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RATGEBER - Rheuma

Gicht

Die Gicht befällt vor allem das Großzehengelenk, dann auch Hand- und Fingergelenke.

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Harnsäurekristalle lagern sich in Gelenken und umgebenden Weichteilen ab und verursachen akut sehr schmerzhafte Gelenkentzündungen. Dabei kommt es zu blasigen Knochenzerstörungen und Auftreibungen in Gelenknähe.

Dies kann der Arzt auf dem Röntgenbild gut erkennen.

Entstehung der Gicht und ihre Symptome

Harnsäure ist ein Abbauprodukt unseres Zellstoffwechsels und wird in den Urin ausgeschieden.

Gichtkranke produzieren entweder zu viel Harnsäure oder die Nieren schaffen es nicht, die normale Harnsäuremenge auszuscheiden. In beiden Fällen steigt im Blut die Menge an Harnsäure.

Blut kann Harnsäure aber nur bis zu einer bestimmten Menge lösen. Der Überschuss kristallisiert in den mit Blut versorgten Geweben und Organen. In der Niere entstehen Harnsäuresteine.

Unter der Haut bilden sich meist über den Streckseiten der Gelenke Gichtknoten mit Harnsäurekristallen. Im Gelenk setzen sich die Harnsäurekristalle ab und reizen die Schleimhäute bis hin zur schwersten Entzündung.

Die Krankheit kommt anfallsweise und unerwartet über Nacht mit starken Schmerzen in der Großzehe, seltener an Sprunggelenken, Knien, Fußwurzeln, Fingern und Handwurzeln oder Ellbogen.

Das Großzehengrundgelenk wird heiß, gerötet und extrem schmerzempfindlich, so dass jede Berührung, auch durch die Bettdecke, im Gichtanfall unerträglich wird.
Unbehandelt dauert der Anfall 7 bis 10 Tage.

Wer die Gicht bekommt

Männer zwischen 30 und 50 Jahren sind besonders häufig betroffen.
Frauen bekommen Gicht meist erst, wenn sie über 60 Jahre alt sind.

Eine erbliche Veranlagung, übermäßige Nahrungsaufnahme, Völlerei und Alkoholgenuss begünstigen die Gicht. Harntreibende Mittel lösen beim vorbelasteten Patienten den Gichtanfall aus.

Innerhalb eines Jahres stellt sich meist der zweite Gichtanfall ein. Danach treten Attacken immer häufiger auf und dauern länger.

Laboruntersuchungen

Im Blut ist die Harnsäurekonzentration vor dem Anfall erhöht, während des Anfalls sinkt sie rapide ab.

Niedrige oder normale Blutharnsäurewerte schließen allerdings eine Gicht nicht aus.

Umgekehrt muss selbst bei hohen Harnsäurewerten nicht zwangsläufig eine Gicht entstehen.

Bei der Punktion eines Gichtgelenkes können Harnsäurekristalle nachgewiesen werden.

Behandlung

Durch die Behandlung sollen die Anfälle verhindert oder gelindert, Gichtknoten oder Nierensteine vermieden werden.

Nicht-steroidale Antirheumatika helfen gegen Schmerz und Entzündung. Sie verhindern aber nicht den Harnsäureanstieg oder die Gelenkzerstörung.

Manchmal wird Cortison ins Gelenk gespritzt. In anderen Fällen wird noch das nebenwirkungsreiche Colchicin zur Behandlung verwendet. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können dabei auftreten.

Um Rückfälle zu vermeiden, muss die Harnsäureproduktion vermindert oder die Ausscheidung über die Nieren beschleunigt werden.

Dazu wird vor allem Allopurinol als Langzeitbehandlung eingesetzt. Dieses Medikament darf keinesfalls plötzlich abgesetzt werden, denn dann kommt es zur Überproduktion von Harnsäure und der nächste Gichtanfall steht ins Haus.

Die konsequente Einhaltung einer harnsäuresenkenden Diät macht Arzneimittel überflüssig oder hilft zumindest Medikamente einzusparen.

Neben der Normalisierung des Körpergewichtes ist eine purinarme Kost die Basis. Fisch, Fleisch oder Wurst werden reduziert.

Als Eiweißquelle sind Milch und Milchprodukte günstiger. Innereien, Hülsenfrüchte und andere purinreiche Lebensmittel wie Spinat, Spargel, Kohl und Rosenkohl sind zu meiden.

Alkohol jeglicher Art vermindert die Harnsäureausscheidung. Vor allem Bier enthält noch zusätzlich Purin. Je nach Krankheitsintensität ist Alkohol daher ganz verboten oder nur ein Glas Wein oder Bier pro Tag erlaubt. Erlaubt sind Tee und Kaffee.

Änderungen der Ernährungsgewohnheiten und medikamentöse Normalisierung der Harnsäurespiegel sind die Voraussetzungen für einen günstigen Verlauf.

Physikalische Therapiemaßnahmen wie Kälteanwendungen können die Schmerzen lindern. Die Krankengymnastik ist im Intervall zwischen den Schüben sinnvoll.


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