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RATGEBER - Rheuma

Entzündliches Weichteilrheuma (Kollagenose)

Unter dem Begriff „entzündliches Weichteilrheuma“oder „Kollagenose“ werden Krankheiten zusammengefasst, die verschiedene Organe befallen und untereinander viele Ähnlichkeiten haben können.

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Systemischer Lupus erythematodes (SLE), systemische Sklerodermie (SSc), Dermatomyositis (DM) oder Polymyositis (PM) und die Mischkollagenose (MCTD) sind die wichtigsten Krankheiten aus dieser Gruppe.

Dabei sind zwar Gelenke und Muskeln auch betroffen - deswegen werden diese Krankheiten ja auch zu den rheumatischen Erkrankungen gerechnet - dennoch entstehen die größeren Probleme meist durch den Befall innerer Organe oder der Haut. 

Systemischer Lupus erythematodes

Frauen zwischen 15 und 45 Jahren erkranken fast zehnmal häufiger als Männer am Systemischen Lupus erythematodes, auch als Schmetterlingsröte bekannt.

Insgesamt ist die Krankheit seltener als die rheumatoide Arthritis. Auf 2000 Einwohner kommt ein Lupus-Patient, aber 20 Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma.

Lupus erythematodes ist wie bei den meisten anderen rheumatischen Erkrankungen nicht aufgeklärt. Die Bereitschaft, daran zu erkranken, wird vererbt.

Auslöser können bestimmte Medikamente, Viren, Stress oder Sonnenexposition sein.

Eine Störung des körpereigenen Abwehrsystems spielt eine große Rolle bei der Krankheitsentstehung.

Das Abwehrsystem erkennt beim Lupus-Patienten die Organe des eigenen Körpers auf einmal nicht mehr als zugehörig und richtet seine Abwehrattacken nun auf körpereigenes Gewebe.

Entzündungen an den verschiedenen Organen, z.B. an Nieren, Gefäßen, Herz, Lunge, Muskulatur oder Gelenken sind die Folge.

Und da das Immunsystem diese Organe nicht wie Bakterien aus dem Körper schaffen kann, läuft der Abwehrprozess chronisch oder schubweise weiter.

Krankheitssymptome

Erste Symptome weisen auf den Ausbruch der Krankheit hin: Wechselnde Muskel- und Gelenkschmerzen in Armen und Beinen oder Kiefergelenken, gerötete oder geschwollene Haut, die sich heiß anfühlt, Fieber, Appetitlosigkeit und Müdigkeit.

Charakteristischer sind Gesichtsrötungen, schmetterlingsförmig über Nasenrücken und Wangen, manchmal schuppige Rötungen im Gesicht, auf der Kopfhaut, an Ohren, Armen oder Brustwand.

Kleine Einrisse der Lippen fallen auf. Schon wenig Sonne führt zum Sonnenbrand. Die Finger verfärben sich deutlicher bei Kälte. Gewichtsverlust oder -zunahme können plötzlich auftreten. Häufige starke Kopfschmerzen, starker Haarausfall, Brustschmerzen beim tiefen Einatmen, Blutdruckerhöhung, Anschwellen der Füße und Beine.

All das weist auf einen beginnenden Lupus erythematodes hin, die Konstellation ist bei jeder Patientin anders, kein einzelnes der Symptome ist aber beweisend.

Erst das gleichzeitige Auftreten mehrerer Symptome in Kombination mit bestimmten Antikörpern im Blut sichert die Diagnose.

Später im Verlauf treten mit unterschiedlichem Befallsmuster Allgemeinsymptome wie Fieber, Blutarmut und Appetitlosigkeit auf.

Arthritis, Muskelschmerzen, Schmetterlingsröte, Nierenfunktionsstörungen, Entzündungen von Brustfell oder Herzinnenhaut, Lymphknotenschwellungen und gelegentlich entzündliche Prozesse an Zentralnervensystem oder Rückenmark gehören zu der sehr breiten Erscheinungsweise dieser Krankheit.

Die Symptome können kommen und gehen. Die Funktionen der betroffenen Organe sind mehr oder weniger eingeschränkt.

So können Brustschmerzen und Atemnot auf Herz- und Lungenbeteiligung hinweisen; Schwellungen der Füße und Unterschenkel können Zeichen von Nierenfunktionsstörungen sein; Gedächtnisstörungen oder Psychosen lassen eine Beteiligung des zentralen Nervensystems vermuten; eine Verarmung an roten oder weißen Blutzellen weist auf Bluterkrankungen hin.

Behandlung

Der Lupus erythematodes ist zwar nicht heilbar, die Kontrolle der Krankheitssymptome ist aber oft möglich.

Ziel ist es, den Schweregrad und die Häufigkeit von Schüben zu vermindern.

Bei konsequenter Therapie und frühzeitiger Diagnose können heute Lupus-Patienten mit ein paar Einschränkungen ein normales Leben führen.

Schmerzlinderung kann manchmal durch Paracetamol, besser durch Antirheumatika erreicht werden. Sie wirken als Entzündungshemmer. Reicht das nicht aus, dann muss Cortison eingesetzt werden.

Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin wirken lindernd bei Lupus erythematodes.

Allerdings dauert es doch Wochen, bis die Behandlung wirkt. Immunsuppressive Therapien unterdrücken die Aktivität des überschießend arbeitenden körpereigenen Abwehrsystems und vermindern damit die Entzündung.

Cyclophosphamid und Azathioprin werden deshalb bei Lupus-Patienten verordnet. Die Medikamente haben ein breites Nebenwirkungsspektrum und müssen unbedingt ärztlich überwacht werden.

Alkohol und einseitige Ernährung begünstigen neue Schübe. Beides sollte vermieden werden.

Bewegungstherapien erhalten die Beweglichkeit und stärken die Muskeln. Ausdauertraining durch Schwimmen, Laufen oder Radfahren stärkt das Herz-Kreislaufsystem. Überbelastungen, besonders bei entzündlichen Schüben, müssen aber vermieden werden.

Sklerodermie (SSc)

Auch diese Krankheit gehört zum „entzündlichen Weichteilrheuma“.
Auf 1500 bis 2000 Einwohner kommt ein Patient mit Sklerodermie. Überwiegend erkranken Frauen (5:1) zwischen 30 und 50 Jahren.

Die immunbedingte rheumatische Sklerodermie lässt neben Muskelund Gelenkbefall narbenähnliche Verhärtungen und Verdickungen der Haut entstehen.
Bei der generalisierten Form sind innere Organe wie Niere, Herz oder Lungen durch übermäßige Kollagenbildung mitbetroffen.

Weißliche Hautverdickungen mit gerötetem Rand, z.B. auf der Stirn, am Arm oder den Beinen, sind erste Zeichen.
In der Kälte verfärben sich die Finger blau, sie werden taub, trocken und sind rau.
Trockene Schleimhäute mit Mund- und Augentrockenheit entstehen. Schluckbeschwerden und Sodbrennen folgen. Kopfschmerzen, Benommenheit und Sehstörungen treten bei einer Nierenbeteiligung auf.

Eine mildere Verlaufsform der generalisierten Sklerodermie ist das CREST-Syndrom.

CREST steht für Kalkablagerungen unter der Haut (Calcinosis), Gefäßverengungen mit Durchblutungsstörungen der Finger (Raynaud-Syndrom), Schluckstörungen, Sodbrennen und ggf. auch Darmfunktionsstörungen (Esophageal dysfunction), Verdickung der Finger (Sclerodactylie) und Blutgefäßerweiterungen als kleine rote Punkte auf der Haut, Lippen oder der Zunge (Teleangiektasien).

Die schwerere Form der Krankheit befällt die gesamte Haut, so dass Bewegungsstörungen in den Fingergelenken entstehen. Der Befall innerer Organe und bindegewebiger Weichteile kann Lungen- und Herzfunktionsstörungen mit Atemnot und Herzrhythmusstörungen zur Folge haben und den Ausfall anderer Organe, vor allem der Speicheldrüsen mit Mund- und Schleimhauttrockenheit, nach sich ziehen.

Trotz Behandlung sind ganz langsam fortschreitende Veränderungen bis hin zu schnell sich entwickelnden Verhärtungen - Sklerosierungen - mit all ihren Folgen an den betroffenen Organen möglich.

Atemnot und Husten treten als Zeichen der Schwäche der Atemmuskulatur auf.  

Therapie

Schmerzmittel, Cortison und krankheitsverlangsamende Medikamente können für einen weniger belastenden Verlauf sorgen.
Penicillamin soll die Kollagenproduktion in den Weichteilen stoppen, Hautpflege kann die Austrocknung lindern, Unterkühlung ist zu vermeiden.

Rauchverbot gilt, um Durchblutungsstörungen nicht zu verschlimmern. Kleine Mahlzeiten mit viel Flüssigkeit entlasten die Speiseröhre. Bewegungstherapien helfen die Beweglichkeit der Gelenke wiederzuerlangen und fördern die Gewebedurchblutung.

Diäten zur Verminderung der Calciumaufnahme haben keinen Einfluss, auch nicht auf die Entstehung der Kalkablagerungen unter der Haut.

Polymyositis (PM) und Dermatomyositis (DM)

Diese beiden Formen des entzündlichen Weichteilrheumas unterscheiden sich vor allem in ihrem Ausmaß voneinander.

Zusammengezählt kommt auf 2000 Einwohner ein Patient mit Polymyositis oder Dermatomyositis.

Es erkranken Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren und Erwachsene zwischen 50 und 70 Jahren; doppelt so häufig Frauen wie Männer.

Die Polymyositis führt zur Muskelschwäche in allen möglichen Muskeln, einschließlich Herz und Atemmuskulatur.

Oft ist gleichzeitig die Haut erkrankt und lichtempfindlich. Dann spricht man von der Dermatomyositis.

Die Immunerkrankung verläuft chronisch und in Schüben. Sie kann zu jeder Zeit zum Stillstand kommen.

Die Oberschenkelmuskulatur erkrankt zuerst, manchmal die Muskeln des Schultergürtels. Das Aufsteigen aus der Hocke geht nicht mehr, das Treppensteigen wird schwer. Hilfe wird beim Ankleiden erforderlich. Jeder andere Muskel kann beteiligt sein. Die Gelenke schmerzen, sind aber nicht entzündet.

Lilafarbene Hautflecken entstehen in Gesicht oder Nacken oder auf der Brustwand. Das Lungengewebe verhärtet. Da können leichter Lungenentzündungen entstehen, die konsequent behandelt werden müssen.

Bei Kindern eher als bei Erwachsenen entstehen manchmal große Kalziumdepots in der Haut. 

Therapie

Behandlungsziel ist auch bei dieser Autoimmunerkrankung, die Krankheitssymptome unter Kontrolle zu bringen. Dabei helfen Cortison und Basistherapeutika wie Metotrexat, Goldsalze, Sulfasalazin, Hydroxychloroquin oder Azathioprin.

Verschiedene experimentelle Behandlungen sind möglich.

In jedem Fall wählt der Arzt eine individuelle Therapie aus. In weniger aktiven Krankheitsphasen können krankengymnastische Behandlungen versucht werden.

Eine Heilung ist nicht möglich.

Sjögren-Syndrom und Raynaud-Syndrom

Das kranke Immunsystem kann sekretabsondernde Drüsen, z.B. die Speicheldrüsen, lahm legen. Es entsteht das Sjögren-Syndrom. 

Trockenheit von u.a. Mund- und Augen- oder, bei Frauen, der Scheidenschleimhaut sind die Folge.

Aber auch andere drüsenhaltige Organe wie der Magen können befallen und in ihrer Funktion gestört sein.

Die Entzündung wird mit Antirheumatika behandelt, ggf. auch mit Cortison.

Oft versucht der Arzt auch mit Basistherapeutika zu therapieren.

Für das Raynaud-Syndrom mit Durchblutungsstörungen der Haut und anderer Körperregionen sind bläuliche und kalte Hände und Füße, Ohren und Nase charakteristisch.

Die Erkrankung kann alleine oder zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten.


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