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RATGEBER - Schlaganfall

Ein dumpfer Schlag in Händels Zimmer

Es geschah am 13. April 1737. Das ganze Haus erbebte von einem dumpfen Schlag. Etwas Massiges und Schweres musste es im oberen Stockwerk hingeschmettert haben.

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Der Diener des Komponisten Georg Friedrich Händel rannte die Stufen empor zum Arbeitszimmer seines Herrn. Er entdeckte ihn auf dem Boden liegend, regungslos, die Augen starr geöffnet.

Vom unteren Stockwerk kam der Famulus Christof Schmidt, der Helfer des Meisters herauf. Auch ihn hatte der dumpfe Fall aufgeschreckt. Als er Händel auf dem Boden liegen sah, holte er sofort den Arzt des königlichen Hofkomponisten, der nach wenigen Minuten das Zimmer betrat.

Dr. Jenkins merkte, dass ein Auge, das rechte, starr vor sich hin sah. Versuchsweise hob er Händels rechten Arm. Er fiel wie tot zurück. Dann hob er den linken. Er blieb in der neuen Lage. Jetzt wusste Dr. Jenkins genug. Als er das Zimmer verlassen hatte, folgte Schmidt ihm ängstlich zur Treppe. „Was ist es?“ „Die rechte Seite ist gelähmt“, antwortete Dr. Jenkins. „Und wird…“ Schmidt stockte das Wort. „Wird er genesen?“ Umständlich nahm Dr. Jenkins eine Prise seines geliebten Schnupftabaks. Er liebte derlei Fragen nicht. „Vielleicht. Alles ist möglich.“

Ob heute oder im 18. Jahrhundert - die Diagnose Schlaganfall bedeutet einen medizinischen Notfall. Er macht weder vor Prominenten noch vor Menschen wie dir und mir Halt.

Lenin erlitt im Mai 1922 seinen ersten Schlaganfall, bis er schließlich, nach langen Qualen, am 21. Januar 1924 an den Folgen seines vierten starb. Der Maler Henri de Toulouse-Lautrec wurde im Alter von nur 36 Jahren ebenso Opfer dieser Krankheit wie der Soulkönig Barry White oder die Schauspielerin Mae West.

Ob Schubert, Mozart und Haydn; Stalin, Churchill oder Roosevelt - die Liste der Prominenten, die einen Schlaganfall erlitten haben, ließe sich noch lange fortsetzen.

Täglich bekommen etwa 550 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, schützen Experten. Das macht rund 200.000 im Jahr. Doch man muss diese Zahl, wie bei vielen anderen Krankheiten, mit Vorsichtgenießen. Denn es gibt in der Bundesrepublik, im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA, keine zentrale Gesundheitsberichterstattung. Und die Ärzte sind deswegen leider oft auf Schätzungen und Stichproben angewiesen, um sich über das Ausmaß der Erkrankung ein Bild machen zu können. 


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