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RATGEBER - Cannabis auf Rezept

Die appetitanregende Wirkung von Cannabis

Anfang der siebziger Jahre wurden in der Folge des steigenden Cannabiskonsums unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen verstärkt die Wirkungen von Cannabis untersucht. Dabei fiel in verschiedenen Studien der appetitanregende Effekt auf, dem fortan gezielt nachgegangen wurde.

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Eine erste klinische Studie zum appetitanregenden Effekt von THC bei Krebspatienten wurde 1976 veröffentlicht. Die 54 Teilnehmer erhielten eine Woche lang dreimal täglich 2,5 bis 5 Milligramm THC oder ein Scheinmedikament (Placebo). Unter THC war eine Gewichtszunahme von 0,2 bis 0,4 Kilogramm zu verzeichnen, unter Placebo ein Gewichtsverlust von 0,6 - 1,0 Kilogramm.

Anfang der 90er Jahre folgten einige weitere kleine Studien mit Krebs- und Aids-Patienten, die einen ähnlichen Erfolg der THC-Behandlung bei Gewichtsabnahme nachwiesen.

In einer weiteren Studie wurde die Wirkung von dreimal täglich 2,5 Milligramm THC, eine Stunde nach den Mahlzeiten, bei 18 Krebspatienten in fortgeschrittenem Stadium untersucht. Bei 13 der 18 Patienten wurde eine Verbesserung des Appetits beobachtet. Es gab keine oder nur geringe Nebenwirkungen.

Weiterhin berichteten Cannabiskonsumenten, dass Speisen und Getränke unter dem Einfluss von Cannabis sehr gut schmeckten und Alltägliches sich in eine Köstlichkeit verwandeln könne.
Da sich bei Untersuchungen keinerlei Veränderungen der Geschmacksfunktion beobachten ließ, gehen Forscher davon aus, dass die subjektiven angenehmen Veränderungen des Geschmacks auf Veränderungen des Gedächtnisses und der Wahrnehmung zurückzuführen sind.

Früher wurde die Ansicht vertreten, THC beziehungsweise Cannabis führe zu einer Verminderung der Blutzuckerkonzentration, was den gesteigerten Appetit auslösen solle.

Bereits vor über 50 Jahren wurde jedoch in einer Untersuchung an 62 Freiwilligen gezeigt, dass Cannabis den Blutzuckerspiegel nicht relevant beeinflusst.
Bei 18 Untersuchten sank der Blutzuckerspiegel nach Cannabisgabe ein wenig, bei 36 stieg er ein wenig an und bei den übrigen acht veränderte sich nichts.

Später wurde der Einfluss von Cannabis auf den Zuckerstoffwechsel noch genauer untersucht. Auch hier fand sich kein relevanter Effekt.
Erst bei sehr hohen Dosen hat man bei einigen Probanden Wirkungen auf den Zuckerstoffwechsel festgestellt (Beeinflussung des Glukose-Toleranz-Tests).

Heute geht man davon aus, dass das körpereigene Cannabinodsystem bei der Appetitregulierung eine wichtige Rolle spielt.
Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnte man feststellen, dass der appetitanregende Effekt von Cannabis durch eine direkte Wirkung auf das zentrale Nervensystem verursacht wird.

In mehreren Untersuchungen wurde die Funktion der Anandamide, der körpereigenen Cannabinoide, im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anandamide Teil eines komplexen Systems im Gehirn sind, durch das kontrolliert wird, wann und wieviel gegessen wird.

Die Tatsache, dass die Anandamide an der Steuerung der Nahrungsaufnahme beteiligt sind, erklärt, warum Menschen nach dem Konsum von Cannabis hungrig werden und warum Cannabis Aids-Patienten hilft, Nahrung mit Appetit zu sich zu nehmen.

Wie auch die Anandamide aktivieren die Cannabinoide in Cannabis in bestimmten Gebieten des Kleinhirns, dem Hypothalamus, CB 1 - Rezeptoren, um die Nahrungsaufnahme und die Lebensfähigkeit des Menschen aufrecht zu erhalten.

Im Hypothalamus befindet sich die Regulation wichtiger Lebensfunktionen: die Wärmeregulation, der Wach- und Schlafmechanismus und auch die Regulation der Nahrungsaufnahme.


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