetzt, die das weitere Wachstum und die Zellteilung verhindern sollen.

Wenn das Tumorwachstum schon die Lymphknoten und Lymphbahnen erreicht hat, kann durch eine Bestrahlung von außen versucht werden, Krebsgewebe, Lymphknoten und Lymphbahnen zu veröden und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Therapie des C-Zell-Karzinoms

Das C-Zell- oder medulläre Karzinom geht von den C-Zellen der Schilddrüse aus, welche das Hormon Kalzitonin produzieren.

Kalzitonin ist wichtig im Kalzium- und Knochenstoffwechsel. Im Szintigramm zeigt der Tumor sich als "kalter" Knoten. Er unterdrückt also die Schilddrüsenfunktion.

Ein erhöhter Kalzitoninspiegel im Blut, eventuell nach einem Stimulationstest, lenkt den Verdacht auf ein medulläres Karzinom. Es gibt eine vererbbare und eine nicht vererbbare Form. Das C-Zell-Karzinom kann gleichzeitig in Kombination mit anderen Tumoren der inneren Drüsen auftreten.

Nach der Entdeckung eines solchen Karzinoms werden auch hier radikal die Schilddrüse und die Halslymphknoten entfernt.

Auch das C-Zell-Karzinom nimmt kein Radiojod auf, sodass sich diese Behandlung erübrigt und statt dessen mit "Strahl" und "Chemo" nachbehandelt wird.


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