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RATGEBER - Schmerzen

Neuraltherapie: Hilfe durch örtliche Betäubungsmittel

Örtliche Betäubungsmittel - auch als Lokalanästhetika bezeichnet - kennen die meisten von uns nur von kurzen ärztlichen Eingriffen, zum Beispiel beim Zahnarzt.

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Man bekommt eine Spritze, dann werden Lippe und Wange taub und schon kurze Zeit später spürt man gar nichts mehr; der Zahnarzt kann bohren, ohne dass es uns weh tut.

Lokalanästhetika wirken direkt am Nerv und hemmen dort den Einstrom von bestimmten Ionen (geladene Moleküle), die für die Erregung der Nervenzelle von zentraler Bedeutung sind.
Können diese Ionen nicht in die Nervenzelle gelangen, kann auch der Schmerzreiz nicht weitergeleitet werden.

Erholung für die Schmerzrezeptoren

Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben mehrere Ärzte und Wissenschaftler unabhängig voneinander herausgefunden, dass Lokalanästhetika noch weit mehr vermögen, als nur kurzfristig eine „örtliche Betäubung“ zu verursachen.

Bei gezieltem Einsatz können sie auch dann noch Schmerzen lindern, wenn die eigentliche Wirkdauer des örtlichen Betäubungsmittels schon längst vorüber ist.

Die Schmerzlinderung dauert quasi länger an als eigentlich gedacht? Wie ist das möglich? Hierfür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen führen Schmerzen oft reflektorisch zu einer Anspannung von Muskeln, wodurch die Schmerzen noch verschlimmert werden.
Durch die Gabe von Lokalanästhetika haben auch die Muskeln kurzfristig Gelegenheit, sich zu entspannen und verursachen somit nicht noch weitere Schmerzen.

Zum anderen führen Lokalanästhetika neben der Schmerzhemmung auch zu einer Erweiterung von Blutgefäßen.
Die dadurch gesteigerte Durchblutung ermöglicht, dass Entzündungsstoffe, die sich am Ort des Schmerzgeschehens angehäuft haben, besser ausgewaschen werden.

Diese zwei Mechanismen, Muskelentspannung und verbesserter Abtransport von Entzündungsstoffen, bewirken, dass die zuvor ständig überaktivierten Schmerzrezeptoren Zeit haben, sich zu erholen. Nach der kurzen „Verschnaufpause“ sind sie dann besser gewappnet und reagieren nicht mehr so empfindlich auf neu auftretende Schmerzreize. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als Desensibilisierung. Es ist eine Erklärung für die länger anhaltende Schmerzfreiheit.

Diese Eigenschaften der Lokalanästhetika bilden die Basis der Neuraltherapie, die im Jahr 1925 von den Ärztebrüdern Walter und Ferdinand Huneke begründet wurde.

Sie wird heutzutage bei Schmerzerkrankungen, aber auch bei vielen anderen Beschwerden wie beispielsweise bei Schlafstörungen, Erkrankungen von Atemtrakt, Herz-Kreislauf, Magen und Darm, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse oder der Unterleibsorgane mit Erfolg eingesetzt.

Die Häufigkeit der Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild und danach, ob es sich um akute oder bereits chronische Schmerzen handelt.
Bei akuten Schmerzen sollte möglichst täglich behandelt werden, bei chronischen Schmerzen ein- bis zweimal pro Woche.

Das am häufigsten verwendete Neuraltherapeutikum ist Procain.

Segment- und Störfeldtherapie

Im Laufe der Jahre haben sich zwei Hauptformen der Neuraltherapie herauskristallisiert: die Segment- und die Störfeldtherapie.

Bei der Segmenttherapie geht man davon aus, dass innere Organe über Nervenverbindungen mit bestimmten Zonen der Haut, den Reflexzonen, verbunden sind.
Durch die Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels in das Hautsegment kann man also einerseits Schmerzen direkt in diesem Bereich beeinflussen, andererseits aber auch solche, die von dem zugehörigen Organ ausgehen.

Örtliche Betäubungsmittel wie Procain oder Lidocain werden als Quaddeln direkt unter die Haut oder auch in tieferliegendes Gewebe gespritzt.

Nach mehrmaliger Behandlung sind über 30 Prozent der behandelten Patienten langfristig schmerzfrei. Bleiben Segmentbehandlungen erfolglos, nimmt man an, dass die Ursache der Beschwerden in einem bisher noch nicht erkannten Störfeld liegt.

Bei der Störfeldtherapie geht man davon aus, dass Schmerzen oder andere Beschwerden von so genannten Störfeldern im Körper ausgehen.
Diese Störfelder oder Irritationszentren können zum Beispiel ungünstig verheilte Narben oder kariöse Zähne sein - am häufigsten befinden sich Störfelder im Kopfbereich.

Von ihnen werden dauerhaft „gestörte“ Impulse ins Nervensystem geschickt. Durch den ständigen Reiz wird das vegetative Nervensystem langfristig in seiner normalen Funktion gestört, und es kommt zu den jeweiligen Beschwerden.

Nach Huneke kann jede chronische Krankheit störfeldbedingt sein, und jede Stelle des Körpers kann zu einem Störfeld werden.
Eine konkrete Beziehung zwischen Störfeld und ausgelöster Erkrankung wie bei den Reflexzonen der Segmenttherapie gibt es allerdings nicht.

Da es an dem Störfeld selbst meist nicht zu örtlichen Symptomen kommt, ist es nicht immer einfach, das Störfeld überhaupt ausfindig zu machen.

Aus diesem Grund ist die genaue Befragung des Patienten über erlittene Verletzungen, Krankheiten oder Operationen von großer Bedeutung.

Werden örtliche Betäubungsmittel in ein gefundenes Störfeld gespritzt, kommt es in Sekundenschnelle zum hundertprozentigen Verschwinden der Beschwerden - dieses Phänomen wird auch als Sekundenphänomen bezeichnet und ist äußerst eindrucksvoll.

Weiterhin ist charakteristisch, dass die Symptomfreiheit bis zu 20 Stunden andauert und sich diese Wirkungszeit bei wiederholter Anwendung gegenüber dem ersten Mal noch verlängert.


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