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RATGEBER - Rheuma

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine komplexe Erkrankung, die Gelenke und Sehnenscheiden, oft aber auch innere Organe befällt und diese zerstören kann.

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Schwere Verlaufsformen mit Befall von Herz oder Lungen, Haut oder Augen (Lederhaut- oder Bindehautentzündung), Blutgefäßen oder Halswirbelsäule sind lebensverkürzend.

Man stirbt nicht am Rheuma, aber an den Folgen der Krankheit.
Die rheumatoide Arthritis befällt den ganzen Körper und gehört zu den systemischen Erkrankungen. Man muss sie von Anfang an ernst nehmen und konsequent behandeln, da einmal eingetretene Schäden nicht rückgängig gemacht werden können.

Häufigkeit

In Deutschland gibt es etwa 1 Million Patienten mit rheumatoider Arthritis. Jährlich erkrankt von 1000 Personen durchschnittlich ein Patient neu.
Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Ein erster Erkrankungsgipfel fällt in das dritte bis vierte Lebensjahrzehnt. Im hohen Lebensalter häuft sich noch einmal die Zahl der Ersterkrankungen.

Krankheitsursache

Die Ursache der rheumatoiden Arthritis ist unbekannt, die erbliche Belastung gilt als gesichert.

Fehlregulationen der körpereigenen Abwehr (Autoimmunität) und Prozesse der Gewebezerstörung spielen bei der Krankheitsentstehung eine wichtige Rolle.

Die entscheidenden Anzeichen

Entzündete, geschwollene und überwärmte Fingergelenke, Kraftlosigkeit und Schmerzen in den Händen, Verschlechterung des Allgemeinzustandes - das sind oft die ersten Anzeichen für eine rheumatoide Arthritis.

Nach einem ersten Schub kann alles überstanden sein. Häufiger treten jedoch wiederkehrend Gelenkentzündungen auf, die Wochen andauern. In schweren Fällen hört ein Schub gar nicht mehr auf.

Die Entzündung wird immer schlimmer und befällt weitere Gelenke.

Die Entzündung kann auch auf Haut und Schleimhaut übergreifen und zu Mund- und Augentrockenheit führen. Durch Müdigkeit und Grippegefühl fühlen sich die Betroffenen krank. Jetzt ist eine konsequente Therapie erforderlich.

Infotabelle

Gelenkbefall - gelistet nach Häufigkeit. Am häufigsten sind die Fingergelenke befallen, selten die kleinen Gelenke, die die Stimmbänder steuern.

Fingergelenke

Kniegelenke

Handgelenke

Schultergelenke

Sprunggelenke

Zehengelenke

Ellenbogengelenke

Halswirbelsäule

Hüftgelenke

Kiefergelenke (Kaubeschwerden)

Stimmbandgelenke (Heiserkeit!)

Durch Beobachtung der Symptome legt der Arzt fest, wie aktiv die Krankheit ist, und er stellt eine Prognose.

Dazu werden Morgensteifigkeit der Gelenke und die Anzahl der Gelenke mit Schwellung und Schmerzen registriert. Die Endgelenke der Finger bleiben meist ausgespart.

Rheumaknoten können über den Streckseiten der Fingergelenke oder der Ellenbogen entstehen.

Störungen an inneren Organen wie Nieren oder Darm, Leber oder Blutgefäßen finden sich meist erst im fortgeschrittenen Stadium.

Die Laborveränderungen geben nur Hinweise. Alle Symptome, keines ist zwingend, führen wie ein Puzzle zur Diagnose.

Technische Untersuchungen

Wenn unklare Gelenkbeschwerden auftreten, wird Sie Ihr Arzt zu einem internistischen Rheumatologen schicken, der sich in Diagnostik und Therapie dieser Krankheiten besonders gut auskennt.

Orthopädische Rheumatologen haben eine Spezialausbildung für die operativen Techniken und sind deshalb meist in der Klinik tätig.

Sie arbeiten Hand in Hand mit den internistischen Rheumatologen zusammen.

Blutuntersuchung

Allgemeine Entzündungszeichen im Blut - das sind eine erhöhte Blutsenkungsreaktion (BKS) oder ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) - können zusammen mit dem erhöhten Rheumafaktortiter (RF) schon auf eine erhöhte Entzündungsaktivität hinweisen.

Neuerdings hilft die Bestimmung des „citrullinierten Peptids“ bei der Diagnosesicherung. Man kann auch Autoimmunphänomene nachweisen, indem Antikörper gegen körpereigene Zellstrukturen untersucht werden.

Zur Erinnerung: Autoimmunphänomene sind kennzeichnend für die rheumatoide Arthritis.

Alle Laborbefunde, auch der positive „Rheumafaktor“, erlauben alleine keine sichere Diagnose einer rheumatoiden Arthritis, weder im Früh- noch im Spätstadium.

Denn Rheumafaktoren sind auch bei anderen Erkrankungen und bei ca. 5 Prozent der gesunden Bevölkerung nachzuweisen.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis haben keine Rheumafaktoren im Blut, man spricht dann von einer „seronegativen RA“.

Röntgen

Hände und Füße sollten zu Beginn der Erkrankung und dann in etwa jährlichen Abständen geröntgt werden.
Damit kann die Zerstörung des gelenknahen Knochens überwacht werden.

Anfänglich kommt es zur Entkalkung des Knochens, dann entstehen Zysten. Bei fortschreitender Zerstörung werden bald auch die Weichteilstrukturen des Gelenkes einbezogen. Gelenkführung und Gelenkfunktion gehen verloren.

Andere betroffene Gelenke röntgt man nur bei besonderen Fragestellungen, wenn unklar ist, ob z.B. eine Cortisoninjektion sinnvoll ist, wenn Operationen anstehen oder wenn die Ursache für schwerer Funktionsstörungen abgeklärt werden soll.

Szintigraphie

Die Gelenkszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, mit der die Aktivität von Körpergewebe dargestellt werden kann.

Damit kann man in Frühstadien der rheumatoiden Arthritis Entzündungen entdecken.

Die Methode hat aber Nachteile: Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, entzündliche Gelenkveränderungen von reinen Gelenkverschleißerscheinungen abzugrenzen.

Ultraschall / Sonographie

Mit Ultraschall können die Weichteile der Gelenke jederzeit und ohne Belastung untersucht werden.

Die Beurteilung der Befunde erfordert erfahrene Untersucher.

Magnetresonanztomographie

Die Magnetresonanztomographie (MRT oder Kernspin) deckt Weichteilveränderungen, z.B. Quetschungen des Rückenmarks auf oder den Gewebezerfall bei einem Gewebstod des Hüftkopfes, z.B. nach Cortisonbehandlung.

Computertomographie

Die Computertomographie (CT) ist eine röntgenologische Untersuchungsmethode, bei der Knochenstrukturen computergesteuert schichtweise dargestellt werden.

Was kann man selbst tun?

Starke Schmerzen und Schwellungen, Funktionsstörungen der Gelenke, die Ihnen die Verrichtung alltäglicher Dinge oder die normale Bewegung, das Gehen erschweren, können mit der richtigen Behandlung in den allermeisten Fällen vermieden werden.

Umfassende Kenntnisse über die Krankheit, geeignete Maßnahmen, Medikamente und deren Nebenwirkungen geben die Kraft, Probleme selbst anzugehen.

Der informierte Patient ist der bessere Partner für seinen Arzt.

Informationen können Sie sich in eigens dafür eingerichteten Schulungsveranstaltungen für Rheumatiker einholen, sowie in Rehabilitationskliniken, beim Rheumatologen, in den Selbsthilfegruppen oder einfach bei anderen Betroffenen.

Tipp

Aufgaben, die Sie selbst lösen können:

  • Schmerzmanagement
  • richtiger Umgang mit Medikamenten
  • regelmäßige Bewegungsübungen
  • Alltägliches richtig managen
  • gesunde Ernährung
  • Beurteilung der Komplementärmedizin
  • Informationsbeschaffung
  • Austausch mit anderen Betroffenen

Behandlungsstrategien

Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis gibt es viele Therapieansätze. In jede Therapieplanung sollte der Patient aktiv einbezogen werden.

Ziel ist Linderung der Symptome, Vermeidung von Operationen und günstigstenfalls der Krankheitsstillstand.

Moderne Therapieverfahren greifen in den Krankheitsprozess bei der rheumatoiden Arthritis ein, indem sie gestörte immunologische Prozesse regulieren.

Zur Wahl stehen die älteren Basistherapeutika, die neuesten nebenwirkungsarmen Antirheumatika (COXIBe) und Biologika, die gezielt in die Entstehungskette der Krankheit eingreifen.

Basistherapeutika

Basistherapeutika halten den Zerstörungsprozess an den Gelenken auf, verringern die entzündliche Krankheitsaktivität und reduzieren Schübe.

Dies erkennt man auch anhand von verbesserten Laborbefunden, weil die Aktivität der Entzündung nachlässt. Der Stillstand der Krankheit lässt sich auch am Röntgenbild erkennen, die darauf zu erkennende Gelenkzerstörung schreitet nicht weiter voran.

Basistherapien müssen frühzeitig nach der ersten Diagnosesicherung begonnen werden, damit Gewebezerstörungen und Funktionsstörungen gar nicht erst auftreten können.

Wichtig: Basistherapeutika wirken nicht sofort, sondern möglicherweise erst nach drei Monaten. Zudem gibt es je nach Patient unterschiedlich starke Nebenwirkungen.

Manche Betroffene spüren gar nichts, andere bekommen möglicherweise Magen-Darmbeschwerden, Kopfschmerzen und Müdigkeit oder Hautausschläge. Teilen Sie solche Veränderungen sofort Ihrem Rheumatologen mit.

Die akuten Symptome der Erkrankung - wie Gelenkschmerz und -entzündung - werden durch Prostaglandinsynthesehemmer (Antirheumatika) und Cortison gelindert oder beseitigt.

Deshalb wird neuerdings ein geringer basistherapeutischer Effekt auch für die Gruppe der Antirheumatika angenommen, für die Cortisontherapie ist er nachgewiesen.

Neben der medikamentösen Therapie dürfen auch krankengymnastische Übungen, Hilfsmittel und Gelenkschutz im Alltag nicht vernachlässigt werden.

Maßgeblich für den Behandlungserfolg ist neben den klinischen Befunden die Selbstbeurteilung des Patienten. Daran und an Nebenwirkungen orientiert sich das weitere Vorgehen.

Operationen

Wenn bei fortgeschrittener Gelenkentzündung alle Möglichkeiten zur Schmerzlinderung ausgeschöpft sind und der Alltag durch Behinderungen immer schwieriger wird, dann kann eine erfolgreiche Operation ein Segen sein.

Operationen sollten nicht zu spät erwogen werden. Bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen ist dies besonders wichtig.

Wartet man beispielsweise zu lange mit dem Einpflanzen einer Knieendoprothese, kann der Knochen schon so ausgedünnt sein, dass die Prothese nicht mehr hält.

Als Operationsverfahren kommt auch die Entfernung des überschießenden Entzündungsgewebes aus der Gelenkhöhle in Frage, die Synovialektomie. Der Prozess, der den Knorpel und den Knochen zerstört, wird dadurch unterbrochen.

Weiterhin ist bei den großen Gelenken wie Knie und Hüfte der Gelenkersatz zur Routine geworden, wenn das Gelenk trotz Anwendung konservativer Maßnahmen bei Bewegung schmerzt.

Bei anderen Gelenken wie der Schulter, den Sprunggelenken oder den Fingergelenken sind die Gelenkersatzoperationen weniger zuverlässig. Einige Zentren mit den jeweils größten Erfahrungen können da am besten Rat geben.

Statt Gelenkersatz sind an den Sprunggelenken, Handwurzelgelenken oder an der Wirbelsäule Versteifungsoperationen (Arthrodesen) manchmal die besseren Lösungen. Sie beseitigen mit relativ gutem funktionellem Ergebnis die Schmerzen - einfach deshalb, weil keine Bewegung im betroffenen Segment mehr möglich ist, die Schmerzen auslösen könnten.

Nach der Operation

Der Langzeiterfolg einer Operation wird wesentlich von der Nachsorge unmittelbar nach Abheilung der Operationswunde bestimmt.

Ein künstliches Gelenk funktioniert nie so gut wie ein gesundes eigenes. Das Ziel einer Operation ist die Schmerzbeseitigung, die Wiedererlangung der Gelenkfunktion und Vermeidung der drohenden Behinderung.

Physikalische Therapie, Krankengymnastik und Entschlossenheit, das sind die Werkzeuge zum Erfolg. Je konsequenter und intensiver durchgezogen, desto schneller kann das normale Leben wieder beginnen.

Nach Hüft- oder Kniegelenksoperationen können Sie Leistungssportarten oder andere Aktivitäten mit hoher Gelenkbelastung natürlich nicht mehr durchführen.

Lernen Sie, mit den Einschränkungen zu leben, damit der Erfolg der Operation nicht gefährdet wird. Sind Sie unsicher, besprechen Sie die geplanten
Aktivitäten mit dem Arzt.

Neue Entwicklung: Eingriff in das Immunsystem

Große Fortschritte in der Behandlung einer rheumatoiden Arthritis hat die Erforschung der körpereigenen Abwehr, der Immunologie, mit sich gebracht.

Aufgabe des Immunsystems ist es, „Angreifer“ von außen, z.B. Viren, Bakterien und Gifte abzuwehren.

Ein gestörtes Immunsystem aber erkennt die eigenen Gelenkschleimhautzellen als fremd und versucht sie abzuwehren.

In der Folge greifen Immunzellen und Antikörper körpereigene Strukturen an. Wenn dies geschieht, spricht man von einer „Autoimmun-Erkrankung“.

Die Folge des Abwehrkampfes ist die Entzündung. Bei einer rheumatoiden Arthritis sind sowohl Gelenke als auch Organe betroffen. Es kommt zu einer andauernden, chronischen Abwehrschlacht und Gelenkentzündung.

Gegen die beteiligten Antikörper und Zellen hat die Forschung jetzt neue Wirkstoffe entwickelt. Es können biologisch hergestellte spezifische Antikörper als Medikamente gespritzt werden. Das krankhafte Immungeschehen kommt dann zur Ruhe.

Die wissenschaftlichen Projekte sind noch lange nicht abgeschlossen, die sich auch mit dem Zerstörungsprozess von Knorpel, Knochen, Bändern, Sehnen und Muskeln bei der rheumatoiden Arthritis beschäftigen.
Sobald man diese Prozesse besser versteht, wird man auch noch genauer angepasste Therapien entwickeln können.

Ausblick

Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis haben oft sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe.

Es ist alles möglich: Vom frühen Krankheitsstillstand (Remission) nach einer ersten entzündlichen Episode bis hin zu chronisch immer wieder auftretenden Krankheitsschüben, dramatischen Gelenkzerstörungen und der Beteiligunginnerer Organsysteme.

In der Forschung wird daher die Frage diskutiert, ob die rheumatoide Arthritis möglicherweise nicht eine einzelne Krankheit ist, sondern in Wahrheit mehrere Krankheiten mit verschiedenen Ursachen unter einem Namen vereint.

Würde sich dies bewahrheiten, könnten Rheumatologen endlich verstehen, warum bei einem Patienten eine bestimmte Therapie wirkt, bei einem anderen hingegen nicht.
Würde die rheumatoide Arthritis in verschiedene Untergruppen eingeteilt, wäre es denkbar, dass für diese später einmal gezielt hochspezifische Therapien eingesetzt werden. Bis dahin ist es aber noch weit.


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